Hintergrund

Geheime Treffen, Codenamen und konspirative Überweisungen

Die heute publik gemachte Anklageschrift gegen drei Schweizer Banker liest sich wie ein Filmskript zum Swiss Banking. Als wären die gestrigen Finma-Veröffentlichungen in Sachen Libor und UBS nicht genug gewesen.

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Ein Ehepaar aus den USA spaziert die Bahnhofstrasse entlang und betritt die erstbeste Bank, die es sieht. Schnell findet sich dort ein Kundenberater, der bereit ist, ein geheimes Konto zu eröffnen. Flink erledigt er alle Formalitäten, um das Geld des Paares sicher zu parkieren.

Damit die Steuerbehörden in den USA keinen Wind vom Vermögen in der Schweiz bekommen, empfiehlt der Berater, keine Kontounterlagen mitzunehmen, das Konto unter einem Codenamen zu führen und sich auf keinen Fall Unterlagen in die USA schicken zu lassen.

Auch Telefonate mit der Bank in Zürich, Faxe oder Mails sind tunlichst zu vermeiden. Einige Zeit später fliegt der Berater in die USA, trifft seine Kunden dort in einem Hotel und berichtet, wie es dem Vermögen in Zürich in der Zwischenzeit ergangen ist.

Scheinfirma auf den Virgin Islands

Der Staatsanwaltschaft des Southern District of New York scheinen Beweise und Zeugenaussagen für eine Reihe von Begegnungen dieser Art vorzuliegen, denn sie werden in der Anklageschrift detailliert aufgelistet. Die ZKB hat heute Berichte bestätigt, dass zwei ihrer Mitarbeiter und ein ehemaliger ZKB-Berater in den USA angeklagt werden. Zu den erhobenen Vorwürfen könne sie aber «gegenwärtig keine Angaben machen». Einer der Angeklagten hat sich inzwischen als Vermögensberater selbstständig gemacht und wirbt auf seiner Webseite mit 24 Jahren Erfahrung in der Beratung amerikanischer Kunden.

Dem Vermögensberater wirft das Gericht vor, einem US-Kunden einen Kontakt in Liechtenstein vermittelt zu haben, der für den Kunden dort eine Stiftung aufsetzte. Diese wurde dann als Berechtigte des Kontos in Zürich eingetragen. Um die Identität des Kunden noch besser zu verschleiern, habe der Liechtensteiner Treuhänder später auf den britischen Virgin Islands eine Scheinfirma gegründet, die bei der ZKB als Eignerin des Vermögens firmierte. Als Eigentümerin der Firma galt wiederum die Stiftung in Liechtenstein. In Zürich habe der Kunde seinen ZKB-Berater und den Liechtensteiner Treuhänder manchmal auch zusammen getroffen.

Überweisungen in Tranchen

Das Gericht wirft den ZKB-Beratern zudem vor, in den USA ein Konto bei einer Bank unterhalten zu haben, über das die Kunden an ihr Geld in der Schweiz herankommen konnten. Vermögen vom Zürcher Konto sei an diese Bank überwiesen worden. Die Anleger erhielten dann Checks dieser Bank, die sie überall einlösen konnten. Dabei hätten die Kundenberater und mit ihnen zusammenarbeitende externe Vermögensverwalter peinlich darauf geachtet, dass nie Beträge von mehr als 10'000 Dollar eingelöst wurden. Wollte ein Kunde grössere Beträge, seien diese in Tranchen angewiesen worden. Dies habe allein dem Zweck gedient, keine Meldung auszulösen und damit den Verdacht der US-Behörden zu wecken.

Das beschriebene Verhalten der ZKB-Berater gegenüber ihren Kunden nährt den Eindruck, dass es sich bei den dokumentierten Kundenbeziehungen nicht um Einzelfälle handelt. Das Gericht wirft den ZKB-Beratern denn auch vor, zwischen 2003 und 2009 mehr als 190 US-Bürgern beim Hinterziehen von Steuern behilflich gewesen zu sein. Die Bankberater hätten sich «bewusst und vorsätzlich» mit anderen «verschworen», um die US-Steuerbehörden zu «täuschen und zu betrügen».

Geerbte Konten

Teilweise übernahmen die Bankberater Vermögen, die zuvor bei der UBS verwaltet wurden. Nachdem es den Kunden dort nach 2008 zu heiss wurde, transferierten sie ihr Geld zu anderen Banken. Die Berater der ZKB hätten sie in diesem Vorgehen bestätigt und ihnen versichert, bei der ZKB sei das Geld besser aufgehoben, weil diese in den USA keine Niederlassungen habe und daher durch die US-Justiz weniger erpressbar sei.

Einige der mit Nummern versehenen Kunden in der Anklageschrift hatten ihre Konten in der Schweiz von verstorbenen Müttern oder Vätern geerbt. Um sie weiterhin vor der US-Steuerbehörde geheim zu halten, reisten sie in die Schweiz, um das Vermögen auf den eigenen Namen übertragen zu lassen. Einer Kundin, die ihr Vermögen deklarieren wollte, soll der ZKB-Berater gesagt haben, dort werde das gesamte ererbte Vermögen eingezogen. Andere Kunden, die ihr geerbtes Konto der Steuerbehörde IRS gemeldet hätten, hätten dies bitter bereut.

Erstellt: 20.12.2012, 15:04 Uhr

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