Englische Kirche lässt Hedgefonds alt aussehen

Die Church of England legt ihr Geld besser an als viele Profimanager. Dabei setzt sie auf ein einfaches Erfolgsrezept.

Die englische Kirche verdient viel Geld mit ihren Investitionen: Das Münster von York.

Die englische Kirche verdient viel Geld mit ihren Investitionen: Das Münster von York. Bild: Phil Noble/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gier ist gut. Mit diesem Motto prägte die «Wall Street»-Filmfigur Gordon Gekko in den Achtzigern das Image des skrupellosen, aber erfolgreichen Geldmanagers. Eine kirchliche Institution hat nun den Beweis erbracht, dass die Todsünde Gier keine Bedingung ist, um erfolgreich Geld anzulegen. Denn viele Banken und Vermögensverwalter dürften derzeit neidisch nach Grossbritannien schauen.

Die Church of England verwaltet ein Vermögen von rund 8 Milliarden Pfund. Das ist in etwa so viel wie bei einer kleinen Schweizer Bank. In einer Zeit, in der Fonds-Manager über jedes Prozent Rendite auf ihren Anlagen froh sind, hat die englische Landeskirche mit ihren Geldgeschäften im letzten Jahr einen Zuwachs von mehr als 17 Prozent erwirtschaftet. Dies berichtete jüngst der «Guardian». Die englische Kirche übertrumpft damit viele professionelle Geldverwalter. Zum Vergleich: Die grossen Schweizer Pensionskassen erreichten in den letzten Jahren eine durchschnittliche Rendite zwischen 2 und 4 Prozent.

Ethische Anlagen bringen mehr ein

Die Kirche führt ihre erfolgreiche Anlagepolitik nicht auf den Beistand von ganz oben zurück. Vielmehr glaubt sie so erfolgreich zu sein, weil sie bei ihren Geldentscheiden nicht jedem Trend nachrennt und ihr Geld nach strengen ethischen Kriterien anlegt. Sie hält etwa Aktien, Immobilien oder ist über Private-Equity-Anteile an Firmen beteiligt. Gegenüber dem «Guardian» sagte der für die Aktienanlagen zuständige Richard Saunders: «Wir haben immer gesagt, dass ethische Anlagen kein Nachteil für uns sind. Ich würde nun nicht bestreiten, dass sie sogar ein Vorteil sein können.»

Umfrage

Wie legen Sie Ihr Geld an?







Die gewöhnliche Anlagepolitik sorgt für ausserordentlich hohe Erträge. Im letzten Jahr haben ihre Aktienanlagen mehr als 30 Prozent zugelegt. Bei den Immobilien beläuft sich das Plus auf mehr als 11 Prozent. Die Kirche hat ihr Geld auch in Forstgebiete investiert. Dort beträgt das Plus mehr als 24 Prozent. Über die letzten dreissig Jahre kommt eine beachtliche Rendite von mehr als 9 Prozent pro Jahr zusammen. Die für ihre riskanten Anlageentscheide bekannten und als besonders skrupellos gefürchteten Hedgefonds fuhren 2016 laut Branchenstudien im Schnitt eine Performance von 5,5 Prozent ein.

Das meiste Geld kommt von Spendern

Das gute Anlageergebnis sorgt für volle Kassen. 230 Millionen Pfund schüttete die Kirche letztes Jahr aus. Das sei zwar ein willkommener Zuschuss, entspreche aber nur rund 15 Prozent des jährlichen Einkommens, heisst es bei der Church of England. Der grösste Teil des Kirchenhaushalts würde nach wie vor von den Spendern kommen.

Doch die Church of England verdient mit ihren Investments nicht nur gutes Geld. Sie übt auch ihren Einfluss auf die Geschäfte der Unternehmen aus, von denen sie Aktien hält. Sie setzt sich dafür ein, dass die Firmen mehr auf den Umweltschutz achten oder keine exorbitanten Managerlöhne bezahlen. Die Kirche hat bei fast allen Generalversammlungen gegen die Vergütungsberichte gestimmt. Zudem habe sie sich dafür eingesetzt, dass mehr Frauen in die Verwaltungsräte kommen. Dabei zeigt sie sich sehr konsequent. Bei Unternehmen, in denen der Frauenanteil im Aufsichtsgremium unter 25 Prozent beträgt, hat sie gegen alle männlichen VR-Kandidaten gestimmt.

Prestigeerfolg bei Erdöl-Multi

Die Kritik der Church of England an den verkrusteten Strukturen zeigt Wirkung. Die Rohstoffkonzerne Glencore und Anglo American legen nach dem Einsatz der Kirche Klimaberichte vor. Vor kurzem konnte sie einen besonderen Erfolg feiern. So haben unter anderem die Stimmen der Kirche an der GV des weltweit grössten Erdölunternehmens Exxon für eine kleine Sensation gesorgt. Das US-Unternehmen wurde dazu verpflichtet, sich stärker mit den Folgen des Klimawandels auseinanderzusetzen.

Auch hier zeigte sich, dass die Geduld der Kirche mit der Zeit Früchte trägt. Schon vor einem Jahr nahm die Kirche einen Anlauf, um auf Exxon einzuwirken. Damals scheiterte sie noch – in diesem Jahr schaffte sie es aber, einen grossen Teil der Aktionäre auf den rechten Weg zu bringen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.06.2017, 18:02 Uhr

Artikel zum Thema

Aktionäre zwingen Ölmulti zu mehr Klimaschutz

In einer historischen Abstimmung haben die Anteilshaber von ExxonMobil der Unternehmensführung eine Niederlage zugefügt. Mehr...

Wie die AHV mehr Rendite herausholen könnte

Der Vorsorge-Fonds wird äusserst risikoscheu bewirtschaftet. Da läge mehr drin, sagen Experten. Mehr...

Pensionskassen haben Verluste wieder wettgemacht

Die Börse bereitete den Vorsorgeeinrichtungen Anfang dieses Jahres Probleme. Jetzt steigt die Rendite wieder. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Klein übt sich: Ein Gruppe Mittelschüler in Hangzhou, China, absolviert eine Militärübung. (August 2017)
Mehr...