Gefallener CS-Topshot wird als Raiffeisen-Präsident gehandelt

Um Hans-Ulrich Meister bliebs lange ruhig. Nun servierte der Implenia-Präsident seinen CEO ab – und könnte seine unvollendete Karriere doch noch krönen.

Die Karriere von Hans-Ulrich Meister bei der Credit Suisse endete vor drei Jahren abrupt. Nun steht er wieder im Rampenlicht.

Die Karriere von Hans-Ulrich Meister bei der Credit Suisse endete vor drei Jahren abrupt. Nun steht er wieder im Rampenlicht. Bild: Keystone

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Wer die unbestrittene Stärke von Hans-Ulrich Meister einmal erleben möchte, muss sich bei einem Anlass einfach nur in seine Nähe begeben. Als zum Beispiel der heutige Implenia-Präsident noch Chef des Private Banking bei der Credit Suisse war, hielt Meister regelmässig nach den offiziellen Pressekonferenzen im Foyer der Bank Hof und beantwortete geduldig und ausführlich alle Fragen. Hemdsärmlig, zupackend und nahbar, so beschreiben ihn auch frühere Mitarbeiter.

Meister gilt aber auch als sehr ehrgeizig. Und bis zum Herbst 2015 kannte seine Karriere nur eine Richtung: nach oben. Dann kam der Knick: Der neue Chef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, setzte Meister vor die Tür. Statt in der Finanzwirtschaft landete der gebürtige Glarner in der Baubranche und wurde Verwaltungsratspräsident des Baukonzerns Implenia.

Zurück im Rampenlicht

Seit rund zwei Jahren hat Meister das Amt inne, das als 30-Prozent-Job angelegt ist. Grosse Schlagzeilen hat er seitdem nicht gemacht. Bis jetzt. Nun rückt Meister gleich aus zwei Gründen wieder in das Rampenlicht.

Zum einen hat er sich des starken Mannes von Implenia, Anton Affentranger, entledigt. Dabei war es Affentranger, der Meister nach seinem Aus bei der Credit Suisse zum Baukonzern geholt hatte. Beide kennen sich aus den 90er-Jahren, als Affentranger bei der UBS-Vorläuferbank Schweizerische Bankgesellschaft das Firmenkundengeschäft leitete, wo auch Meister tätig war.

Bei Implenia hatte Affentranger schon früh seinen Abgang im Laufe dieses Jahres angekündigt. Doch dass der ehemalige Implenia-Übervater nun so plötzlich geht, das hat auch Konzerninsider überrascht. Meister war für ein Gespräch nicht zu erreichen. Aus seinem Umfeld heisst es nur trotzig: «Den neuen CEO bestimmt der Verwaltungsrat und niemand sonst.»

Kandidat für Raiffeisen?

Der zweite Punkt, warum Meister wieder in den Blickpunkt rückt, ist die Raiffeisen-Bankengruppe. Interimspräsident Pascal Gantenbein will im November sich den Delegierten zur Wahl stellen, um das Amt dauerhaft zu übernehmen. Doch Gantenbeins zur Schau gestellte Verbundenheit mit Bankchef Patrik Gisel nährt in der genossenschaftlichen Bankengruppe Zweifel, ob Gantenbein der Richtige für den Job ist.

Der Nominationsausschuss hält nach Alternativen Ausschau. Und hier und da fällt dabei der Name Meister, ohne dass dabei schon klar ist, ob er es am Ende auf die Auswahlliste schafft. Und ob der Ex-Credit-Suisse-Banker für das Amt zur Verfügung steht, war von ihm selbst nicht in Erfahrung zu bringen. Aber mehrere Quellen aus dem Umfeld von Implenia sagen, dass Meister Lust auf den Job habe.

In Kreisen der Credit Suisse, wo Meister jahrelang tätig war, gibt es jedoch neben Befürwortern auch Kritiker. Die Befürworter argumentieren, dass Meister Erfahrung im Bankmanagement mitbringe. Meister habe das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt und kenne sich als ehemaliger Zweigstellenleiter sehr gut mit der mittelständischen Kundschaft der Raiffeisen-Gruppe aus.

