Noch mehr US-Chefs bei der Credit Suisse

In der jüngsten Beförderungsrunde bei der Credit Suisse kamen überdurchschnittlich viele US-Amerikaner zum Zug. Die Ängste vor der schleichenden Amerikanisierung der Bank erhalten neue Nahrung.

Immer mehr seiner Landsmänner schaffen es bei Credit Suisse in die Führungsriege. CEO Brady Dougan am Swiss Banking Global Symposium in Zürich im November 2012.

Immer mehr seiner Landsmänner schaffen es bei Credit Suisse in die Führungsriege. CEO Brady Dougan am Swiss Banking Global Symposium in Zürich im November 2012. Bild: Michael Buholzer/Reuters

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Von 130 Führungskräften, die bei der Credit Suisse neu zum Managing Director befördert wurden, stammen 57 aus den USA und 27 aus London. Aus der Schweiz kamen lediglich 28 Mitarbeiter zum Zug. Das geht aus einer internen Beförderungsliste hervor, die dem Finanzportal «Inside Paradeplatz» zugespielt wurde. Karin Schaad, Sprecherin der Credit Suisse (CS), bestätigt, dass es sich bei den Managing Directors um die oberste Führungsriege unterhalb der Geschäftsleitung handelt.

Das zahlenmässige Übergewicht der Amerikaner auf der Liste der Beförderten verstärkt bei Schweizer Angestellten das Gefühl, mehr und mehr für eine amerikanische Bank zu arbeiten. Gemäss Berechnungen von «Inside Paradeplatz» schwinden die Chancen von Schweizern, es überhaupt noch in die drittoberste Führungsriege der Credit Suisse zu schaffen. Bereits jetzt befänden sich in Nord- und Südamerika 39 Prozent der Manager auf dieser Lohnstufe, wobei die mit Abstand meisten in den USA beschäftigt seien, schreibt «Inside Paradeplatz». In der Schweiz arbeiten 23 Prozent der weltweit tätigen Managing Directors der CS.

Gehalt zwischen 300'000 und 350'000 Franken

Wer Ambitionen hat und gerne ein Basisgehalt zwischen 300'000 und 350'000 Franken verdienen möchte, arbeitet mit viel Einsatz und intensiver Beziehungspflege an seinem Aufstieg zum Managing Director (MD). Je mehr aber die Führungsriege von Angelsachsen dominiert wird, desto schlechter stehen die Chancen von Schweizern auf eine steile Karriere bei der CS. Während zwei Drittel der jüngst beförderten MDs aus den USA und London stammen, teilen Asiaten und Schweizer das restliche Drittel unter sich auf. Dabei arbeiten die meisten Angestellten der Credit Suisse auch heute noch in der Schweiz: Bei 21'200 Beschäftigten liegt die MD-Beförderungsrate im Heimmarkt der CS gerade mal bei 0,13 Prozent. In den USA, wo die CS lediglich 11'700 Angestellte beschäftigt, ist die MD-Beförderungsquote mit 0,49 Prozent fast viermal so hoch, rechnet «Inside Paradeplatz» vor.

Diskrepanz bedeutungslos

Bei der Credit Suisse erachtet man diese Diskrepanz als «völlig bedeutungslos», wie CS Tagesanzeiger.ch/Newsnet schriftlich mitteilte. Der Grund dafür seien «die sehr unterschiedlichen Geschäftsfelder und die Gesamtstruktur der Mitarbeiterschaft in den verschiedenen Ländern». In den USA und in London betreibt die Credit Suisse vor allem Investmentbanking, in der Schweiz ist man auch im Retail-Geschäft und vor allem im Private Banking engagiert. Wenn jetzt vor allem Angelsachsen in die oberste Führungsebene unterhalb des Executive Board gelangen, nährt das Befürchtungen, dass auch die althergebrachten Geschäftsfelder der Bank immer mehr von der Investment-Banking-Kultur vereinnahmt werden.

US-amerikanische Aktionäre

Zumal mit dem CEO Brady Dougan ein Amerikaner aus dem Investmentbanking an der Spitze der CS steht. In der Geschäftsleitung teilen sich neben einem Engländer und einem Franzosen drei Amerikaner und drei Schweizer die Macht. Auch unter den Grossaktionären spielen mit Capital Group Companies Inc., Dodge & Cox, Franklin Resources Inc. und Harris Associates US-amerikanische Investmentgesellschaften eine entscheidende Rolle. Flankiert werden sie von der saudiarabischen Olayan-Group mit einem Aktienanteil von sechs Prozent und dem katarischen Staatsfonds Qatar Holding LLC mit ebenfalls sechs Prozent. Insgesamt kommen diese Grossaktionäre auf einen Kapitalanteil von rund 43 Prozent.

Bessere Selbstdarsteller

Karin Schaad betont, dass auch viele Schweizer Kleinaktionäre am Kapital der Credit Suisse beteiligt sind. Dass Kleinaktionäre auf die strategischen Entscheidungen des Finanzkonzerns entscheidend Einfluss nehmen können, darf jedoch bezweifelt werden. Auch innerhalb der Bank klagen viele über die schleichende Amerikanisierung. Der Wettbewerbsvorteil der Amerikaner ist offenbar mit dem vergleichbar, der vielen deutschen Einwanderern zugeschrieben wird: «Sie können einfach besser reden und sich selbst darstellen», sagt ein ehemaliger CS-Mitarbeiter Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Da von den Amerikanern nicht erwartet werden könne, dass sie Deutsch sprechen, sei der Englisch sprechende Schweizer in Sachen Eloquenz von vorneherein im Nachteil. «Die Amerikaner haben es einfach besser drauf, grossartig aufzutreten und sich zu profilieren», sagt der Deutsche. «Natürlich haben die Amerikaner im Investmentbanking einen Vorsprung, den die Schweizer nur schwer aufholen können», räumt der ehemalige Controller ein. «Aber Schweizer sind auch in Sachen Selbstdarstellung sehr im Nachteil», ist er überzeugt. Das forsche Auftreten scheint sich für die Amerikaner zu lohnen.

Erstellt: 24.01.2013, 19:22 Uhr

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