Österreicher drängen in Schweizer Fernbusmarkt

«Dr. Richard» will in die Schweiz: Die grösste private Transportfirma Österreichs hat eine Konzession für den Betrieb von Inlandbussen für vier Strecken beantragt.

Kennt in Österreich jedes Kind: Ein Bus der Firma Dr. Richard. (Foto: Dr. Richard Verkehrsbetriebe)

Kennt in Österreich jedes Kind: Ein Bus der Firma Dr. Richard. (Foto: Dr. Richard Verkehrsbetriebe)

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In Österreich kennt sie jedes Kind: Die Busse mit der Aufschrift «Dr. Richard». In der Schweiz tritt das österreichische Familienunternehmen unter dem Namen Albus Zürich auf und bietet Charter-Busreisen an.

Schon bald könnten die Albus-Fahrzeuge noch häufiger auf den Schweizer Strassen unterwegs sein: Die Albus Zürich GmbH hat ein Gesuch für den Betrieb von Inland-Fernbussen beim Bundesamt für Verkehr in Bern (BAV) eingereicht, wie das Amt gegenüber dieser Zeitung bestätigt. Laut Dr. Richard beabsichtigt man, Konzessionen für vier Strecken zu erhalten: Zürich Flughafen–Zürich–Bern, Zürich–Basel–Bern, Zürich–Luzern–Bern sowie Zürich Flughafen–Zürich–Sargans–Landquart–Chur–Domat/Ems. Die Strecken sollen «baldmöglichst ganzjährig zwischen zwei und sieben Mal pro Tag und Richtung bedient werden», heisst es offiziell.

Die vier angekündeten Strecken. (Grafik: Dr. Richard Verkehrsbetriebe)

Erst seit fünf Monaten kennt die Schweiz Inland-Fernbusse. Das Aargauer Unternehmen Eurobus startete am 10. Juni mit dem Betrieb von drei Linien und 36 Haltestellen. Gebucht werden die täglichen Fahrten, zum Beispiel von St. Gallen nach Genf, via Buchungssystem von Flixbus, dem europäischen Marktführer für Fernfahrten.

Dr. Richard will Schweizer Präsenz ausbauen

Reisen mit der Konkurrenz zur Bahn sind deutlich günstiger als Fahrten mit den SBB, dauern hingegen länger. Gerade für Passagiere ohne Halbtaxabo und Leute, die es nicht eilig haben, kann sich der Fernbus lohnen. Das junge Angebot wird denn auch von Europareisenden in Kombination mit den Verbindungen von Flixbus für Fahrten zwischen europäischen Grossstädten genutzt.

Angesichts der Erfolgsgeschichte von Flixbus überrascht es nicht, dass «Dr. Richard» in die Schweiz expandieren will. Flixbus wurde erst 2013 gegründet. Das Unternehmen aus München bietet mittlerweile Verbindungen in ganz Europa an und beschäftigt über 1000 Mitarbeiter. Die Busse halten in rund 1400 Orten und 28 Ländern.

Die Dr. Richard Linien GmbH & Co KG mit Sitz in Wien ist das grösste private Busunternehmen Österreichs. Das Familienunternehmen wurde 1942 als Transportunternehmen mit sieben Lastwagen gegründet. Heute zählt der Konzern rund 800 Busse. «Dr. Richard» betreibt beispielsweise Buslinien in Wien, bietet aber auch Fernreisen nach Prag, Bratislava, Zagreb oder Sarajewo an.

«Wir streben eine stärkere Präsenz auf dem Schweizer Markt an und sehen unsere Fernbus-Aktivitäten als ersten Schritt dazu», kündigt Ludwig Richard, Geschäftsführer der Dr. Richard Gruppe an. Er leitet das Familienunternehmen mit 1350 Mitarbeitern in der dritten Generation. In Zürich, Bern und Chur sei nach Erhalt der Konzessionen «die Anstellung von zahlreichen Mitarbeitern geplant», heisst es in einer Medienmitteilung. Darin kündigt Dr. Richard Preise an, die «je nach Strecke bis zu 50 Prozent günstiger sein werden, als jene der Bahn», wobei auf «Dumping- oder Lockvogel-Angebote sowie Reservationsgebühren verzichtet werden soll», wie es heisst.

Inlandbusse sind noch kein Erfolg

Mit Dr. Richard kommt neue Fahrt in den noch jungen Fernbus-Markt. Offizielle Zahlen zur Nutzung der Schweizer Inland-Fernbusse von Eurobus gibt es noch keine. Erfahrungsberichte von Reisenden zeigen jedoch, dass eine erste Bilanz ernüchternd ausfällt. «Die Auslastung ist noch nicht da, wo wir sie gerne hätten», erklärt Roger Müri, Leiter Fernbus von Eurobus. Anpassungen am Angebot seien deshalb notwendig. «Wir möchten in einem ersten Schritt die bestehenden Linien optimieren», sagt Müri.

Bereits bekannt ist, dass Eurobus beim BAV beantragte, die Teilstrecke Chur–Zürich zu streichen. Gegenüber dieser Zeitung bestätigt Eurobus, dass auch die Verbindung Martigny–Sion gestrichen werden soll. Weiter will Eurobus verschiedene Haltestellen streichen, «damit wir auf den verbleibenden Strecken attraktivere Abfahrtszeiten und eine höhere Frequenz anbieten können», wie Müri sagt.

Zudem sollen Zürich und Luzern direkt angefahren werden, und auch zwischen Bern und Zürich will Eurobus bessere Verbindungen offerieren. Alle Anpassungen am Streckennnetz sind derzeit beim BAV hängig, Eurobus rechnet noch in diesem Jahr mit der Genehmigung und der Umsetzung.

Schweizer Fernbus-Experte leitet Projekt

Schon im August liess «Dr. Richard» durchblicken, dass man eine Expansion in die Schweiz in Betracht zieht. Damals wurde bekannt, dass der Schweizer Patrick Angehrn bei der österreichischen Firmengruppe als Projektleiter seine Arbeit aufgenommen hat. Angehrn gilt als «der Mann, der die Fernbusse in die Schweiz brachte», wie die NZZ schrieb.

Angehrn hat für Domo Reisen das heutige Inland-Fernbusnetz geplant. Eurobus übernahm den Bereich schliesslich noch vor dem Start und führt es heute als Eurobus Swiss Express. Angehrn kennt die Branche und die Gegebenheiten hierzulande genau. Von 2005 bis 2008 war er beim BAV für den internationalen Busverkehr zuständig. Danach führte der Betriebswirtschafter mit Expressbus sein eigenes Transportunternehmen, das er 2015 verkaufte.

Wie reagiert Eurobus auf die mögliche Konkurrenz aus Österreich? «Wenn weitere Gesuche für Fernbuskonzessionen gestellt werden, heisst das, dass auch andere Unternehmen an das Potenzial in der Schweiz glauben. Das ist erfreulich», erklärt Roger Müri. Konkrete Auswirkungen auf das Angebot von Eurobus seien derzeit sehr schwierig abzuschätzen. «Das hängt davon ab, welche Linien schliesslich bedient würden.» Müri sieht es aber als Vorteil, dass Eurobus mit einem zeitlichen Vorsprung im Markt unterwegs ist. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 23.10.2018, 13:21 Uhr

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