So bauen Sie sich Ihre eigene Pensionskasse

Der Grossteil der 160 Milliarden Franken Vorsorge- und Freizügigkeitsgelder liegt brach. Dabei wären Aktienanlagen erlaubt – und sie würden sich lohnen.

Drei von vier Vorsorgefranken stecken trotz niedrigen Zinsen im 3a-Sparkonto: Ein Berater spricht mit einer Frau. Foto: iStock

Drei von vier Vorsorgefranken stecken trotz niedrigen Zinsen im 3a-Sparkonto: Ein Berater spricht mit einer Frau. Foto: iStock

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Mit seinen Vorsorgegeldern kann sich jede und jeder eine eigene Pensionskasse bauen. Doch mehr als drei Viertel des selbst Gesparten liegen trotz niedrigen Zinsen auf einem Konto. «Dabei sind Wertschriftenanlagen für jedes Bedürfnis zugänglich», sagte Nils Aggett, Präsident des Vereins Vorsorge Schweiz, an dessen Jahreskonferenz.

In der Vorsorgesäule 3a sind gemäss Aggett rund 100 Milliarden Franken gespart. In diese Sparform dürfen Angestellte jährlich bis zu 6800 Franken einzahlen und zugleich den gesparten Betrag vom steuerbaren Einkommen absetzen.

Passende Anlagewahl treffen

Weitere knapp 60 Milliarden Franken sind blockiert in Form sogenannter Freizügigkeitsleistungen. Gemeint sind damit Pensionsvermögen, die bei einem Arbeitgeberwechsel oder einem Unterbruch der Erwerbstätigkeit bis zur Einzahlung bei der nächsten Pensionskasse zwischengeparkt sind.

Die Geldsummen gehören den Erwerbstätigen. Sie haben die Vermögen mit Pflichtsparen in der beruflichen Vorsorge sowie mit freiwilligen Einzahlungen in die 3a-Altersfinanzierung zurückgelegt. Ihnen zugelassen sind gemäss den Vorsorge-Anlagevorschriften Investments in Aktien, Anleihen, Immobilienanlagen sowie Rohstoffzertifikaten.

Private dürfen ihr 3a- und Freizügigkeitsgeld folglich wie eine Pensionskasse investieren oder eine individuell passendere Aufteilung wählen. Die schweizerischen Vorsorgeeinrichtungen haben aggregiert betrachtet in Aktien und Obligationen je ein Drittel des Vermögens. Weitere 25 Prozent sind in Immobilien investiert.

Auf Gebührenlast achten

In Wirklichkeit lassen Private ihre Vorsorgevermögen mehr oder weniger brachliegen. Die im Verein Vorsorge Schweiz zusammengeschlossenen Banken, Versicherer und Stiftungen führen aggregiert 4,9 Millionen Konten und Wertschriftendepots mit 3a- und Freizügigkeitsgeldern.

Bei den 3a-Sparvermögen wurden 2,3 Millionen Konten und 0,5 Millionen Wertschriftendepots gezählt. Auf den Konten lagen Ende 2018 im Schnitt 21'000 Franken, die Wertschriftenanlagen wiesen im Schnitt 29'000 Franken Marktwert auf.

Zulässig ist, ein Konto und zugleich ein Depot zu führen sowie solche Anlageformen parallel bei mehreren Anbietern zu unterhalten. Gemäss dem Verein Vorsorge Schweiz hat aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung mehrere 3a-Beziehungen.

In diesem Geschäftsbereich sind Wertschriftenformen meist sogenannt ausgewogen strukturiert, womit ein Aktienanteil von 40 bis 60 Prozent angepeilt wird. Diese Zeitung führt in der untenstehenden Tabelle Anbieter auf, die ergänzend zum Standardprodukt auch sehr aktienbetonte 3a-Investments zugänglich machen. Sie müssen im Beratungsgespräch die Fähigkeit und die Toleranz des Kunden klären, die mit Aktien verbundenen Wertschwankungen auszuhalten.

Die in der Tabelle zusammengetragenen Werte zur Nettoperformance belegen, wie stark die Anlagegefässe 2018 wegen der Börsenkorrektur an Wert eingebüsst hatten und wie rasch sie in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres zurückgewonnen haben. Interessierte sollten die mit den Anlageformen verbundenen Gebühren nicht ausser Acht lassen. Die in der Nettoperformance berücksichtigten Verwaltungskosten reichen von jährlich 0,4 bis 1,7 Prozent des Vermögens.

(Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 17.05.2019, 17:22 Uhr

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