Schweiz bleibt Hochpreisinsel im Mobilfunk

Schweizer Handyanbieter haben vor zwei Wochen die Grosshandelsgebühren gesenkt. Trotzdem steigt die Differenz zum Ausland an.

Immer noich viel zu teuer: Drei Mädchen mit ihren Handys. (Archivbild)

Immer noich viel zu teuer: Drei Mädchen mit ihren Handys. (Archivbild) Bild: Keystone

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Erstmals seit zweieinhalb Jahren hat sich etwas bewegt: Die Grosshandelspreise im Mobilfunk sind per 1. Juli um rund 5 Prozent gesunken. Neu betragen die sogenannten Terminierungsgebühren, die sich die Anbieter gegenseitig für den Netzzugang verrechnen, bei der Swisscom 6,65 Rappen und bei Sunrise und Orange 8,25 Rappen pro Minute. Ruft ein Orange-Kunde einen Swisscom-Kunden an, überweist Orange der Swisscom also 6,65 Rappen pro Minute für das Gespräch. Die Anbieter haben bis Mitte 2015 weitere Preissenkungen vereinbart, sagt Therese Wenger von Orange.

Zuletzt hatten Swisscom, Sunrise und Orange die Preise Ende 2010 unter dem starkem Druck der Behörden gesenkt – damals gleich um 50 Prozent. Zwar existiert kein direkter Zusammenhang mit den Endkundenpreisen. Behörden in der Schweiz und der EU beobachten trotzdem einen starken Einfluss – und widmen den Grosshandelspreisen darum erhöhte Aufmerksamkeit.

Zwar ist die Preissenkung im jüngst von den europäischen Telecomregulatoren veröffentlichten Vergleich noch nicht enthalten. Viel würde das aber nicht ändern: Die Schweiz gehört mit Abstand zu den teuersten Ländern Europas. Der gewichtete europäische Durchschnitt liegt bei 1,9 Eurocent – bei kaum einem Drittel dessen, was in der Schweiz seit dem 1. Juli umgerechnet gilt. Der Hauptgrund für die Differenz, die zuletzt stieg, ist die Regulierung. In der EU haben die Telecombehörden die Kompetenz, ins Preisgefüge der Anbieter einzugreifen, wenn sie das für nötig halten – und machen davon rege Gebrauch. Bekanntestes Beispiel sind die sogenannten Roaming-Tarife – also die Gebühren für einen Anruf während der Ferien im Ausland. Die EU hat diese Preise auf ihrem Territorium seit Jahren schrittweise gesenkt. Es gibt sogar einen Plan, wonach die Aufpreise nächstes Jahr ganz wegfallen sollen.

Handytarife sinken trotzdem

In der Schweiz ist man davon weit entfernt – das dürften viele Kunden auch diesen Sommer deutlich zu spüren bekommen (obwohl die Preise zuletzt gesunken sind). Hiesige Behörden können den Anbietern keine Höchstpreise diktieren, solange diese nicht gegen das Wettbewerbsrecht verstossen. Der Vergleich zeigt, dass das nicht nur für die Roaming-Tarife, sondern auch für die Grosshandelspreise Folgen hat.

Die Mobilfunkanbieter orten dafür jedoch andere Gründe: Sunrise-Sprecher Tobias Kistner führt die höheren Kosten ins Feld – beim Netzbau, bei der Anbindung der Antennen ans Internet oder bei den subventionierten Handys. Und die Swisscom argumentiert, tiefe Terminierungsgebühren würden sich negativ auf die Investitionen auswirken. Darüber hinaus, sagt Sunrise-Sprecher Kistner, hätten die Grosshandelspreise an Bedeutung für die Kunden verloren, seit diese dank Flatrates nicht mehr für jede Minute einzeln zahlten. Tatsächlich: Obwohl sich die Terminierungsgebühren zwischen Januar 2011 und Dezember 2012 nicht bewegten, sanken die Preise für Normalverbraucher gemäss einer Studie des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) gleichzeitig im Schnitt um über 20 Prozent. Nur: Der Vergleich mit den Preisen in Europa fehlt.

Erstellt: 17.07.2013, 07:29 Uhr

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