Eine Institution kämpft um ihr Image

Der britische Sender BBC gerät wegen eines neuen Missbrauchsskandals in die Schlagzeilen. Und eine Mitarbeiterbefragung stellt dem Unternehmen ein miserables Zeugnis aus.

Die britische Rundfunkanstalt steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte: Hauptsitz in London. (Bild: Keystone)

Die britische Rundfunkanstalt steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte: Hauptsitz in London. (Bild: Keystone)

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Die British Broadcasting Corporation, kurz BBC, ist eines der renommiertesten Medienunternehmen weltweit. Doch seit Monaten steckt die britische Rundfunkanstalt in einer Krise. Angefangen hat alles im letzten Jahr mit einem Sexskandal. Hunderte Jugendliche und Kinder wurden in einem Zeitraum von 40 Jahren vom verstorbenen Kultmoderator Jimmy Savile sexuell missbraucht. Das Image der Institution sank auf einen Tiefpunkt. Auch weil die Verantwortlichen mit den Vorwürfen dilettantisch umgingen, litt die Glaubwürdigkeit des BBC-Journalismus massiv.

Als ob der Fall Savile nicht schon Schmach genug für den öffentlich-rechtlichen Sender gewesen wäre, sorgte wenig später eine Falschrecherche für Aufsehen. Investigativen Reportern des Senders unterliefen haarsträubende Fehler. Ein Tory-Politiker wurde fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigt. BBC-Generaldirektor George Entwistle erklärte nach lediglich 55 Tagen Amtszeit seinen Rücktritt.

Eine weitere Enthüllung wurde bekannt

Und nun sorgt ein neuer Skandal für Schlagzeilen. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der langjährige Moderator Stuart Hall ebenfalls Kinder missbraucht hatte. Entgegen seinen ursprünglichen Beteuerungen – er sprach stets von «bösartigen, kaltblütigen, schmerzhaften und vor allem unzutreffenden» Vorwürfen – hat sich Hall der sexuellen Belästigung von 13 Mädchen und jungen Frauen schuldig bekannt. Das jüngste Opfer war zum Zeitpunkt der zwischen 1967 und 1985 verübten Taten erst neun Jahre alt.

Die Polizei beschreibt den heute 83 Jahre alten TV-Star als «opportunistischen Jäger», der sich seinen Opfern unter freundschaftlichem Vorwand genähert und dann auf den geeigneten Zeitpunkt gewartet habe, um sie zu bedrängen. Wie die BBC über einen Sprecher mitteilt, sei man über die Vergehen von Stuart Hall entsetzt. Man arbeite mit der Polizei zusammen, um nicht zuletzt auch zu klären, ob Hall in Räumlichkeiten der BBC Straftaten begangen habe. Das Unternehmen hat das Arbeitsverhältnis mit dem Moderator aufgelöst und werde ihn in Zukunft auch nicht mehr beauftragen.

Schlechtes Klima bei der BBC

Aber die BBC ist noch nicht aus dem Schneider. Zu den Sexskandalen und Falschrecherchen gesellt sich ein neues Problem: Eine aktuelle Mitarbeiterbefragung belastet nun zusätzlich das Ansehen des britischen Medienunternehmens. Eine interne Studie, an der fast 1000 Mitarbeiter teilnahmen, kommt zum unguten Schluss, dass das Klima geprägt sei von Angst.

Mitarbeiter würden beschimpft. Vorgesetzte legten ein aggressives Verhalten an den Tag, schrien und tobten. Nicht wenige sollen unter Tränen ausgesagt haben, dass sie wegen ihrer Sexualität oder ihrer Herkunft gemobbt würden. In den letzten sechs Jahren seien insgesamt 37 Beschwerden wegen Belästigung weitgehend folgenlos geblieben. Generaldirektor Tony Hall sagte selbst, dass Teile des Berichts eine «unerfreuliche Lektüre» seien. Er kündigte Nulltoleranz gegenüber Mobbing an und will gerade in den Führungsetagen für einen neuen Stil sorgen. Mit neuen Verhaltensregeln will Hall die Situation in den Griff bekommen. Die britische Kulturministerin Maria Miller forderte: «Es ist wichtig, dass die BBC schnell und entschlossen den Ergebnissen des Berichts nachgeht. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die BBC ein guter Ort zum Arbeiten ist.»

Erstellt: 03.05.2013, 15:53 Uhr

BBC-Moderator Stuart Hall gesteht sexuelle Belästigung junger Frauen.

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Missbrauchsskandal bei der BBC

Missbrauchsskandal bei der BBC Kurz nach dem Tod des langjährigen BBC-Moderators Jimmy Savile wurde publik, dass dieser jahrzehntelang Kinder missbraucht hatte. Da die BBC den Fall nicht selber publik gemacht hat, steht die britische Rundfunkgesellschaft unter Beschuss.

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