Italiens Sorgen-Bank stürzt an Börse ab – UBS soll helfen

Inzwischen wurde der Handel mit Aktien der Bank Monte dei Paschi wieder aufgenommen. Es geht noch weiter abwärts als am Morgen.

Turbulenter Börsenstart: Händler am Mailänder Aktienhandel. (Archivbild)

Turbulenter Börsenstart: Händler am Mailänder Aktienhandel. (Archivbild) Bild: Reuters

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Eine Kapitallücke von 2,1 Milliarden Euro wurde beim Stresstest der EZB bei Monte dei Paschi festgestellt. Die älteste noch bestehende Bank der Welt muss nun ihr Kapitalpolster aufbauen. Das kommt am Montagmorgen bei den Anlegern nicht gut an. Der Aktienkurs gibt zum Börsenstart 15 Prozent nach. 14 Minuten nach Börsenstart wurde der Handel gestoppt.

Inzwischen wurde der Handel mit Aktien der Bank Monte dei Paschi wieder aufgenommen. Das Bild allerdings ändert sich nicht. Zwischenzeitlich wurde ein Stand von fast 20 Prozent Minus erreicht.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für eine weitere italienische Bank, die Banca Carige. Ihre Aktie verliert über 15 Prozent, auch der Handel mit Carige wurde zwischenzeitlich gestoppt.

Nun soll die UBS der Monte dei Paschi helfen. Italiens drittgrösste Bank hat laut einem Bericht von Bloomberg die Schweizer Grossbank und die Citigroup engagiert, um strategische Optionen zur Deckung der Kapitallücke zu prüfen.

Für die übrigen börsennotierten italienischen Banken, die beim Stresstest ebenfalls durchgefallen sind, zeigten die Börsengrafiken allerdings aufwärts. Die Papiere der Banca Popolare dell’Emilia Romagna und der Banca Popolare di Milano stiegen in der Spitze um jeweils mehr als 3 Prozent.

«Der Stresstest ist vor allem ein Warnruf an die italienische Regierung», betonte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. «Während Spanien in den vergangenen Jahren viel unternahm, um seine Volkswirtschaft auf Vordermann zu bringen, blieb Italien auf der Strecke.»

25 Banken durchgefallen: Der Stresstest ist da. Video: Reuters.

Nach dem Banken-Stresstest der EZB ist der Euro gestiegen. Die Gemeinschaftswährung ist zeitweise über die Marke von 1.27 Dollar gestiegen nach 1,2669 Dollar im späten Handel am Freitag in New York. Damit machte der Euro gegenüber seinem Zwei-Wochen-Tief vom Donnerstag weiter Boden gut.

Test grösstenteils bestanden

Die meisten Grossbanken in der EU sind für eine neue Finanzkrise gerüstet. Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Zentralbank (EZB), welche die 130 wichtigsten Geldhäuser durchleuchtet hat. Vor allem in Südeuropa sind aber noch einige Banken nicht fit genug.

Es war der umfassendste Stresstest des europäischen Bankensystems aller Zeiten. 25 Institute patzten, bei ihnen ergab sich ein Kapitalloch von insgesamt 25 Milliarden Euro. Doch dieses ist zum grössten Teil schon gestopft. Vor allem bei Geldhäusern in Italien, Zypern und Griechenland klaffen allerdings noch Kapitallücken, die spätestens in neun Monaten geschlossen werden müssen.

Insgesamt 13 Häuser im Euroraum müssen noch knapp 10 Milliarden Euro auftreiben. Die durchgefallene italienische Bank Carige etwa brachte gleich am Sonntag eine Kapitalerhöhung auf den Weg.

EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio zog eine positive Bilanz: «Diese bislang nicht dagewesene tiefgehende Prüfung der Bilanzen der Grossbanken wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Bankensektor stärken.»

