Hintergrund

Mit Leim und Folie den iPhone-Scanner gehackt

Der Sensor des neuen Apple-Handys lässt sich mit einer Methode knacken, die der Berliner Chaos Computer Club schon vor neun Jahren veröffentlicht hat. Apple nimmt nicht direkt Stellung.

Keine Hexerei: Der Chaos Computer Club zeigt, wie er den Fingerabdruckscanner des iPhones geknackt hat.


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Es ist das wohl prominenteste Feature des neuen iPhone 5S: Der Fingerabdruckscanner, der im Home-Button integriert ist. Er soll das Gerät laut Apple sicherer machen, und die Daten besser schützen. Reine Illusion, sagen die Experten des Berliner Chaos Computer Clubs. «Es ist einfach eine dumme Idee, etwas als alltägliches Sicherheitstoken zu verwenden, das man täglich an schier unendlich vielen Orten hinterlässt», sagt Sprecher Frank Rieger. «Biometrie ist geeignet, um Menschen zu überwachen und zu kontrollieren, nicht um alltägliche Geräte vor dem Zugriff zu sichern.»

Und das können die Jungs von der grössten europäischen Hackervereinigung auch beweisen: Nur zwei Tage nach dem Verkaufsstart des neuen iPhone 5S zeigt das Biometrie-Team des Chaos Computer Clubs, wie es den Fingerabdruckscanner knackt. Zwar dauert das einen Moment, dafür ist es mit denkbar einfachen Mitteln möglich.

So bastelt man einen Kunstfinger

Alles, was man dafür braucht, ist ein Fingerabdruck, den man mit ein bisschen Glück sogar auf dem Display des Handys selbst oder auf einem Trinkglas findet. Hinzu kommt allenfalls farbiges Pulver, das am Fingerabdruck kleben bleibt und ihn so sichtbar macht, eine Kamera, um das Bild zu fotografieren, eine Software zur Bildbearbeitung, eine Folie, die man in einen Laserdrucker einlegen kann und den Drucker selbst. Den digital nachbearbeiteten Fingerabdruck – die Rillen sind transparent, der Rest schwarz – druckt man auf die Folie, dadurch entsteht ein Relief. Dieses Relief bestreicht man zum Beispiel mit Holzleim oder mit Latexmilch, lässt den Leim trocknen und zieht ihn dann von der Folie ab. Das Resultat muss allenfalls etwas befeuchtet werden – indem man den Kunstfinger anhaucht. Fertig ist die funktionierende Kopie.

Der Trick ist nicht neu. Der Chaos Computer Club hat vor neun Jahren zum ersten Mal eine Anleitung veröffentlicht, wie sich Fingerabdruckscanner manipulieren lassen. 2007 haben die Experten für den Fernsehsender ARD vor laufender Kamera den Fingerabdruckscanner einer Supermarktkasse überlistet.

Apple: Kein Sicherheitsproblem

Apple hatte seinen Sensor als wesentlich sicherer als bisherige Fingerabdruckscanner gepriesen, weil die Auflösung deutlich höher sei. Das bestätigt auch der Hacker mit dem Pseudonym Starbug, der das neue iPhone geknackt hat. Offenbar war das aber kein Hindernis: «Wir mussten nur die Granularität unseres Kunstfingers ein wenig erhöhen.» Sprich: die Details der Kopie, deren Auflösung verbessern.

Der Fingerabdruckscanner gibt seit der Präsentation der neuen Apple-Handys vor einigen Wochen zu reden. Allerdings nicht, weil sich die Technikexperten davor fürchteten, dass das System geknackt wird. Im Zuge der von Edward Snowden aufgedeckten Datensammelwut der US-Geheimdienste wurde die Frage gestellt, ob die USA nun dank Apple Zugriff auf Millionen von Fingerabdrücken bekommen würden. Apple hatte das dementiert. Der Scanner sei sicher, da der Abdruck nur in verschlüsselter Form und nur lokal auf dem iPhone gespeichert wird.

Apple verweist auf seine Webseite

Zum Video des Chaos Computer Clubs wollte sich Apple auf Anfrage nicht direkt äussern. Sprecherin Andrea Brack verwies stattdessen auf ein Dokument auf der Apple-Webseite, dass das Thema Sicherheit in Zusammenhang mit dem Fingerabdruckscanner des iPhones «ausführlich erklärt».

Erstellt: 23.09.2013, 10:26 Uhr

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Das Fachportal TechCrunch hat getestet, ob der Fingerabdruckscanner von Apple auch mit einer Katzenpfote funktioniert.

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