Schweizer Firmen wittern das grosse Geschäft am Golf

Die Golfstaaten müssen enorme Summen in ihre Wasserversorgung investieren. Für Schweizer KMU bieten sich in den Emiraten attraktive Geschäftschancen, sagen Nahostkenner und Wasserexperten.

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Die Scheichs der Golfstaaten lassen sich gerne für ihre Weisheit preisen. Dass ihre Öl- und Gasvorräte endlich sind, haben die Weitsichtigsten unter ihnen schon lange begriffen. Doch auch die Grundwasservorräte Saudiarabiens und der Golf-Emirate werden in 20 Jahren erschöpft sein.

Angesichts des drohenden Wassernotstands wollen die zahlungskräftigen Herrscher in den kommenden Jahren enorme Summen in die Wasserversorgung ihrer wachsenden Bevölkerung investieren. Der Nahost-Kenner und Wasserexperte Franck Galland sieht für Schweizer Firmen, die im Wasserbereich tätig sind, hervorragende Verdienstmöglichkeiten.

Industrie im Vormarsch

Für die Exportförderungsorganisation Osec hat Galland jetzt eine Studie zur Wasserversorgungssituation der Golfstaaten erstellt. Die allergrössten Probleme sieht Galland auf den Jemen zukommen, dessen Wasserquellen versiegen. «Die Hauptstadt Saana wird bald aufgegeben werden müssen», sagte der französische Wasserexperte zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Schon jetzt könne die Bevölkerung nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt werden. Gallands Studie zeigt auf, welche Anlagen in den arabischen Ländern zurzeit gebaut werden und in welche Technologien sie in nächster Zukunft investieren werden.

Wer Wasserleitungen verlegt oder Wasser aufbereitet, Kläranlagen baut oder Ventile und Komponenten für Entsalzungsanlagen produziert, hat gute Chancen, mit den Herrschern am Golf ins Geschäft zu kommen. Schweizer Zuverlässigkeit und Qualität geniesst in den Golfstaaten einen hervorragenden Ruf, sagt Ruedi Büchi, Senior Consultant Mittlerer Osten bei der Osec zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Firmen wie Von Roll hydro, Georg Fischer Piping Systems oder die St. Galler Firma Trunz Water Systems sind schon da. Junge Firmen wie Aquanetto aus Sion wollen ihre patentierten Wasseraufbereitungsanlagen für abgelegene Dörfer demnächst auch in den Golfstaaten vertreiben.

Enorme Investitionssummen

Die Verdienstaussichten und die möglichen Margen sind gemäss den Nahost-Experten der Schweizer Exportförderungsorganisation Osec verlockend, die geplanten Investitionsvolumen enorm. So haben die Golfstaaten im Jahr 2012 Wasserprojekte im Wert von über 30 Milliarden US-Dollar lanciert. Insgesamt erwartet die Osec in den Staaten des Gulf Cooperation Council (GCC) in den nächsten zehn Jahren Wasserinvestitionen in Höhe von 225 Milliarden Franken. Eine grosse Rolle spielt dabei auch die Austragung der Fussballweltmeisterschaft 2022 in Katar.

Die Emirate am Golf sind für ihren verschwenderischen Umgang mit Wasser bekannt. Rund 60 Prozent des Verbrauchs gehen auf das Konto von Rasenflächen oder werden für die Bewässerung von Landwirtschaftsflächen mitten in der Wüste gebraucht. Um die wachsende Bevölkerung weiter mit Wasser versorgen zu können, plant König Abdallah bin Abdul Aziz al-Saud den Bau einer neuen Wasserpipeline zu den Entsalzungsanlagen an der 400 Kilometer entfernten Ostküste. Die Hälfte der rund 30 Entsalzungsanlagen am Roten Meer und am Persischen Golf soll in den nächsten Jahren erneuert oder ausgebaut werden.

Leckende Leitungen

Auch das bestehende Leitungssystem der saudiarabischen Städte muss dringend erneuert werden. So verliert die 6-Millionen-Stadt Riad durch Lecks offiziell 30 Prozent des transportierten Wassers. «In Wahrheit verlieren die Leitungen eher 60 Prozent», erklärt Iyad Titi, der bei Von Roll hydro unter anderem für die Golfstaaten zuständig ist. In der gestern veröffentlichten Osec-Studie zeigt die Exportförderungsorganisation Emirat für Emirat auf, welche Wasserprojekte im Bau sind oder demnächst gebaut werden sollen.

Das Nachfolgeunternehmen des jurassischen Eisen- und Stahlproduzenten Von Roll verkauft in den Golfstaaten schon heute Leitungsrohre, Dolendeckel und Hydranten. Doch auch Hightechprodukte kommen zur Anwendung. So liefert Von Roll hydro Wasserwerken und Versorgungsunternehmen elektronische Sensoren, mit deren Hilfe Leitungslecks sofort entdeckt werden können. Neue Leitungen und Hydranten stattet Von Roll hydro im Voraus mit funkgestützten Leckortungssystemen aus, die eine permanente Netzüberwachung ermöglichen.

Geduld ist gefragt

Wer in den Golfstaaten investiert, kann nach Auffassung des Exportverantwortlichen von Von Roll hydro, Iyad Titi, im Nahen Osten mit Schweizer Technologie und Qualität sehr viel Geld verdienen. Doch der Umgang mit den Scheichs und hohen Ministeriumsmitarbeitern erfordere Geduld und diplomatisches Geschick. «Am Anfang haben wir uns lange vergeblich um Aufträge bemüht», erzählt Titi Schweizer KMU-Vertretern, die sich für ein Engagement in den Golfstaaten interessieren. «Doch E-Mails wurden nicht gelesen. Bei arabischen Geschäftspartnern zählt vor allem der persönliche Kontakt.»

Bei einem Treffen mit arabischen Geschäftspartnern könne man nicht sofort auf das Geschäft zu sprechen kommen, erst gelte es, «sich nach dem Wohlbefinden der Familie, des Opas, des Hundes und der Katze zu erkundigen», persifliert Titi die arabischen Gepflogenheiten. Der Chef des weltweiten Verkaufs von Von Roll hydro ist selbst Palästinenser und mit den arabischen Sitten und Gebräuchen vertraut. Schweizer Unternehmern rät er, beim Anbahnen von Geschäftsbeziehungen viel Geduld mitzubringen. Der Small Talk und das Mitbringen von Geschenken seien ebenso wichtig wie regelmässige Einladungen zum Essen. «Dabei darf dann aber nicht geknausert werden», sagt er.

Erstellt: 21.02.2013, 13:42 Uhr

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