Islands Fall gefährdet Europa

200'000 englische Kunden der isländischen Landsbanki können kein Geld mehr beziehen. Islands Not droht ganz Europa mitzureissen – weil seine Banken stark vernetzt sind.

Island zittert: Um die Wirtschaft zu retten, kontrolliert die Regierung ab sofort die Banken.

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200'000 britische Kunden der isländischen Landsbanki fanden heute ihre Spareinlagen gesperrt, berichtet die britische Daily Mail. Die Internetsparte Icesave hatte angekündigt, dass es zur Zeit nicht möglich sei, Geld auszuzahlen. Heute Mittag hat Islands Regierung die zweitgrösste Bank Islands verstaatlicht.

Heute hat Island angekündigt, dass es die Kontrolle sämtlicher Banken des Landes übernimmt. Die Regierung kann damit Banken umgehend verstaatlichen, zu Fusionen zwingen, Spitzenmanager auswechseln und Grenzen für deren Entlohnung setzen. Bis jetzt hat sie neben der Landsbanki bereits 75 Prozent der drittgrössten Bank Glitnir übernommen.

Die kriselnden Banken sind eine Riesenlast für das kleine Land: Die Bilanzsummen der drei grössten Banken sind zehn Mal so gross wie das gesamte Bruttoinlandprodukt von Island.

Kunden in ganz Europa

Ein Zusammenbruch der isländischen Finanzinstitute könnte schlimme Auswirkungen auf ganz Europa haben: Die nordischen Banken haben im Rahmen ihrer Auslandsexpansion viele europäische Unternehmen mitfinanziert. Besonders Grossbritanniens Firmen seien von den isländischen Banken stark abhängig, schreibt das Wall Street Journal.

Die grösste isländische Bank Kaupthing hat in verschiedenste Unternehmen von Pubs bis zu Kaufhäusern wie J Sainsbury investiert; 150'000 britische Kunden haben ihr Geld auf isländischen Banken angelegt. Ein grosses Stück der Beteiligungen läuft über die isländische Holding Baugur, die beispielsweise an der Kaufhauskette Debenhams beteiligt ist. Auch viele private Kunden europaweit haben ihr Geld bei isländischen Banken deponiert: Die Banken hatten überall auf dem Kontinent mit hohen Zinsen geworben.

Kaupthing beschwichtigt

Die grösste Bank Kaupthing versucht derweil, die Gemüter zu beruhigen. «Wir haben eine der stärksten Kapitalbasen von Europa und eine gute Liquiditätsgrundlage», zitiert die britische Times Kaupthing-Chef Sigurdur Einarsson. Die Bank sei stark diversifiziert und tätige 70 Prozent ihrer Geschäfte ausserhalb von Island – genau das aber, so sagen Analysten, sei das Problem. Während Jahrhunderten hätten die Menschen auf der Vulkaninsel vom Fischfang und der Schafzucht gelebt, schreibt die Financial Times Deutschland. Bis vor wenigen Jahren junge Banker auf die Idee gekommen seien, massiv auf den internationalen Finanzmärkten zu investieren. Dies habe Island zwar zunächst enormen Wohlstand verschafft, es aber auch stark abhängig und anfällig für Finanzkrisen gemacht.

Die Wirtschaft auf der Insel ist durch die Finanzkrise heftig ins Strudeln geraten. Die Importe sind stark gefallen, die Inflation ist gestiegen und die Hypothekenschulden steigen. Die isländische Krone hat gegenüber dem Euro 20 Prozent an Wert verloren.

Treffen in London und Brüssel

Heute versuchen Experten und Politiker in ganz Europa, die Finanzkrise in den Griff zu bekommen. In Brüssel planen Europas Staatschefs Garantien für sämtliche Spargelder, auch in der Schweiz wird Ähnliches gefordert. In London treffen nun die Leiter von verschiedenen britischen Kaufhausketten in London mit Vertretern von Baugur zusammen, wie die Times schreibt. Sie wollen sich vergewissern, dass ihre Unternehmen nicht abstürzen. Der Geschäftsführer von Baugur, Gunnar Sigurdsson, beruhigte: «Was in Island passiert, wird nicht auf England überspringen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2008, 13:45 Uhr

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