«Durch NFC wird Mobile Paying bei uns eine Revolution erleben»

Das neue iPhone soll auch ein Portemonnaie sein. Das kann gefährlich für das Swisscom-Bezahlsystem Tapit werden.

Wird das Iphone zum Portemonnaie? Am 9. September soll das Geheimnis gelüftet werden.

Wird das Iphone zum Portemonnaie? Am 9. September soll das Geheimnis gelüftet werden. Bild: MARK LENNIHAN /Keystone

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Seit langem warten die Nutzer darauf. Nun hat Apple offenbar vorwärtsgemacht. Das neue iPhone soll zum elektronischen Portemonnaie werden. Der Computerkonzern habe eine Vereinbarung mit den Kreditkartenanbietern Visa, Mastercard und American Express abgeschlossen, wie der Newsdienst Bloomberg und verschiedene Blogs berichten.

Die Neuheiten sollen mit der Präsentation des aktuellen Gerätes, die am 9. September stattfinden soll, vorgestellt werden, sagen gut informierte Personen. Zudem habe Apple das Smartphone mit einem NFC-Chip ausgestattet. Die Technologie («Near Field Communication») erlaubt es, kontaktlos zu bezahlen. Bei neuen iPhones soll der Nutzer die Zahlung per Fingerabdruck auf dem iPhone-Sensor bestätigen können.

Telecomanbieter würden überflüssig

Kommt der Konzern wirklich mit dem Dienst, sind das für die Schweizer Telecomanbieter gute Neuigkeiten? Swisscom hat im Juli das eigene Bezahlsystem Tapit lanciert, mit dem beispielsweise bei Coop bezahlt werden kann. Die Six Group will eine eigene Brieftasche noch präsentieren. Das Swisscom-Wallet unterstützt Karten von mehreren Kreditkartenherausgebern. Hat Apple den Deal direkt mit diesen abgeschlossen, werden Apps von Telecomkonzernen überflüssig.

Swisscom ist schon seit längerem gefasst auf neue Konkurrenz. «Uns ist bewusst, dass Tapit nicht das einzige mobile Bezahlsystem sein wird», sagt Swisscom-Sprecher Carsten Roetz. Es sei aber total offen, ob und wann ein solcher Dienst in die Schweiz komme und welche lokalen Kartenanbieter mitmachen würden, sagt Roetz weiter. Zudem unterstreicht die Swisscom nun, dass das eigene Produkt nicht einfach ein Bezahldienst ist. «Man kann damit Punkte sammeln und Bürotüren öffnen», sagt Roetz.

Skepsis wegen hoher Gebühren

Dem Detailhandel könnte es eigentlich recht sein, wenn das Bezahlen mit dem Handy direkt möglich wäre. Am Mitmischen der Telecomfirmen haben die Händler keine grosse Freude. Sie fürchten höhere Kosten. Davon bezahlen sie schon an die Kreditkartenherausgeber zu viel, wie Migros, Coop und andere Detailhändler immer wieder sagten. Der möglichen neuen Dienstleistung von Apple steht man im Handel deshalb skeptisch gegenüber.

«Es hängt alles von den Gebühren ab», sagt ein Kenner der Materie, der anonym bleiben möchte. Gerade Kreditkartenanbieter American Express, der ja auch im Apple-Deal eingeschlossen sein soll, sei wegen sehr hoher Gebühren unbeliebt.

«Kleine Revolution»

Eine mögliche NFC-Technologie im iPhone wird von Handel wie von den Telecomfirmen begrüsst. So könnte das Swisscom-Portemonnaie auch auf dem iPhone genutzt werden können. Das ist ein grosses Potenzial für den Telecomkonzern. Denn schliesslich ist das iPhone nach wie vor das meistverkaufte Smartphone in der Schweiz.

Manuel P. Nappo, Leiter Center for Digital Business an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, prognostiziert denn auch: «Ist das iPhone mit NFC-Technologie ausgerüstet, wird das Mobile Paying in der Schweiz eine kleine Revolution erleben.» Denn noch ist das Bezahlen mit dem Handy in der Schweiz eine Randerscheinung.

Es muss günstig und sicher sein

«Es ist schwierig zu sagen, welche Auswirkungen eine allfällige Aufrüstung des iPhone mit der NFC-Technologie auf den Schweizer Markt hat», sagt denn auch August Harder, Leiter IT Coop und Präsident des Verbands elektronische Zahlungsmittel. Falls das eventuell kommende NFC auf dem iPhone Tapit unterstütze, würde Tapit mittelfristig sicherlich einen Schwung erleben.

Bei Coop kann man heute in allen Filialen mit Tapit und Kreditkarten bezahlen, die mit dem Funkchip ausgerüstet sind, bezahlen. Benutzt werde mobiles Bezahlen noch verhältnismässig wenig. Für Harder ist klar: Die mobile Brieftasche wird sich nur dann durchsetzen, wenn sie sicher, günstig und bequem einzusetzen ist. Bis es so weit ist, dauert es aber noch.

Erstellt: 01.09.2014, 12:41 Uhr

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