«Laut EDA können ägyptische Badeorte weiter besucht werden»

EasyJet-Nordeuropa-Chef Thomas Haagensen von EasyJet über die Unruhen in Ägypten, One-Way-Tickets bei Swiss und Abflugsteuern.

Baut aus: Thom asHaagensen von EasyJet sagt, dass es in Basel noch Potenzial für weitere Strecken gibt.

Baut aus: Thom asHaagensen von EasyJet sagt, dass es in Basel noch Potenzial für weitere Strecken gibt. Bild: Bernd Settnik/Keystone

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Mit der Billigairline EasyJet kann man heute 42 Destinationen ab dem Basler EuroAirport anfliegen. Nun kommen ab dem Winterflugplan, der ab 27. Oktober 2013 gilt, zwei weitere hinzu: Die ägyptische Feriendestination Hurghada am Roten Meer und die polnische Touristenstadt Krakau. Damit werden insbesondere Privatreisende angesprochen. Thomas Haagensen, Nordeuropa-Chef von EasyJet, erklärt im Interview mit der BaZ, warum sich die Airline für diese beiden Ziele entschieden hat.

Herr Haagensen, gehen Sie mit Hurghada wegen der politischen Unruhen im Land kein hohes Risiko ein?
Ich denke nicht. Wir fliegen ja erst ab Herbst da hin, und dies zwei Mal wöchentlich. Wir gehen davon aus, dass sich die Lage bis dahin wieder beruhigt hat. Laut der Empfehlung des EDA können ägyptische Badeorte weiterhin besucht werden, nur von Reisen nach Kairo und anderen Grossstädten rät es ab. Und ab der Schweiz fliegt EasyJet ohnehin nur ans Rote Meer.

Warum also Hurghada und Krakau?
Hurghada ist wegen seines Klimas gerade im Herbst und Winter ein beliebtes Ferienziel. Und Krakau ist ein attraktives Ziel für Städtereisen übers Wochenende. Dahin fliegen wir neu drei Mal die Woche.

Im Sommer lohnt es sich aber nicht, nach Hurghada zu fliegen, oder?
Nein, da haben Sie recht, dann ist es dort zu heiss. Im Juli und August werden wir Hurghada aus dem Angebot rausnehmen und ein Ziel im mediterranen Europa anfliegen, zum Beispiel Korsika, Palma oder Griechenland.

Mit den beiden neuen Strecken werden insbesondere Privatreisende angesprochen. Für Geschäftsreisende müssten Sie ja täglich einen Flug anbieten.
Das ist richtig. In den vergangenen Monaten haben wir mit der Lancierung von London Gatwick oder ­Brüssel vor allem auf Geschäfts­reisende fokussiert. Mit Hurghada und Krakau balancieren wir das Portfolio wieder aus.

Seit März fliegt EasyJet ab London Gatwick Moskau Domedjedowo an. Wie sieht der Buchungsstand aus?
Ziemlich gut. Wie alle neuen Strecken muss sie sich aber erst etablieren, besonders auch, weil EasyJet in Russland noch nicht so stark vertreten ist.

Besteht die Möglichkeit, dass man bald auch ab Basel nach Moskau fliegen kann?
Es gibt Potenzial, aber wir schauen uns auch andere Strecken an und entscheiden im kommenden Winter. Es hängt von den Kapazitäten ab, die uns zur Verfügung stehen.

Sie bauen in Basel laufend aus – gibt es Strecken, mit deren Auslastung Sie nicht zufrieden sind und die Sie deshalb aufgeben wollen?
Nein, derzeit nicht. Es bleibt bei 44 Destinationen. Die Buchungsstände von Antalya und Catania, die wir im März respektive April lanciert haben, sind sehr zufriedenstellend. Die Auslastung im Juni betrug auf allen Strecken nahezu 90 Prozent, was sehr hoch ist.

Wie Sie vorhin gesagt haben, hat EasyJet in Basel in den vergangenen ­Monaten vor allem den Markt für Geschäftsreisende bearbeitet. Wie hoch ist deren Anteil mittlerweile an der Gesamtpassagierzahl?
Er hat sich noch nicht gross verändert und bewegt sich bei knapp 20 Prozent.

Also haben die Bemühungen nicht gefruchtet?
So kann man das nun auch nicht sagen. Es braucht eine gewisse Zeit, bis sich Strecken etablieren. Was uns motiviert, ist das positive Feedback von Firmen aus der Region Basel, zum Beispiel, als wir im vergangenen Jahr Basel–Brüssel lanciert haben. Das entspricht einem echten Bedürfnis.

Welche Firmen gehören zu Ihren Kunden? Unsere Kundenliste ist vertraulich. Die Firmen stammen aus allen Bereichen. Insbesondere aber aus der Pharmabranche, was in Basel ja nicht weiter verwunderlich ist.

Im März hat EasyJet das achte Flugzeug am EuroAirport stationiert. Folgt in diesem Jahr noch ein weiteres, jetzt wo neue Strecken dazu kommen?
Nein, vorerst nicht. Im kommenden Jahr sehen wir weiter.

Die Swiss hat in Genf ein neues Tarifsystem lanciert und bietet wie EasyJet nun auch One-Way-Tickets an – ab 39 Franken. Es ist durchaus möglich, dass diese bald auch ab Basel buch­- bar sind. Wie haben Sie auf diese News reagiert?
Wir beobachten diese Tendenz schon lange bei traditionellen Carriers wie British Airways oder KLM. Es gibt viele Tests und Kopien – das Original sind wir, und unsere Zahlen sprechen ja für sich. Unser Vorteil ist, dass wir uns auf Punkt-zu-Punkt-Verkehr beschränken. Bei anderen Airlines ist das alles ein wenig komplizierter. Somit sind wir agiler und schneller in Entscheidungen. Unsere Kostenstruktur ist auch auf günstige Preise ausgerichtet. Bei Airlines wie Swiss nicht.

Wird das neue Projekt von Swiss also scheitern?
Das kann ich nicht sagen, die Swiss hat ja erst damit angefangen. Wir nehmen die neue Konkurrenz aber sicher ernst – Arroganz ist nie eine gute Lösung.

Der Steuerstreit des EuroAirport mit der französischen Zivilluftfahrtbehörde wurde vor rund zwei Wochen beigelegt. Die beiden Steuern hätten zu höheren Ticketpreisen geführt. Was wären die Konsequenzen gewesen?
Wir hätten sicher keine neuen Strecken mehr lanciert. Aber das ist ja zum Glück vom Tisch. Neben den Schweizer Behörden hat sich auch EasyJet in Paris bei diversen Ministerien dafür eingesetzt, dass diese Steuern per 1. Juli 2013 nicht eingeführt wurden.

Jetzt wird bilateral verhandelt.
Ich denke, sowohl auf der französischen als auch auf der Schweizer Seite besteht der Wille, das Problem auf binationalem Weg zu lösen. Wir werden dafür sorgen, dass auch unsere Stimme gehört wird. Der Kontakt zu beiden Seiten ist eng.

Erstellt: 04.07.2013, 10:27 Uhr

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