Porträt

Schloters Weggefährte erhält das Kommando

Nach 12 Jahren an der Seite von Carsten Schloter und drei Monaten als Interimschef der Swisscom erhält Urs Schaeppi definitiv die Leitung des Milliardenkonzerns.

Der definitiv zum Swisscom-Chef ernannte Schäppi verdankt seine Karriere dem verstorbenen Vorgänger: Urs Schäppi (links) und Carsten Schloter (rechts), bis zu seinem Freitod CEO des Telekomunternehmens.

Der definitiv zum Swisscom-Chef ernannte Schäppi verdankt seine Karriere dem verstorbenen Vorgänger: Urs Schäppi (links) und Carsten Schloter (rechts), bis zu seinem Freitod CEO des Telekomunternehmens. Bild: Keystone

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Die Überraschung ist ausgeblieben: Urs Schaeppi legt das «ad interim» in seinem Titel ab und wird definitiv Konzernchef der Swisscom – nach 15 Jahren beim Telecomkonzern. Über seine bevorstehende Ernennung war bereits spekuliert worden, nachdem die Swisscom gestern kurzfristig zu einer Pressekonferenz eingeladen hatte.

Schaeppis steiler Aufstieg nahm ihren Anfang bereits vor einem Jahr: Damals wurde er offiziell zur Nummer zwei bei der Swisscom ernannt. Es war die Folge einer Reorganisation, die den bisherigen Leiter des Grosskundengeschäfts zum offiziellen Stellvertreter von Carsten Schloter machte – eine Position, die es davor nicht gegeben hatte. Gleichzeitig übernahm er von Schloter die Leitung von Swisscom Schweiz, dem Kerngeschäft, das 85 Prozent des operativen Gewinns abliefert. Mit dem unerwarteten Tod Schloters im Juli rückte Schaeppi zur Nummer eins auf, übernahm die Funktion allerdings erst interimistisch – bis heute.

Vom Bereichsleiter zum Konzernchef

Mit seiner heutigen Bestätigung ist Schaeppi innert weniger Monate vom Bereichsleiter zum Konzernchef ad interim aufgestiegen. Vom Verantwortlichen über 1,8 Milliarden Franken Umsatz und 2400 Mitarbeitende zum Chef eines Konzerns mit 11,4 Milliarden Umsatz und 20'000 Mitarbeitenden. Ganz so hart dürfte der Schnitt in der Realität allerdings nicht gewesen sein: Als Carsten Schloter die kriselnde Tochtergesellschaft Fastweb in Italien Anfang 2010 zur Chefsache erklärte und die Leitung vorübergehend übernahm, delegierte er die Verantwortung für das Schweiz-Geschäft vorübergehend an Schaeppi. Seither wurde er zumindest in Teilen der Branche als Schweiz-Chef wahrgenommen.

Schaeppi war drei Jahre vor Schloter zur Swisscom gekommen – mit dem Börsengang 1998. Jahrelang arbeitete er unter Schloter in der Mobilfunksparte. Und als Schloter zum Konzernchef befördert wurde, machte auch Schaeppi einen Karrieresprung und zog als Verantwortlicher für Geschäftskunden in die Konzernleitung ein.

Bodenständig, erfahren, konstruktiv

Vor Schloters Tod war Schaeppi in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Er sucht die Aufmerksamkeit nicht, wirkt auf einer Bühne oder vor der Kamera schnell etwas unbeholfen. Interviews gab er bislang vor allem in Branchenzeitschriften. All jene, die den Berner im täglichen Geschäft erleben, finden allerdings nur lobende Worte: Ein geselliger Typ, bodenständig, erfahren, konstruktiv und angenehm im Umgang. Jemand, der auch in hektischen Situationen Ruhe bewahrt, fachlich kompetent und innovativ ist. Kritiker wenden höchstens ein, dass ihm das gewisse Etwas fehlt – die Ausstrahlung, die eine Figur wie Carsten Schloter ausmachte.

Allerdings war Schloter selbst auch nicht von Anfang an der grosse Charismatiker. Weggefährten erinnern sich noch gut daran, wie er sich Eigenschaften wie seine Bühnenpräsenz erst nach der Wahl aneignete. Mit der Bestätigung Schaeppis gibt der Swisscom-Verwaltungsrat dem verdienten Manager die Chance, es Schloter gleichzutun – und in die neue Rolle hineinzuwachsen.

Erstellt: 07.11.2013, 09:12 Uhr

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