Banken

Schuldenkrise hemmt Kapitalfluss in Schwellenländer

Zürich Die europäische Schuldenkrise zieht nach Einschätzung des Internationalen Bankenverbandes IIF auch die aufstrebenden Schwellenländer in Mitleidenschaft.

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Staaten in Osteuropa oder Asien wird demnach in diesem Jahr deutlich weniger Kapital zufliessen als in früheren Jahren.

Der IIF erwartet, dass Banken und private Investoren weniger Anleihen und Aktien aus Schwellenländern kaufen und die Banken werden weniger Kredite vergeben. «Die Euro-Schuldenkrise ist ein wichtiger Grund für die Verlangsamung des Kapitalflusses in Schwellenmärkte», sagte der geschäftsführende IIF-Direktor Charles Dallara am Dienstag in Zürich.

Insgesamt dürfte der Kapitalfluss aus privaten Quellen nach Schätzungen des Verbandes auf etwa 746 Milliarden Dollar von schätzungsweise 910 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr zurückgehen. 2010 waren noch mehr als 1000 Milliarden Dollar an Schwellenländer geflossen.

Von der Kapitalknappheit sind nach Einschätzung des IIF vor allem die aufstrebenden Volkswirtschaften in Osteuropa betroffen. Aus manchen Ländern sei sogar unter dem Strich Kapital abgezogen worden. Aber auch Länder in Asien erhalten weniger Mittel. Vor allem würden europäische Institute asiatischen Banken deutlich weniger Geld leihen. Im Gegensatz dazu seien die Geldflüsse nach Lateinamerika stabil.

Dallara forderte die Staats- und Regierungschefs der EU auf, mehr im Kampf gegen die Schuldenkrise zu tun. Zwar sei der Markt für Staatsanleihen auf dem Weg zu einer Stabilisierung. «Allerdings muss die politische Führung, die sich in der nächsten Woche trifft, noch mehr tun, um das Vertrauen der Märkte auf nachhaltiger Basis wiederherzustellen», erklärte der Chef der Banken-Lobby.

Das Grundproblem ist nach Einschätzung des IIF, dass europäische Banken einander nicht mehr trauen und deshalb mehr Liquidität brauchen. Deswegen haben europäische Investoren und Geldgeber ihre Investitionen in Schwellenländer drastisch zurückgefahren und weniger neues Geld bereitgestellt.

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) habe diesen Prozess beschleunigt, erklärte der stellvertretende IIF-Chef Philip Suttle. Mit der Vorschrift, bis Mitte 2102 eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erfüllen zu müssen, seien die Banken unter Druck gekommen. In einer Zeit, in der die Beschaffung von neuem Kapital extrem teuer sei, hätten die Banken vor allem aus ausländischen Märkten Geld abgezogen.

2013 könnte wieder mehr Kapital fliessen - allerdings unter der Annahme, dass sich die Wirtschaftslage in Europa im Laufe des Jahres schrittweise stabilisiert und der Kontinent wieder zu einem moderaten Wirtschaftswachstum zurückfindet, erklärte der IIF.

Erstellt: 24.01.2012, 15:20 Uhr

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