Hintergrund

Hypothekarzinsen: Kein Grund zur Panik

Die höheren Hypozinsen markieren noch keine Trendwende. Sich jetzt zu einem schnellen Immobilienkauf verleiten zu lassen, halten Experten für falsch. Es gebe klügere Wege, sich eine günstige Hypothek zu sichern.

Noch schnell kaufen bevor die Zinsen weiter steigen? Neubauwohnungen in Zürich-Oerlikon im Februar 2006.

Noch schnell kaufen bevor die Zinsen weiter steigen? Neubauwohnungen in Zürich-Oerlikon im Februar 2006. Bild: Keystone

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Von einem «starken Anstieg der Hypothekarzinsen» war in der Sonntagspresse und auf vielen Onlineportalen zu lesen. Die Zeitung «Der Sonntag» hat die Hypothekarangebote der Schweizer Banken im Januar mit den offerierten Zinssätzen im Dezember verglichen und dabei einen Anstieg «um bis zu 20 Prozent» festgestellt. Das klingt dramatisch. Vergessen werden sollte aber nicht, dass es sich dabei um eine Erhöhung auf sehr tiefem Niveau handelt und sich an den grundsätzlich historisch tiefen Zinsen so schnell nichts ändern wird.

Claudio Saputelli, Immobilienexperte bei der UBS, erklärt die leicht höheren Hypothekarzinssätze mit den Refinanzierungsbedingungen der Banken am Kapitalmarkt. Obwohl sich der Leitzins selbst nicht geändert habe, seien die langfristigen Zinssätze, zu denen sich Finanzinstitute gegenseitig Geld leihen, seit Dezember um bis zu 0,5 Prozentpunkte angestiegen. «Darin reflektiert sich die zunehmende Zuversicht in eine konjunkturelle Erholung der Weltwirtschaft, sodass die Leitzinsen vielleicht wieder ansteigen könnten», erklärt Saputelli gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Eurokrise spricht gegen Trendwende

Angesichts dessen zu befürchten, dass bei den Hypothekarzinsen jetzt eine Trendwende erfolge, hält Saputelli aber für überzogen. «Grundsätzlich ist die weltweite Wirtschaftslage noch immer so kritisch, dass die Zentralbanken die Leitzinsen nicht so schnell erhöhen können», ist der Leiter des UBS-Immobilienresearch überzeugt. Weder in den USA noch in Europa oder Japan sei eine baldige Erholung der Wirtschaft in Sicht. Und solange die grossen Wirtschaftsräume ihre Leitzinsen auf rekordniedrigem Niveau halten, könne auch die Schweiz die Leitzinsen nicht spürbar anheben. Denn eine zu grosse Differenz zum Euroraum würde die Rolle der Schweiz als sicherer Anlegerhafen akzentuieren und den Franken wieder bedrohlich erstarken lassen.

Dass die langfristigen Zinssätze am Kapitalmarkt in den letzten Wochen angestiegen seien, hat laut Saputelli damit zu tun, dass man wieder auf eine Erholung im Euroraum hoffe. Oder zumindest zu hoffen wagt. Sollte diese nämlich tatsächlich eintreten, könnten auch die Zinsen wieder steigen. Doch angesichts der weiterhin prekären Lage in Spanien oder Italien und der Pflasterpolitik in Griechenland könne kein Ökonom davon ausgehen, dass die Eurokrise in absehbarer Zeit gelöst sei. Ironischerweise begünstigt die anhaltende Krise in Südeuropa die Hypothekarschuldner in der Schweiz.

Zinserhöhung im Gleichschritt

Dass die Schweizer Banken gemäss der Untersuchung des «Sonntag» unisono ihre Hypozinsen erhöhten, würden andere Banken sicher ähnlich begründen wie die UBS. Bei skeptischen Beobachtern wecken derlei synchron gestaltete Zinsschritte den Verdacht der Absprache unter den Instituten. «Ich würde mich hüten, zu sagen, die Zinserhöhungen im Januar seien abgesprochen», sagt dazu der unabhängige Hypothekenfachmann Stefan Heitmann von Mymoneypark. «Doch der Markt ist klein, und natürlich schaut jede Bank, was die andere macht.»

Der Gründer und Geschäftsführer des nach eigenem Bekunden «einzigen unabhängigen Hypothekenberaters der Schweiz» spricht lieber von einer «Tendenz zum Herdenverhalten». Das Argument der höheren Zinssätze am Kapitalmarkt kann Heitmann zwar nachvollziehen, doch hält er es auch für vorgeschoben. «Die Banken erhöhen mit den höheren Zinsen einfach ihre Margen und haben jetzt eine gute Begründung gefunden», sagt Heitmann gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «An den Leitzinsen hat sich nichts geändert. Die Banken geben einfach schon einmal höhere Kosten an den Kunden weiter, obwohl sie sie zu einem Teil noch gar nicht haben.»

Nicht blind zur Hausbank

Denn nicht alle Banken finanzierten ihre Hypothekarkredite nur über den Interbankenmarkt. So würden zum Beispiel auch die Einlagen der Bankkunden zur Ausgabe von Hypotheken herangezogen. «Oder die Banken haben sich noch zu den günstigeren Konditionen vom Dezember langfristig finanziert, berechnen ihren Kunden aber dennoch höhere Zinsen.» Die schlichte Wahrheit sei: «Die Banken erhöhen die Hypothekarzinsen, weil sie es können und der Kunde es mitmacht.»

Die jetzt erfolgten Erhöhungen kann ein Wohnungskäufer laut Heitmann schon dadurch wieder wettmachen, dass er die Zinssätze der verschiedenen Anbieter wirklich miteinander vergleicht. Ein professioneller Vergleich von mehr als 50 Anbietern, wie ihn Mymoneypark für seine Kunden durchführe, sei für die meisten Wohnungskäufer jedoch ohne professionelle Unterstützung zu aufwendig.

«Die meisten vergessen zudem, dass auch grosse Versicherungen langfristige Hypotheken anbieten.» Im Vergleich zu den Banken böten die Versicherungen bei dieser Form der Hypothek aktuell in der Regel sehr viel günstigere Zinssätze, erklärt Heitmann. «In der aktuellen Zinssituation sind die meisten Menschen ohnehin gut beraten, wenn sie eine langfristige Festzinshypothek abschliessen», erklärt der Ökonom. Dabei könne man zwischen 50'000 und 100'000 Franken sparen, wenn man alle Angebote systematisch vergleichen lasse, anstatt «blind seiner Hausbank zu vertrauen».

Erstellt: 11.02.2013, 14:46 Uhr

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