Ein Schweizer brachte die Krise, nun soll ein zweiter aufräumen

Ex-UBS-Banker Jürg Zeltner könnte Chef bei der Deutschen Bank werden. Er wäre nicht der erste Schweizer an deren Spitze.

Umstrittenes Erbe: Josef Ackermann bei seinem Abschied von der Deutschen Bank im Jahr 2012.

Umstrittenes Erbe: Josef Ackermann bei seinem Abschied von der Deutschen Bank im Jahr 2012. Bild: Alex Domanski/Reuters

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Die Deutsche Bank steckt in der Krise. Und dies schon eine ganze Weile. Die Bank schrieb in den letzten drei Jahren rote Zahlen. Zwischenzeitlich wurde gar darüber spekuliert, ob sie vom Staat gerettet werden muss. Rasche Besserung ist nicht in Sicht. Immer wieder sorgen teure Altlasten und Gerichtsverfahren für neue Rückschläge. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 30 Prozent ihres Werts verloren. Nun soll ihr ein Chefwechsel neuen Schwung bringen. Der Engländer John Cryan, der die Bank seit drei Jahren leitet, gilt als angezählt.

Als ein möglicher Kandidat für die Nachfolge Cryans wird der Schweizer Jürg Zeltner gehandelt. Er hat bei der UBS eine steile Karriere gemacht und war dort zuletzt für das Vermögensverwaltungsgeschäft zuständig. Vor kurzem verliess er die Bank. Bei einem Umbau der UBS-Chefetage gab es plötzlich keinen Platz mehr für ihn. Laut Medienberichten habe Paul Achleitner, der Verwaltungsratspräsident der Deutschen Bank, Zeltner kontaktiert. Ein Angebot für Zeltner habe er dabei aber nicht abgegeben.

Schwerer Stand im Kerngeschäft

Sollte Zeltner den Job übernehmen, nimmt er eine schwierige Aufgabe an. Die Deutsche Bank setzt nach wie vor stark auf das Investmentbanking und das Handelsgeschäft. Doch gelingt es der Bank beim Handel mit Rohstoffen, Anleihen und Aktien nicht, mit den mächtigen US-Konkurrenten mitzuhalten. Hinzu kommt, dass die Sparte für die Bank besonders teuer ist, da sie mit viel Kapital unterlegt werden muss. Auch aus einem anderen Grund sind die Kosten hoch: Die wenigen Starbanker der Branche fordern hohe Saläre. Sie seien so teuer, dass unklar sei, ob sich das Geschäft noch gewinnbringend betreiben lasse, sagt ein hochrangiger Banker aus der Schweiz.

In den Startlöchern: Ex-UBS-Chef Jürg Zeltner. (Bild: Reuters)

Die Deutsche Bank setzt damit auf eine andere Strategie als die beiden Schweizer Grossbanken. Die UBS setzt stark auf das Vermögensverwaltungsgeschäft, bei der Credit Suisse hat das Investmentbanking zwar noch einen grösseren Einfluss, aber auch hier wurde es in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren. Der Umbau der CS war schmerzhaft und hat dabei auch zu drei Verlustjahren in Folge geführt. Doch ist die Bank nun wesentlich schlanker aufgestellt. CS-Chef Tidjane Thiam ist überzeugt, dass nun bessere Zeiten auf die Bank zukommen.

Spekulation über Fusion mit CS

Zwischen der Deutschen Bank und der Credit Suisse gibt es auch sonst einige Parallelen. Beide haben im Sommer 2015 einen neuen Chef eingesetzt, der mit den Altlasten der Vorgänger aufräumen soll. Bei beiden führte der Umbau zu einer tief greifenden Krise. Zwischenzeitlich kursierten sogar Gerüchte, wonach die beiden Banken nur überleben könnten, wenn sie sich zusammenschliessen würden. Die Spekulationen wurden auch dadurch genährt, dass bei beiden Banken der Staatsfonds aus Katar zu den einflussreichsten Miteigentümern gehört. Mehr als Spekulationen waren das aber nicht.

Die Deutsche Bank hat sich in ihrer Krise nicht so stark gewandelt wie die CS. Zu tief ist die grösste Bank Deutschlands in ihrem angestammten Geschäft verhaftet. Für ihren Aufstieg in die Weltspitze beim Investmentbanking, und damit auch die grosse Abhängigkeit von diesem Geschäftsbereich, hat ein Schweizer gesorgt. Josef Ackermann war zehn Jahre lang eine der prägenden Figuren der Bank. 2012 verliess er das Institut. Für viele ist er damit auch verantwortlich für den schlechten Zustand, in dem sich die Bank heute befindet.

Kritik an Ackermann

Er selbst sieht das nicht so. «Gewiss waren auch wir nicht ohne Fehl und Tadel und haben Fehler gemacht – welcher Mensch macht keine? –, aber diese hielten sich vergleichsweise doch sehr in Grenzen», so Ackermann gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. «Ich habe seinerzeit eine Bank an meine Nachfolger übergeben, die für die Zukunft gut aufgestellt war.»

Der aktuelle Chef der Deutschen Bank sieht das anders. John Cryan sagte jüngst: «Wir wären heute in besserer Verfassung, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erledigt haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten.» Ob Cryan den Umbau abschliessen kann, ist offen. Der nächste Schweizer Chef für die Deutsche Bank steht bereits in den Startlöchern.

Erstellt: 04.04.2018, 15:35 Uhr

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