«Ich rechne mit einem Preis um 13 Franken»

Karim Zekri ist mit Teleboy Schweizer Serien-Streaming-Pionier. Fürchtet er sich vor Netflix, das in die Schweiz kommt? Und was erwartet er vom US-Player?

Ob die Schweizer Serien-Fans bei Netflix wohl zugreifen? Der US-Streaming-Dienst bei einer Sony-Präsentation an der Branchenmesse E3 in Los Angeles. (10. Juni 2013)

Ob die Schweizer Serien-Fans bei Netflix wohl zugreifen? Der US-Streaming-Dienst bei einer Sony-Präsentation an der Branchenmesse E3 in Los Angeles. (10. Juni 2013) Bild: PD/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Zekri, Teleboy hat seit November ein Angebot am Start, das mit jenem von Netflix vergleichbar ist. Jetzt kommt das Original in die Schweiz. Ein schwarzer Tag für Sie?
Im Gegenteil. Wir haben seit längerem damit gerechnet, dass Netflix auch in die Schweiz kommt. Und wir begrüssen das sogar.

Wieso? Das bedeutet für Sie ja mehr Konkurrenz.
Genau. Und Konkurrenz belebt den Markt. Das Geschäftsmodell eines Streaming-Anbieters wird dadurch besser verankert, die Nutzung wird angekurbelt. Vor allem aber erhoffen wir uns von Netflix Hilfe im Kampf gegen unseren grössten Feind: die Piraterie.

Wie meinen Sie das? Werden Ihre Inhalte abgekupfert?
Das nicht. Aber dadurch, dass sich die Schweizer Nutzer über Jahren hinweg daran gewöhnt haben, urheberrechtlich geschützte Serien von illegalen Downloadportalen herunterzuladen, haben wir mit unserem legalen Angebot einen schweren Stand. Wir sind in der Schweiz überhaupt der erste kommerzielle Anbieter von TV-Serien.

Also ist kaum jemand bereit, heute dafür zu bezahlen?
Wir haben unser Angebot vor einem halben Jahr lanciert und sind damit zufrieden. Aber es ist noch viel Aufklärung nötig. Wir müssen den Schweizer Nutzern zeigen, wieso es sich eben doch lohnt, für ein solches Angebot zu bezahlen. Welchen Mehrwert wir gegenüber einem illegalen Streaming-Portal bieten.

Und was wäre das?
Wir haben ein breites Angebot. Unsere Kunden können für einen Pauschalbetrag so viele TV-Serien anschauen, wie sie wollen. Sie können TV-Sendungen aufnehmen und verpasste Spielfilme innert sieben Tage doch noch anschauen. Ein solches Paket bietet sonst niemand – das unterscheidet uns übrigens auch von Netflix. Kommt hinzu, dass unsere Kunden sämtliche TV-Serien und Aufnahmen auch auf ihr Tablet oder Smartphone herunterladen können, um sie dann zu sehen, wenn sie keine Internetverbindung haben – zum Beispiel im Zug.

Wie viele Kunden zahlen für Ihr Serien-Angebot?
Wir veröffentlichen keine Nutzungszahlen.

Sind Sie so schlecht?
Nein, aber solche Informationen sind strategisch wertvoll und darum geheim. Wer den Dienst nutzt, nutzt ihn intensiv. Manche unserer Kunden verbringen das ganze Wochenende vor dem Bildschirm und schauen sich die gesamte Staffel einer Serie am Stück an.

Und wie oft werden Serien heruntergeladen, um sie offline anzuschauen?
Aber auch hier veröffentlichen wir keine Zahlen. Nur so viel: Für das Recht, die Inhalte auch als Download anbieten zu können, müssen wir extra zahlen. Und diese Zusatzkosten haben sich für uns definitiv gelohnt.

Wie genau das Angebot von Netflix aussieht, ist noch nicht klar. Womit rechnen Sie?
Netflix wird in der Schweiz bestimmt nicht so viele Serien und Spielfilme im Angebot haben wie in den USA. Und aufgrund der bestehenden Angebote rechne ich mit einem Preis von um die 13 Franken pro Monat.

