So soll die Zürcher Wirtschaft wieder wachsen

Der Kanton Zürich ist laut einer Studie der BAK Basel das Schlusslicht in Sachen Wirtschaftswachstum. Wie die Standortförderer die kantonale Wirtschaft wieder in Schwung bringen wollen.

Stadt und Kanton Zürich müssen von der Finanzindustrie unabhängiger werden. Zürich im Januar 2013.

Stadt und Kanton Zürich müssen von der Finanzindustrie unabhängiger werden. Zürich im Januar 2013. Bild: Keystone

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Der Chef der Wirtschaftsförderung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich sieht das Glas eher halb voll als halb leer. Von der jüngsten Wachstumsprognose der BAK Basel für den Kanton Zürich lässt er sich nicht deprimieren. «Für das Jahr 2012 hat die BAK Basel dem Kanton eine Rezession vorausgesagt, doch eingetreten ist sie nicht. Die Wachstumsprognosen der BAK lagen mehrmals zu tief», sagt der Leiter des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit, Bruno Sauter, Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Dennoch ist sich der oberste Wirtschaftsförderer des Kantons Zürich bewusst, dass der Kanton handeln muss. Die starke Abhängigkeit von der Finanzwirtschaft bremst das Wirtschaftswachstum und beeinträchtigt die Steuereinnahmen. Der Kanton bemüht sich schon seit mehreren Jahren, andere Industrien in die Region Zürich zu locken. «Mit unserer Cluster-Politik siedeln wir erfolgreich Firmen aus dem Bereich Life Sciences, High-Tech-Unternehmen, Cleantech oder IT-Firmen an», erklärt Sauter. Als Beispiele für die Cluster-Bildung nennt Sauter den Bio-Techno-Park in Schlieren. Wir setzen uns ausserdem stark dafür ein, den geplanten nationalen Innovationspark oder den geplanten Swiss Innovation Park auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes Dübendorf anzusiedeln. Auf diesem Campus der Kompetenzen aus Forschung und Wirtschaft sollen Menschen aus unterschiedlichen Branchen und Berufen Innovationen hervorbringen.

AWA bringt Firmen zusammen

«Ein Vorteil der Cluster ist, dass Unternehmen der gleichen Branche, die nicht alles selbst produzieren, Vorprodukte oder Dienstleistungen von anderen Firmen beziehen können», so Sauter. Um die Vertreter von Firmen zusammenzubringen, organisiere die Standortförderung Anlässe, an denen sie sich kennenlernen und Kooperationen eingehen können. Herausragende Bildungs- und Forschungseinrichtungen wie die ETH Zürich, die Institute Eawag und Empa sowie die Universität Zürich und die Fachhochschulen böten sich ebenfalls für Partnerschaften an.

«Vor allem in der Stadt Zürich spielt auch der Kreativsektor eine grosse Rolle», so Sauter. Hier versuche die Wirtschaftsförderung, Räume zu schaffen, in denen die meist kleinen Firmen arbeiten oder miteinander in Kontakt kommen könnten. Als Beispiel nennt Sauter den «creative wednesday», an dem sich Vertreter der Kreativszene treffen und nützliche Ideen austauschen können.

Vereinfachte Bürokratie

Für grosse Firmen, die sich im Raum Zürich ansiedeln wollen, hat die Wirtschaftsförderung des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) die Abläufe erheblich vereinfacht. «Wenn bei einem Firmenprojekt verschiedene Behörden mitzureden haben, bringen wir möglichst alle an einen Tisch, damit ein Unternehmen nicht an mehreren Türen anklopfen muss», so Sauter. Gerade für Firmen aus dem Ausland, die sich mit den hiesigen Verwaltungsstrukturen wenig auskennen, habe sich diese One-Stop-Shop-Politik bewährt. Auch bereits ansässige Firmen, die expandieren und neue Räumlichkeiten suchen, können von dieser Dienstleistung profitieren.

Auf die Ansiedlung von Hauptsitzen internationaler Konzerne hat sich die Standortmarketingorganisation Greater Zürich Area (GZA) spezialisiert. Verwaltungsratspräsident Balz Hösly betont jedoch, dass die GZA sich nicht nur für den Kanton Zürich, sondern auch für die Kantone Glarus, Graubünden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn und Zug einsetzt. «Wir sprechen gezielt Konzerne im Ausland an, die einen Hauptsitz für ihr Europageschäft suchen», erklärt Hösly Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Auch für Hösly ist klar, dass Stadt und Kanton Zürich die Probleme des Finanzsektors besonders stark zu spüren bekommen und eine Diversifizierung in andere Branchen «zur Krisenresistenz beiträgt».

150 Arbeitplätze pro Hauptsitz

Auf die Ansiedlung von internationalen Firmenhauptsitzen konzentriere man sich bei der GZA, weil diese erwiesenermassen eine grosse Zahl von Arbeitsplätzen schafften, so Hösly. «Pro Ausländer, der dort arbeitet, werden im Schnitt drei bis vier Arbeitsplätze für Schweizer geschaffen», so Hösly. «Eine Studie von McKinsey hat gezeigt, dass jeder Firmenhauptsitz mittelfristig 150 direkte Arbeitsplätze und 450 indirekte Arbeitsplätze bei Zulieferern schafft», erklärt Hösly.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ansiedlungspolitik der GZA sind Unternehmen aus den Branchen der Präzisionstechnologie. Dazu gehören laut Hösly Feinmechanik, Feinelektronik, Cleantech, Hightech oder Messkomponenten. «Mittlerweile suchen sogar SOLCHE Firmen aus Indien oder China nach einer Möglichkeit, sich hier anzusiedeln», stellt Hösly fest. «Der grosse Wettbewerbsvorteil der Schweiz ist das Vorhandensein hochqualifizierter handwerklicher Fähigkeiten auf intellektuellem Niveau. Das haben wir vor allem unserem dualen Berufsbildungssystem zu verdanken.»

Vielsprachigkeit als Plus

Zu bieten hat die Greater Zürich Area nach Auffassung des Standortexperten weit mehr als niedrige Steuern und erstklassige Verkehrsverbindungen. «Die Dichte an professionellen Unternehmensdienstleistungen, die hier in mehreren Sprachen und multikulturell erbracht werden können, ist ein weiterer Vorteil. Hier befindet sich die Schweiz im europäischen Raum weit vorne», so Hösly. Die Höhe der Steuern ist laut Hösly bei Standortentscheidungen internationaler Konzerne nur noch ein Kriterium unter den ersten fünf.

«Wichtiger sind Stabilität und Berechenbarkeit», so der Standortvermarkter. Geschätzt würden von den Managern internationaler Unternehmen auch die persönliche Sicherheit und die hohe Lebensqualität. «Ich habe schon von Firmen gehört, die ein Problem damit haben, dass ihre normalerweise sehr mobilen Manager gar nicht mehr aus der Greater Zurich Area weg möchten, weil es ihren Familien hier so gut gefällt», sagt Hösly.

Erstellt: 19.04.2013, 19:14 Uhr

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Bruno Sauter leitet das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich und ist auch für die Wirtschaftsförderung zuständig. (Bild: Jürg Waldmeier)

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