Pharma setzt Bund wegen Preisen unter Druck

Die SRF-«Rundschau» deckt auf, wie Roche in Verhandlungen mit dem Bundesamt für Gesundheit möglichst hohe Medikamentenpreise erzielt.

Die Pharmaindustrie dürfte sich vermehrt für ihre Preisewünsche rechtfertigen müssen. Symboldbild: zvg.

Die Pharmaindustrie dürfte sich vermehrt für ihre Preisewünsche rechtfertigen müssen. Symboldbild: zvg.

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Wie teuer dürfen Medikamente sein? Die Pharmabranche steht unter ­steigendem Rechtfertigungsdruck angesichts von Kosten über 100'000 Franken für Kombinationstherapien bei Krebs.

Die Medikamentenpreise legt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) fest. Die SRF-Sendung «Rundschau» vom Mittwoch legt anhand eines Beispiels offen, wie die Verhandlungen laufen. Laut Dokumenten, die das BAG unter dem Öffentlichkeitsgesetz freigegeben hat, erreichte Roche einen wesentlich höheren Medikamentenpreis, als das Bundesamt ursprünglich angestrebt hatte.

Eine Packung des Krebsmittels Perjeta sollte beim Markteintritt 2013 nach Ansicht des Bundes 1850 Franken kosten. Roche setzte einen Preis von 3450 Franken durch. In der «Rundschau» wurde nun der Vorwurf erhoben, dass das BAG sich bei der Festsetzung des Preises für Roches Krebsmittel unter Druck habe setzen lassen. Sprecher Thomas Christen sagte in der Sendung, das BAG stehe unter Druck der Industrie. Das Bundesamt sei in 60 Fällen vor Gericht, weil keine Preiseinigung erzielt worden sei.

Im Fall Perjeta widerspricht das BAG aber dem Vorwurf. «Tatsache ist, dass die Preisfestsetzung für Perjeta ein Erfolg ist», sagt Christen dieser Zeitung. So sei das Mittel in der Kombinationstherapie günstiger als die effektiv vergüteten Preise im Ausland.

Bundesrat winkt ab

Die Nichtregierungsorganisation Public Eye nimmt die Sendung zum Anlass, um ihre Forderung zu bekräftigen, dass der Bund bei Perjeta eine Zwangslizenz erwirken müsse. Bei einer Zwangs­lizenz wird das Pharmaunternehmen gezwungen, gegen Entschädigung einen ihrer Wirkstoffe von einem Dritten produzieren zu lassen mit dem Ziel, den Preis zu senken und die ­Versorgung der Bevölkerung so sicherzustellen.

SP-Nationalrat Angelo Barrile hatte im Juni einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. Der Bundesrat will davon nichts wissen. «Eine Entlastung der Gesundheitskosten durch Zwangslizenzen für neue, teure Arzneimittel ist aus Sicht des Bundesrates im geltenden Patent- und Heilmittelrecht nicht möglich», heisst es in seiner Stellungnahme. So müsse auch der Inhaber einer Zwangslizenz für die Zulassung des selbst hergestellten Mittels «sämtliche klinische Daten selbstständig erheben und der Zulassungsbehörde vorlegen, was mehrere Jahre dauert und kostspielig ist».

Bund soll Preise durch Drohungen tief halten

Dieses Argument will Public Eye mit einem Gutachten von Professorin Valérie Junod von der Universität Genf entkräften. Demnach könne der Inhaber der Zwangslizenz die nötigen Daten für eine Zulassung vom Patentinhaber Roche einfordern, sollte das Patentgericht ein «öffentliches Interesse» an einer Zwangslizenz feststellen. Andernfalls könnte Roche gegen das Kartellrecht verstossen, weil es seine dominante Position ausnützt.

Pharmakenner halten es für illusorisch, dass die Regierung via Zwangslizenz das Risiko eingeht, für die Herstellung eines Medikaments verantwortlich zu sein. Laut Public Eye geht es bei der Kampagne daher primär darum, dass der Bundesrat mit dem Mittel einer Zwangslizenz drohen solle, um die Preiswünsche der Pharmabranche zu bremsen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 30.01.2019, 20:28 Uhr

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