Das ist weniger, als Teleboy verlangt. Müssen Sie mit dem Preis runter?
Wir werden preislich auf jeden Fall mit Netflix mithalten. Für das gleiche Geld wie bei Netflix wird man bei Teleboy neben der Serien-Flatrate ein vollwertiges TV-Produkt mit Live-TV in HD-Auflösung, sieben Tage Replay-Videothek und einem persönlichen Aufnahmespeicher erhalten.

Haben Sie keine Angst, dass Netflix Sie bei den TV-Serien übertrumpfen könnte?
Es ist natürlich möglich, dass Netflix Serien anbieten kann, die wir nicht haben. Dafür können wir die Lücke zu den neusten Staffeln schliessen.

Wie meinen Sie das?
Beim Flatrate-Modell kann die aktuellste Staffel einer Serie oft nicht ins Programm aufgenommen werden, bevor sie im deutschsprachigen Raum im Free-TV ausgestrahlt wurde. Wir haben aber den Vorteil, dass wir die aktuelle Folge einer Serie im Live-TV ausstrahlen und danach sieben Tage lang auf Abruf verfügbar haben.

Dafür haben Sie keine Spielfilm-Bibliothek.
Doch, indirekt schon. Unser Katalog ist sogar deutlich aktueller als der von Netflix – und er wechselt ständig, weil er aus sämtlichen Spielfilmen besteht, die in den letzten sieben Tagen am Free-TV ausgestrahlt worden sind. Wir wollen die Replay-Funktion und ein intelligentes System von Empfehlungen nutzen, um unseren Kunden auf diese Art eine attraktives Angebot zur Verfügung zu stellen, obwohl wir direkt keine Rechte einkaufen.

Netflix ist der erste internationale Streaming-Dienst, der in die Schweiz kommt. Bisher wagten sich nicht einmal die deutschen Anbieter zu uns vor. Woran liegt das?
Meiner Meinung nach gibt es dafür drei Gründe: Erstens ist die Schweiz ein kleiner und mit ihren drei Sprachen ein extrem schwieriger Markt. Zweitens gibt es mit Teleboy, Wilmaa und Zattoo bereits relativ viele Web-TV-Dienste, kombiniert mit einem breiten Angebot an Free-TV-Sendern. Und drittens ist die rechtliche Situation in der Schweiz einzigartig. Kein anderes Land erlaubt den Nutzern, urheberrechtlich geschützte Inhalte wild zu streamen respektive herunterzuladen.

Und warum kommt Netflix trotzdem, wenn die Situation so schwierig ist?
Der Schweizer Markt ist trotz dieser Widrigkeiten sehr attraktiv. Die Kaufkraft ist gross und die Verbreitung von Smartphones, Tablets und schnellen Internetanschlüssen sehr hoch.

Erstellt: 21.05.2014, 13:54 Uhr

Karim Zekri ist Chef des Internetdienstes Teleboy, der vor einem halben Jahr ein Serien-Angebot zum Pauschalpreis lanciert hat. Für 14.90 Franken pro Monat erhalten die Nutzer Zugriff auf ein breites Angebot aus mehrheitlich amerikanischen und britischen Serien. Am beliebtesten ist derzeit «Breaking Bad», gefolgt von «Criminal Minds». (Bild: PD)

Artikel zum Thema

Was bringt Netflix dem Schweizer TV-Publikum?

In den USA ein Erfolg, wagt der Video-Streaming-Dienst Netflix nun den Sprung in die Schweiz. Kenner Ralf Beyeler über Bedeutung – und Preisschmerzgrenze für hiesige Filmfans. Mehr...

Netflix kommt in die Schweiz

Der Video-Streaming-Dienst treibt seine Expansion in Europa voran. Bereits heute versorgt das Unternehmen 48 Millionen Kunden mit Filmen und Fernsehsendungen. Nun sind die deutschsprachigen Länder an der Reihe. Mehr...

Die Zahlungsbereitschaft wäre da

Analyse Analyse Der Bund prüft ein Verbot von Downloadportalen. Sinnvoller wäre es, das Angebot sicherzustellen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Sweet Home Helle Freude!

Mamablog Vom Dammriss meiner Schwiegermutter

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...