Eine Insel der Hoffnung, Risiken und Fallgruben

Raúl Castro und seine Militärs umgarnen Regierungen und Investoren. Viele Staaten wollen plötzlich mit Kuba ins Geschäft kommen.

Raúl Castro will das Image und die Wirtschaft seines Inselstaates auf Vordermann bringen.

Raúl Castro will das Image und die Wirtschaft seines Inselstaates auf Vordermann bringen. Bild: Reuters

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Das Eis zwischen den USA und Kuba schmilzt langsam dahin und schon reiben sich ausländische Geschäftsleute, Investoren und Handelsdelegationen die Hände. Nach der Devise «Jetzt oder nie» reisen sie aus aller Herren Länder nach Havanna und geben sich die Türklinke bei Raúl Castro und seiner Alt­herrenriege in die Hand. Niemand will etwas verpassen, alle wollen mit Kuba ins Geschäft kommen.

Die kubanische Regierung öffnet ihnen die Türen mit einem Lächeln und entsendet die eigenen Minister auf Werbetour rund um den Erdball. Ihre Botschaft: Im kommunistischen Kuba ist die kapitalistische Welt und ihr Geld herzlich willkommen. Mit neuen Regeln und Gesetzen für ausländische Firmen und Investoren, einem neuen Container­hafen und einer Sonderwirtschaftszone will die Insel Firmen, Kapital und Waren an Land locken.

Eine Insel, wo es praktisch an allem mangelt, ist zweifellos ein Markt mit ­Potenzial respektive mit grossem Bedarf. Vieles von dem, was die Schweizer Wirtschaft herstellt – ebenso ihr Know-how –, könnte Kuba gut gebrauchen.

Der Staat, ein Bremsklotz

Doch Vorsicht ist geboten. Kuba ist nach wie vor das Kuba der Brüder Castro. Und die haben nicht den Ruf, verlässliche und vertrauenswürdige Geschäftspartner zu sein. Auf der Weltrangliste der wirtschaftlichen Freiheiten ist das Land auf dem zweitletzten Rang, nur Nordkorea ist noch schlechter platziert. Wer in Kuba Geschäfte machen will, muss sich mit einem allmächtigen Staat und seiner monströsen Bürokratie herumschlagen.

In diesem Land herrschen nicht die Gesetze der freien Marktwirtschaft, ­sondern die Castros und ein Clan von hochrangigen Militärs, die praktisch die ganze Wirtschaft kontrollieren. Diese meist greisen Männer denken nicht wie Unternehmer, sondern wie Krieger. Sie funktionieren nach dem Prinzip Befehlsausgabe und Marsch.

Wirtschaftlich haben die Revolutionäre das Land an die Wand gefahren. Die Produktion liegt darnieder, die Infrastruktur ist veraltet und mangelhaft. Der Staat muss Milliarden ausgeben für Importe. Das Geld dafür kommt hauptsächlich vom Tourismus, aus dem Export von medizinischem Personal, von Metallen (Nickel), Chemie (Medikamenten) und Exilkubanern, die ihre Angehörigen auf der Insel finanziell unterstützen. Da alle Läden und Geschäfte dem Staat gehören, fliessen diese Milliarden letztlich auch in seine Kassen.

Geld ist im Reich der Castros, die das Zahlungsmittel einst gänzlich abschaffen wollten, grundsätzlich ein Problem. Das klamme Kuba gilt als notorisch schlechter Zahler. Ohne grosszügiges Entgegenkommen der Bruderstaaten Venezuela und China (die beiden wichtigsten Handelspartner) könnte Kuba nicht überleben.

Auf der Insel existieren zwei Währungen, für die landesintern drei verschiedene Wechselkurse gelten, die aber nicht an die internationalen Finanzmärkte angebunden und frei wechselbar sind. Das kubanische Bankenwesen ist alles andere als solide, und allein das Wort «Kuba» löst bei vielen internatio­nalen Finanzinstituten Alarm aus – unter anderem wegen des Embargos der USA, das nach wie vor besteht und ausländischen Unternehmen das Geschäften in Kuba teils massiv erschwert oder gar verbietet.

Ein Kreuz ist auch die Korruption. Sie hat massiv zugenommen. Überall wird bestochen, betrogen und gestohlen,­ ­sitzen miserabel bezahlte Beamte und Bürokraten, die ohne Schmiergeld keinen Finger rühren. Mit Geld lässt sich im  armen Kuba heute fast alles regeln, inner- und ausserhalb der Gesetze. Die ­Justiz ist weder transparent noch unabhängig. Richter, Ankläger und Anwälte sind Diener der politischen Führung und ihrer Interessen.

Staat kassiert 90 Prozent

Was ausländische Unternehmen, die in Kuba Fuss fassen wollen, besonders abschreckt: Sie dürfen kubanische Arbeitskräfte nicht selbst rekrutieren und anstellen und ihnen auch nicht direkt die Löhne bezahlen. Alles läuft über den Staat. Er vermittelt das Personal und kassiert die Löhne – und gibt davon den Angestellten lediglich zehn Prozent weiter. Die Folge: Sie arbeiten unmotiviert und ineffizient; den ausländischen Firma bleibt nichts anderes übrig, als ­ihnen unter der Hand noch etwas obendrauf zu zahlen. Unzählige Geschäftsleute haben auf dieser Insel schon die Nerven und sehr viel Geld verloren.

Auch wenn nun im politischen Tauwetter zwischen den USA und Kuba viele Länder und Unternehmen Morgenluft wittern: Die Risiken sind nach wie vor grösser als die Chancen. Aber Kuba war schon immer eine Insel der Hoffnungen und Träume.

Erstellt: 03.07.2015, 11:07 Uhr

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