Die EZB wollte mit dem Gesundheitscheck sicherstellen, dass keine Altlasten zum Vorschein kommen, wenn sie am 4. November die Aufsicht über die wichtigsten Banken in der Eurozone übernimmt. Ausserdem hegt die Notenbank die Hoffnung, dass die Institute mit dem heiss ersehnten Gütesiegel nun auch wieder mehr Kredite in die Wirtschaft pumpen. Experten haben daran aber Zweifel.

Mehr faule Kredite als erwartet

Der Gesundheitscheck bestand aus einer intensiven Prüfung riskanter Positionen in den Bilanzen und einem Stresstest. Bei diesem mussten die Institute beweisen, dass sie auch einen schweren Einbruch der Konjunktur überstehen könnten, ohne mit Steuergeld aufgefangen zu werden.

Beim Stresstest zeigte sich nach Angaben der EZB, dass das Eigenkapital aller geprüften Banken zusammen im schlimmsten simulierten Krisenfall um 263 Milliarden Euro zurückgehen würde. Dies entspricht einem Rückgang der Eigenkapitalquote von 12,4 Prozent auf 8,3 Prozent.

Beim Bilanzcheck zeigte sich laut EZB, dass in den Büchern der Banken deutlich mehr faule Kredite schlummern als bislang angenommen – insgesamt 879 Milliarden Euro. Das seien 136 Milliarden Euro mehr als vermutet.

Rekordloch in Siena

Die meisten Banken rasselten in Italien durch, insgesamt neun. Fünf davon haben Kapitallücken aber geschlossen. Das grösste Loch in der Bilanz hätte in der simulierten Wirtschaftskrise das italienische Traditionsinstitut Banca Monte dei Paschi di Siena mit allein 2,1 Milliarden Euro. Die beiden Grossbanken UBS und Citigroup sollen das Institut nun beraten, wie die Bank aus Siena mitteilte.

Dahinter folgen die griechische Eurobank (1,76 Milliarden Euro) und die portugiesische Millennium BCP (1,15 Milliarden Euro). Durchgefallen sind zudem jeweils drei Geldhäuser aus Griechenland und aus Zypern, Dexia und Axa Bank Europe aus Belgien sowie zwei Banken aus Slowenien.

Dem EZB-Stresstest musste sich auch die Luxemburger Tochter der Schweizer Grossbank UBS stellen. Die UBS (Luxemburg) SA schaffte die Belastungsprobe vergleichsweise locker. Basierend auf den Zahlen Ende 2013 lag die harte Kernkapitalquote in einer simulierten Krise bei rund 9,9 Prozent, mindestens nötig gewesen wären 5,5 Prozent.

Die deutschen Banken kamen im Krisenszenario im Schnitt auf eine harte Kernkapitalquote von 9,1 Prozent, wie die Finanzaufsicht BaFin und die Bundesbank mitteilten. Die Latte gerissen hat in der grössten Volkswirtschaft Europas wie erwartet nur die Münchener Hypothekenbank. Nach einer rund 400 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung ist das Loch aber bereits gestopft.

Zwei Wochen Zeit für Szenarien

Die EZB verlangt von 13 Instituten bis zum 10. November Pläne, wie sie die verbleibenden Kapitallücken schliessen wollen. Das sagte die Chefin der neuen Euro-Bankenaufsicht, Danièle Nouy.

Probleme, die beim Bilanzcheck im ersten Teil der Überprüfung festgestellt wurden, müssen die Banken binnen sechs Monaten nach Bekanntgabe der Ergebnisse lösen. Für Kapitallöcher aus dem Stresstest geben ihnen die Aufseher neun Monate Zeit.

Bekommen die Banken auf dem Kapitalmarkt kein frisches Geld oder können sie die Lücken nicht anderweitig schliessen, sollen noch einmal die Nationalstaaten, also letztlich die Steuerzahler, einspringen. In vielen Ländern gibt es dafür bereits entsprechende Notfallprogramme. (chk/sda)

Erstellt: 27.10.2014, 06:58 Uhr

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