Exportierte Luxusuhren kommen im grossen Stil zurück

Die Sorgen bei der Schweizer Uhrenindustrie dürften grösser werden: Die Wiedereinfuhren von teuren Uhren klettern auf ein Rekordniveau.

Schweizer Uhrenexporte schwächeln: In der Zentrale des Westschweizer Luxusgüterkonzerns Richemont kommt es zu wechseln. <i>(Bild PD)</i>

Schweizer Uhrenexporte schwächeln: In der Zentrale des Westschweizer Luxusgüterkonzerns Richemont kommt es zu wechseln. (Bild PD)

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Schweizer Luxusuhren waren einst im Ausland begehrt. Doch verkaufen sie sich offenbar immer schlechter. Während der Schweizer Aussenhandel insgesamt wächst, sind die Exporte von Schweizer Uhren seit sechs Quartalen rückläufig.

Doch es gibt noch einen zweiten Grund zur Sorge: Rund 40 Prozent des Schweizer Uhrenimports machen Zeitmesser aus hiesiger Produktion aus, die wieder in die Schweiz eingeführt werden. Das zeigen neueste Daten der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV). So hoch war der Anteil in den letzten zehn Jahren nie.

Der Anteil der Rückimporte steigt

Insgesamt beläuft sich der Uhrenimport in die Schweiz auf 3,3 Milliarden Franken. Der Gesamtexport der Uhrenbranche beläuft sich auf 15 Milliarden Franken. Wenn also der Rückimport 40 Prozent ausmacht, landen 8 Prozent der exportierten Uhren später wieder in der Schweiz.

Der Wiederimport kommt laut der EZV vor allem auf besonders teuren Uhren vor. Sie würden an Uhren- und Schmuckmessen ausgestellt, dort aber nicht verkauft und landeten daher wieder in der Schweiz. Der Durchschnittswert der wiedereingeführten Uhren liegt bei rund 7000 Franken. Es sind also die teureren Uhren, die den Weg in die Schweiz finden. Denn im Schnitt kostet eine aus der Schweiz exportierte Uhr rund 720 Franken.

Stückmässig sind es laut der EZV nur 1 Prozent der Uhren, die wieder den Weg in die Schweiz finden. Das lässt darauf schliessen, dass an den Uhrenausstellungen die teuren Modelle weniger Absatz finden. Die aktuellen Zahlen sind aber mit Vorsicht zu geniessen. Sie erfassen nur die Ein- und Ausfuhren bis Oktober, das wichtige Weihnachtsgeschäft fehlt also.

Viele Uhren kommen aus Hongkong wieder zurück

Besonders wichtig für die Uhrenbranche sind die Märkte Hongkong und USA. Im Fall von Hongkong hat sich der Anteil der Reimporte zwischen 2005 und 2015 von 12 Prozent auf 54 Prozent mehr als vervierfacht. In absoluten Zahlen ist der Anstieg aber noch deutlicher. 2005 wurden Uhren im Wert von 35 Millionen Franken wieder in die Schweiz importiert. 2015 kamen Uhren im Wert von 268 Millionen Franken aus Hongkong wieder in die Schweiz zurück. Aus den USA stiegen die Reimporte zwischen 2005 und 2015 von 58 Millionen auf 146 Millionen Franken an.

Auch der exportierte Schmuck landet oft wieder in der Schweiz. Ein Drittel des Schmuckimports in die Schweiz entstammt von Ausfuhren, die laut der Zollverwaltung wieder in die Schweiz rückimportiert werden.

Stellenabbau in der Branche

Aus der Uhrenbranche kamen zuletzt deutliche Krisenzeichen. Die lange boomende Nachfrage aus China lässt nach. Erst vor wenigen Wochen gab der Luxusgüterkonzern Richemont bekannt, dass 210 Stellen wegfallen. Betroffen sind davon vor allem Mitarbeiter der Marken Piaget und Vacheron Constantin.

Schon im Sommer kündigte Richemont den Abbau von 350 Stellen an. Damals wurden laut Gewerkschaftern aber nur 100 Kündigungen ausgesprochen. Zudem wurde die Konzernleitung umgebaut. Mit Georges Kern soll der Chef der zum Richemont-Konzern gehörenden Schaffhauser Uhrenmarke IWC die Geschäfte wieder zum Laufen bringen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.12.2016, 14:25 Uhr

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