So viel weniger verdienen Frauen als Männer bei Banken

Die Lohnungleichheit in der Finanzbranche steigt wieder. Dazu tragen auch die ungleich verteilten Boni bei.

Frauen werden bei Banken deutlich schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Symbolfoto: Keystone

Frauen werden bei Banken deutlich schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Symbolfoto: Keystone

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Im Bankgewerbe werden viele Dinge etwas traditioneller gehandhabt als in anderen Branchen. So ist beispielsweise die Krawatte zwar schon längst angezählt, aber dennoch nur langsam auf dem Rückzug, und auf den Chefetagen finden sich noch immer deutlich weniger Frauen als in anderen Branchen. Doch offenbar zeigt sich das Gewerbe in einem Punkt besonders rückwärtsgewandt. Mit fast 24 Prozent ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern überdurchschnittlich hoch, dies geht aus der neusten Lohnumfrage des Schweizerischen Bankenpersonalverbands hervor.

Mehr als 4700 Personen haben daran teilgenommen. Der Lohnunterschied in der Finanzbranche liegt damit fast 10 Prozent über dem schweizerischen Durchschnitt. Laut dem Bundesamt für Statistik beträgt dieser im privaten Sektor 14,6 Prozent.

Zwar konnte bei der letzten Lohnumfrage des Bankenpersonalverbands ein Rückgang festgestellt werden, doch hat sich seither die Lage wieder verschlechtert. Der Grund dafür sind die steigenden Saläre. Sie sind bei den Männern stärker gestiegen als bei den Frauen. So heisst es in der Umfrage: «Auf Stufe Mitarbeitende erhalten Männer 7000 Franken mehr Lohn, Frauen jedoch bloss 1000 im Vergleich zu 2017.»

Bei den Boni sind die Unterschiede noch grösser. Dort hat sich die Differenz zwischen Frauen und Männern in den letzten Jahren mehr als verdreifacht. Der Bankenpersonalverband räumt ein, dass dies kein wissenschaftlicher Nachweis von diskriminierenden Lohnunterschieden sei. Doch würden sich auf dem Finanzplatz eindeutige Tendenzen aufzeigen lassen, die sich mit anderen Untersuchungen decken.

Beim Arbeitgeberverband der Banken nimmt man die Ergebnisse der neuesten Umfrage zur Kenntnis. Die Lohngleichheit sei ein grosses Thema, so Balz Stückelberger, Geschäftsführer des Verbands. «Alle bisher bei Banken durchgeführten Detailanalysen zeigen aber keine systematische Lohnungleichheit in der Branche», so Stückelberger. Der Anteil an Männern in Kaderpositionen sei relativ hoch und der Frauenanteil tief, was zu hohen Bruttodifferenzen führe. Der nicht erklärbare Anteil sei aber kleiner als in anderen Branchen.

Der Verband bietet seinen Mitgliedern ein von der Universität St. Gallen entwickeltes Werkzeug an, mit dem sie die Lohnungleichheit entdecken könnten. «Wir sind eine der ersten Branchen, die ein Standardmodell anbieten, mit dem ein Unternehmen eine Lohnanalyse durchführen und Ursachen erkennen kann», so Stückelberger. Zudem würden bei einzelnen Banken Lebensläufe geschwärzt, damit Anstellungen oder Beförderungen nicht vom Geschlecht abhängig gemacht werden können.

Die Umfrage gibt auch Hinweise darauf, wie die Löhne je nach Bankengruppe unterschiedlich hoch ausfallen. So bezahlen die Auslandsbanken am besten, sie liegen aber nur noch leicht vor den Privatbanken. Dann folgen die Grossbanken und die Kantonalbanken. Bei diesen stellt der Bankenpersonalverband aber 2019 einen aussergewöhnlichen Anstieg der Fixlöhne fest.

Doch sind die Kantonalbanken nicht einfach grosszügiger geworden: «Dieser grosse Unterschied kann mit der erhöhten Teilnahme der Zürcher Kantonalbank erklärt werden, welche im Vergleich zu anderen Kantonalbanken höhere Löhne ausbezahlt», heisst es im Papier des Bankenpersonalverbands.

Erstellt: 11.06.2019, 09:59 Uhr

Hohe Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen im Vergleich

Im Vergleich zu den internationalen Wettbewerbern und zu anderen Branchen in der Schweiz ist ein alarmierend hoher Anteil der Bankenmitarbeitenden frustriert. Insgesamt haben sich die Werte der Arbeitszufriedenheit gegenüber 2017 zwar leicht verbessert, jedoch sei das Ausmass der angegebenen Unzufriedenheit weiterhin beunruhigend, teilt SBPV mit.

Nach wie vor fühlen sich 37 Prozent der befragten Personen nach der Arbeit leer und ausgebrannt. Über ein Drittel der Befragten empfinden ihre Arbeit als oft frustrierend, ein Viertel kann sich in seiner Freizeit nicht richtig erholen und 26 Prozent haben Angst um ihre berufliche Zukunft.

«Schockierend» sind gemäss dem SBPV die Ergebnisse aus dem Schweizer Finanzsektor im internationalen Vergleich. Denn nach Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sind fast neun von zehn Erwerbstätigen (88 Prozent) in der Schweiz und im europäischen Schnitt zufrieden oder sehr zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen. Die Unzufriedenheit im Schweizer Finanzsektor liegt damit doppelt bis dreimal so hoch wie im europäischen Durchschnitt. (sda)

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