Mit der 20er-Note zum billigen Zürcher «Google-Taxi»

30 bis 40 Prozent günstiger Taxi fahren – ohne dass der Chauffeur ausgebeutet wird. Das bietet Uber und nimmt damit rote Zahlen in Kauf. Was steht dahinter? Und: Ist das überhaupt erlaubt?

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25 Franken kostete die Fahrt von Schlieren an die ETH Hönggerberg mit dem neuen Taxidienst Uber, bei dem man den Chauffeur per App herbeiruft. Mit einem herkömmlichen Taxi kostet die gleiche Fahrt fast das Doppelte – 43 Franken. Auf diese Zahlen kam «10vor10» bei einer Testfahrt.

Der US-Chauffeurdienst Uber, an dem Google massgeblich beteiligt ist, wirbt in verschiedenen europäischen Städten mit tiefen Preisen. 30 bis 40 Prozent günstiger als alteingesessene Taxibetriebe will Uber sein – und treibt diese damit zur Weissglut. In verschiedenen Metropolen gehen die Taxifahrer deswegen auf die Strasse.

15 Franken Verlust auf der Strecke Schlieren–Hönggerberg

In Zürich bietet Uber schon seit längerem einen Limousinenservice. Der Taxidienst UberX ist hingegen neu – und bringt die Taxifahrer in Bedrängnis. Der Bericht von «10vor10» zeigt nun, wie es möglich ist, dass die Uber-Taxis so viel günstiger unterwegs sind als herkömmliche Zürcher Taxis.

Bislang war nur bekannt, dass die Uber-Fahrer dem Unternehmen 20 Prozent des Fahrpreises abliefern müssen. Bei der Fahrt von Schlieren an die ETH Hönggerberg, die 25 Franken kostet, sind das 5 Franken. Die übrigen 20 Franken behält der Fahrer für sich – was gemäss langjährigen Chauffeuren kaum die Kosten für Benzin und Leasing des Autos decken dürfte. Hinzu kommt allerdings eine Prämie von 20 Franken pro Fahrt, die Uber bezahlt. Damit verdient der Fahrer an der Strecke Schlieren–Hönggerberg 40 Franken, während Uber selbst 15 Franken verliert (Einnahmen: 5 Franken, Ausgaben: 20 Franken).

«Für zu tiefe Preise bin ich nicht zuständig»

Ist das legal? Darf ein Unternehmen Preise verlangen, die tiefer sind als die Kosten? Oder müsste da jemand einschreiten, weil das den Markt kaputt macht, wie die Zürcher Taxifahrer fordern?

Preisüberwacher Stefan Meierhans, der sich zuletzt intensiv mit den Taxitarifen in Zürich auseinandergesetzt hat, winkt ab: «Für zu tiefe Preise bin ich nicht zuständig.» Seine Aufgabe sei es, die Konsumenten vor zu hohen Preisen zu schützen. In Zürich gelten vom Gesetz vorgeschriebene Höchstpreise für Taxifahrten. «Es steht aber nirgends, dass man diese Preise nicht unterbieten darf», sagt Meierhans. Das Zürcher Tarifreglement soll revidiert werden. Die Taxifahrer drängen auf eine deutliche Erhöhung der maximalen Preise.

«Das nennen wir Wettbewerb»

Auch der Wettbewerbshüter ortet kein Problem. «Wenn ein neues Unternehmen mit tieferen Preisen die alteingesessenen Anbieter herausfordert, dann nennen wir das Wettbewerb», sagt Patrik Ducrey von der Wettbewerbskommission. Das Kartellgesetz kennt zwar einen Artikel, der «unangemessene Preise» verbietet – dieser findet allerdings nur bei marktbeherrschenden Unternehmen Anwendung.

Bliebe das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Es enthält eine Klausel, die besagt: «Unlauter handelt insbesondere, wer ausgewählte (…) Leistungen wiederholt unter Einstandspreisen anbietet, diese Angebote in der Werbung besonders hervorhebt und damit den Kunden (…) täuscht; Täuschung wird vermutet, wenn der Verkaufspreis unter dem Einstandspreis vergleichbarer Bezüge gleichartiger (...) Leistungen liegt.» Das tönt zwar, wie wenn es passen könnte. Allerdings richtet sich dieser Artikel 3, Absatz f vor allem gegen Lockvogelangebote. Ob das Uber-Angebot davon auch erfasst wird, konnten weder ein Spezialist noch das Staatssekretariat für Wirtschaft auf Anhieb sagen.

Erstellt: 02.07.2014, 12:35 Uhr

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