Neue Front im US-Steuerstreit?

Die USA nehmen offenbar bestimmte Finanzkonstrukte von Versicherern unter die Lupe. Laut einem Medienbericht steht Swiss Life im Fokus.

Das nächste Opfer der US-Steuerbehörden? Der Versicherungskonzern Swiss Life (Logo auf dem Zürcher Hauptsitz).

Das nächste Opfer der US-Steuerbehörden? Der Versicherungskonzern Swiss Life (Logo auf dem Zürcher Hauptsitz). Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Nach den Banken nehmen sich die USA jetzt die Schweizer Versicherungen vor. Das berichtet das «Wall Street Journal» mit Verweis auf involvierte Kreise. Im Fokus stehen spezielle Versicherungsfinanzprodukte – sogenannte Private Placement Life Insurances (PPLI). Diese Art von Vehikel steht schon länger im Ruf, für Steuerhinterziehung missbraucht zu werden. In einem gemeinsamen Vorstoss prüfen nun offenbar die amerikanische Steuerbehörde IRS und das US-Justizdepartement, was an diesen Vorwürfen dran ist. Die Versicherer selbst haben immer behauptet, dass es sich bei solchen Insurance Wrappers um legale Steueroptimierungsvehikel handelt. Dass auch unversteuertes Geld darin angelegt wird, könnten sie jedoch nicht vollständig ausschliessen.

Swiss Life bestätigt die Auflösung der Kundenbeziehung

Trotzdem haben die Versicherungen das Geschäft mit diesen Produkten zuletzt zurückgefahren, wie das «Wall Street Journal» berichtet. Swiss Life, der grösste Anbieter solcher Konstrukte, soll im Dezember demnach Hunderte von US-Kunden ausgezahlt haben, die zuvor in solche PPLIs investiert waren. Laut den Informationen der Zeitung waren die Policen an Konten bei der Bank Frey geknüpft. Diese hatte letzten Oktober bekannt gegeben, dass sie ihr Geschäft aufgibt. Die Bank Frey war in Zusammenhang mit dem US-Steuerstreit unter Druck geraten. Offenbar nutzte Swiss Life die Gelegenheit, die Kundenbeziehungen aufzulösen – anstatt die Verträge auf neue Bankkonten zu transferieren.

Swiss Life bestätigt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet die Verbindung zur Bank Frey. Sie war demnach eine Depotbank von Swiss Life Liechtenstein. Nach der angekündigten Einstellung der Geschäftstätigkeit der Bank habe man den Versicherungsnehmern gegen Ende 2013 die Wahl zur Auflösung ihrer Versicherungsverträge eingeräumt. «Von dieser Möglichkeit haben praktisch sämtliche Versicherungsnehmer Gebrauch gemacht», so Swiss Life-Sprecherin Irene Fischbach.

Fischbach weist zudem darauf hin, dass Swiss Life seit Anfang 2012 keine neuen US-Kunden mehr annimmt. Auslöser war der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA. Der Konzern bestätigt zudem, dass man seit längerem daran gearbeitet habe, die Geschäftsbeziehungen mit US-Kunden zu bereinigen. Das sei soweit geschehen: «Es gibt keinen Grund, sich von den verbleibenden Kunden zu trennen», so Fischbach.

800 Millionen Franken von US-Kunden

Versicherungsfinanzkonstrukte wie PPLIs sind eigentlich ein legales Mittel, um Steuern zu sparen. Problematisch wird es, sobald unversteuertes Geld in solchen Vehikeln parkiert wird. Swiss Life verlangte darum seit 2009 von allen US-Kunden eine Bestätigung, dass diese ihren steuerlichen Verpflichtungen in den USA nachkommen. Der Grossteil der US-Kunden stammt allerdings aus der Zeit davor: Sie wurden 2007 bei der Akquisition des Versicherers Capital Leben übernommen. Heute machen die Beziehungen mit US-Kunden knapp 800 Millionen Franken, etwa 4 Prozent des Versicherungsportfolios des Geschäftsbereichs International, aus. Swiss Life wurde von den US-Behörden zu keinem Zeitpunkt bezüglich des PPLI-Geschäftes kontaktiert.

Die Swiss Life ist der grösste, aber nicht der einzige Anbieter von solchen Versicherungsfinanzkonstrukten. Sie hat aber offenbar länger als alle anderen an den amerikanischen Kunden festgehalten. Die Zurich Insurance hat ihre PPLIs gar nie an Amerikaner verkauft, und Baloise nimmt seit 2010 keine US-Kunden mehr, wie die beiden Versicherer gegenüber dem «Wall Street Journal» erklärten.

Erstellt: 24.02.2014, 11:39 Uhr

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