Schweizer Star-Juwelier pleite – Polo-Team in St. Moritz umbenannt

Die Luxus-Firma De Grisogono kündigt Konkurs an – trotz Millionen aus Angolas Staatskasse. Jetzt fällt das Sponsoring im Skiort der Reichen ins Wasser.

De Grisogono sollte ein Polo-Turnier in St. Moritz sponsern, kam den Verpflichtungen aber nicht nach. Foto: Heinz Kuehbauch

De Grisogono sollte ein Polo-Turnier in St. Moritz sponsern, kam den Verpflichtungen aber nicht nach. Foto: Heinz Kuehbauch

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Die Genfer Luxus-Schmuckfirma De Grisogono lebte jahrelang über ihren Verhältnissen. Sie gab Unsummen aus für rauschende Feste oder die Entwicklung von extrem teuren Uhren, die fast niemand kaufen wollte. Finanziert hat dies zu grossen Teilen der angolanische Staat – über 140 Millionen hat De Grisogono aus dessen Kasse seit 2012 verbrannt. Und doch schrieben die Genfer Jahr für Jahr Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Das zeigte das Datenleck «Luanda Leaks», über das Medien letzte Woche weltweit berichtet haben, darunter der Tamedia-Recherchedesk (Lesen Sie hier die Enthüllungs-Story).

Doch nun ist Schluss. De Grisogono hat heute Mittwoch-Morgen seinen Beschäftigten im Werk bei Genf angekündigt, den Konkurs zu beantragen. Das bestätigen mehrere Quellen. Mit diesem Entscheid verlieren in der Schweiz rund 65 Personen ihre Stelle.

Isabel dos Santos, Tochter des ehemaligen angolanischen Präsidenten, steht im Fokus der Enthüllungen der Luanda Leaks. Foto: Keystone

2012 hatten die damalige Präsidententochter Angolas Isabel dos Santos und ihr Ehemann Sindika Dokolo die Kontrolle bei De Grisogono übernommen. Die Genfer Firma gehört seither je zur Hälfte Dokolo und einer angolanischen Staatsfirma. Das Geld für die Übernahme und die gescheiterten Expansions-Pläne kam aber gemäss den «Luanda Leaks»-Unterlagen mehrheitlich vom Staat. Doch 2017 kam es in Angola zum Machtwechsel. Unter dem neuen Präsidenten stoppte die angolanische Staatsfirma die A-Fonds-Perdu-Zahlungen nach Genf. De Grisogono gelang es nun offenbar nicht, einen neuen Geldgeber zu finden.

1,4 Millionen Betreibungen

De Grisogono hinterlässt einen Berg unbezahlter Rechnungen. Ein Auszug aus dem Betreibungsregister zeigt offene Verbindlichkeiten von rund 1,4 Millionen Franken. Am stärksten betroffen sind Lieferanten und Zulieferbetriebe der Uhrenindustrie aus dem Jurabogen. «Früher haben sie immer bezahlt, aber jetzt haben sie kein Geld mehr», sagt einer dieser Gläubiger, der 2019 ein Gerichtsverfahren gegen De Grisogono eingeleitet hat.

Doch auch am anderen Ende der Schweiz sind die Auswirkungen des Konkurses spürbar. Noch letzten Oktober kündigten die Organisatoren des Snow Polo-Turniers in St.Moritz – ein High-Society-Anlass sondergleichen – De Grisogono als neuen Partner an. «Wir sind sehr stolz, mit De Grisogono so einen prestigeträchtigen und weltberühmten neuen Sponsor gewonnen zu haben», frohlockte Organisator Reto Gaudenzi in einer Medienmitteilung.

Doch dann bezahlten die Genfer nicht. Letzten Donnerstag, einen Tag vor Turnierbeginn, habe man deshalb den Stecker gezogen, erklärt Gaudenzi auf Anfrage. «De Grisogono hat den Sponsoring-Vertrag nicht eingehalten. Wir haben deshalb alle Werbeflächen von De Grisogono entfernt und das De Grisogono-Team in Team St. Moritz umbenannt.»Über die Grösse des Lochs in der Kasse äussert sich Gaudenzi nicht. Es ist davon auszugehen, dass das Sponsoring-Volumen von De Grisogono in St. Moritz sechsstellig war. Das Snow-Polo-Turnier reiht sich nun ein in die lange Reihe von Gläubigern. «Wir haben De Grisogono betrieben», sagt Gaudenzi.

Die «Luanda Leaks» in fünf Punkten erklärt
  • «Luanda Leaks», ein neues Datenleck, zeigt: Schweizer Akteure halfen der Elite von Angola, Hunderte Millionen an Staatsgelder in deren Richtung zu lenken. Das südwestafrikanische Land ist reich an Bodenschätzen wie Erdöl oder Diamanten, trotzdem lebt über ein Drittel der Menschen unter der Armutsgrenze.
  • Eine Luxus-Schmuckfirma in Genf erhielt mindestens 140 Millionen Dollar aus der angolanischen Staatskasse und bezahlte damit unter anderem exklusive Anlässe in Cannes oder St. Moritz. Gleichzeitig machte die Firma über 20 Millionen Verlust – pro Jahr.
  • Ein ehemaliger CVP-Lokalpolitiker und Anwalt in Zug betreut eine wertvolle Holding. Ein angolanisches Staatsunternehmen hat deren wichtigste Beteiligung finanziert – und auf mehrere hundert Millionen möglichen Gewinn für das Land verzichtet.
  • Im Zentrum der «Luanda Leaks» stehen Isabel dos Santos und ihr Ehemann. Die Tochter des langjährigen Staatspräsidenten gilt mit einem geschätzten Vermögen von zwei Milliarden Dollar als reichste Frau Afrikas. Ihr Imperium umfasst mehrere hundert Firmen.
  • Die neue angolanische Regierung lässt gegen Isabel dos Santos ermitteln und hat Ende Dezember 2019 ihre Konten eingefroren. Die Ex-Präsidententochter musste auch ihren geplanten Auftritt am Weltwirtschaftsforum in Davos abblasen. (bro)

Erstellt: 29.01.2020, 10:38 Uhr

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