Internet-Vendetta gegen CS-Banker

Ein Star-Banker an der Wallstreet hatte eine aussereheliche Äffäre - sie blieb nicht privat, sondern ruinierte seine Karriere.

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Wer am Online-Pranger landet, muss um die Karriere fürchten. Dies die Lektion aus dem Schicksal eines Credit-Suisse-Bankers in New York. Ende Juli meldete die Grossbank, Steven Rattner verlasse das Haus – nach über zwanzig Jahren im Dienst der CS-Tochter DLJ. Der Chef von DLJ, also der Private-Equity-Sparte von Credit Suisse, wolle «mehr Zeit mit seiner Familie verbringen», stand im Communiqé; die branchenübliche Formulierung dafür, dass die Sache die Öffentlichkeit nichts angehe.

Der Fall von Steven Rattner, 48, wurde allerdings sehr öffentlich. Die Ursache des Karriereknicks lässt sich in der jüngsten «New York Times» (Auflage: gut eine Million Exemplare) en détail nachverfolgen: Rattner stolperte wohl über eine aussereheliche Affäre, die ihn zum Opfer einer «vendetta on the Internet» machte.

Der Gatte der Geliebten lachte zuletzt

Dass der ebenso diskrete wie erfolgreiche Spitzenbanker sich vor fünf Jahren mit einer verheirateten Frau eingelassen hatte, verheimlichte er zwar längst nicht mehr, und offenbar wusste man das auch bei der Credit Suisse: nicht weiter schlimm, Privatsache. Rattner galt, so die «New York Times» weiterhin als «rising star». Doch einer war anderer Meinung: der Gatte der einstigen Geliebten. Obwohl inzwischen geschieden, mailte er Kunden und Kollegen des einstigen Nebenbuhlers an, berichtete Reportern von der Affäre, eröffnete Websites zur Schilderung der Details, wobei er das Klischeebild eines berechnenden Geldmenschen auf Freiersfüssen zeichnete: eines Mannes, der eine begehrte Frau mit Juwelen und Kleidern überhäuft und sie auf Luxusreisen nach Macao, Monaco oder Frankreich entführt.

Die Sache liess sich nicht stoppen. Wo Meldungen gelöscht und Websites abgeschaltet wurden, tauchten bald neue saftige Geschichten der Affäre in neuen Mails oder unter anderen Adressen auf. So dass Rattner, wie er NYT-Autor Andrew Ross Sorkin nun erzählte, selber einsah, dass er DLJ in ein Dilemma brachte. Schliesslich begannen auch Kunden und Geschäftspartner der Bank zu zweifeln, ob deren Chef nicht zur Belastung werde. Denn obwohl Affären aller Art, auch aussereheliche, zur Wall Street gehören wie der Bulle und der Bär, es ist nicht vorgesehen, dass sie das Business tangieren. Zudem lag die Erklärung im CS-Communiqué gar nicht so falsch, wie Rattner erzählte: Die ganze Sache belastete seine Familie enorm.

So kündet Rattners Schicksal zwar auch von Moral und Doppelmoral im amerikanischen Geldgeschäft, aber vor allem ist dies, wie NYT-Autor Sorkin formuliert, «die Geschichte eines Mannes, der hilflos war gegen die Zerstörung, welche aggressive Kampagnen im Internet verursachen können.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.08.2008, 14:01 Uhr

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