Defizite als Stratege

Meister hat in der Bankbranche aber einige Kritiker. «Ihm fehlt die strategische Denke», sagt eine Quelle. Eine andere meint: «Meister duldet keine starken Persönlichkeiten neben sich, zudem ist er immer nur auf Sendung, kann selbst aber nicht zuhören.»

Sollte Meister für den Raiffeisen-Job auf den Schild gehoben werden, wären das für Bankchef Patrik Gisel wohl schlechte Nachrichten. Denn so jovial Meister im Umgang ist, wenn es darum geht, seine Machtposition zu sichern, agiert er konsequent, heisst es aus Kreisen der Credit Suisse.

Zur Grossbank kam er im Jahr 2008, nachdem ihm bei der Konkurrentin UBS der Aufstieg in die Konzernleitung verwehrt geblieben war. Zur Credit Suisse geholt hatte ihn der damalige Leiter des Private Banking, Walter Berchtold. Dieser lag im Dauerclinch mit dem damaligen Schweizchef Ulrich Körner. Dieser wechselte zur UBS, Berchtold schlug Meister als neuen Schweizchef der Bankführung vor.

Grosser Karrierehunger

Doch Meister wollte mehr und schielte auf den Posten von Berchtold. Drei Jahre nach seinem Einstieg bei der Bank hatte er seinen Mentor verdrängt und bekam neben der Leitung des Schweizgeschäfts auch die Verantwortung für die Kernsparte Private Banking. Berchtold wurde mit dem Posten des Chairman der Sparte abgespeist.

Ein ähnliches Muster scheint sich nun bei Implenia zu wiederholen. Denn es war Affentranger, der Meister nach internen Querelen dem Verwaltungsrat als neuen Präsidenten vorgeschlagen hatte. Und nun setzt Meister seinen Förderer vor die Tür.

Ob Meister nun das Zeug hat, neben Implenia auch noch die Raiffeisen-Gruppe zu leiten, dazu gehen die Meinungen auseinander. Seine Kritiker verweisen darauf, dass sein Leistungsausweis bei der Grossbank nicht überzeugt hat. «Die Beförderung zum Chef Private Banking war eine Beförderung zu viel», sagt eine Quelle, die Meister aus nächster Nähe kennt.

Schlechte Ergebnisse

2011 startete Meister als frischgebackener Chef der Kernsparte der Bank das Projekt «Future PB» – PB steht für Private Banking. Bis 2014 sollte der Vorsteuergewinn um 800 Millionen Franken zulegen, der 2010 bei 3,4 Milliarden Franken lag. Das ehrgeizige Ziel sollte durch Optimierung der Strukturen und Investitionen in Wachstumsmärkte wie Asien erreicht werden. Doch statt zu wachsen, schrumpfte der Vorsteuergewinn. 2014 lag er bei noch rund 2 Milliarden Franken.

Nach aussen hin trat Meister dennoch immer als «Mr Switzerland» als Gesicht der Bank im Heimatmarkt auf. Der damalige Bankchef, der Amerikaner Brady Dougan, überliess ihm die Bühne, auch Bankpräsident Urs Rohner hielt sich meist bedeckt. Doch statt Dougan zu beerben, erfolgte vor rund drei Jahren der unsanfte Rauswurf durch den neuen starken Mann der Bank, Tidjane Thiam.

Letzte Chance für Karrierekrönung?

Im kommenden Jahr wird Hans-Ulrich Meister 60. Viel Zeit bleibt ihm also nicht mehr, um die unvollendete Karriere noch mit einem Highlight zu krönen. Als Raiffeisen-Präsident, der drittgrössten Bankengruppe der Schweiz, wäre Meister wieder da, wo er gerne ist: im Rampenlicht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.07.2018, 08:07 Uhr

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