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Spitzenbanker auf dem Grill

CS-Chef Brady Dougan muss morgen in den USA vor Kongressabgeordneten antraben. Das sogenannte Grillieren hat auch schon peinlich geendet, wie Beispiele zeigen.

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Die UBS bildete den Auftakt. Am 17. Juli 2008, mitten in der Finanzkrise, mussten zwei Manager der Bank vor einem Senatsausschuss Auskunft geben über die Praktiken der Bank in Zusammenhang mit der Steuerflucht amerikanischer Kunden. Anwesend war einerseits Mark Branson, heute interimistischer Leiter der Finanzmarktaufsicht Finma, damals Finanzchef des Bereichs Vermögensverwaltung bei der UBS. Und Martin Liechti, der Chef des amerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäfts der Schweizer Bank. Die US-Behörden hatten Liechti zuvor daran gehindert, das Land zu verlassen. Auslöser dafür war die Aussage eines früheren Angestellten gewesen, dessen Name noch für Furore sorgen sollte: Bradley Birkenfeld.

Mark Branson entschuldigt sich am 17. Juli 2008 vor dem US-Senatsausschuss:

Einen zweiten Auftritt hatte Branson am 4. März 2009 – dieses Mal allein. Als Senator Carl Levin ihn fragte, wieso er den US-Behörden nicht einfach die Namen der US-Steuerhinterzieher mit Konten bei der UBS nenne, sagte Branson: «Weil dies das schweizerische Bankgeheimnis verletzen würde.»

Schon kurze Zeit später hat der Senatsausschuss mit den Problemen der Banken alle Hände voll zu tun. Im Mai 2009 finden mehrere Hearings zur Versicherungsgruppe AIG statt, die vom Staat gerettet werden musste. Der frühere Chef Robert Benmosche und sein Nachfolger Edward Liddy müssen vor dem sogenannten House Committee erklären, was zum Kollaps geführt hat, wie man das künftig verhindern will und wofür das staatliche Geld verwendet werden soll. Benmosche versprach: «AIG ist eindeutig auf dem Weg, den Steuerzahlern ihr Geld zurückzuzahlen ... Am Ende des Tages wird die US-Regierung einen angemessenen Gewinn machen.» Damals wusste noch niemand, dass die Finanzkrise noch längst nicht vorbei ist.

Lloyd Blankfein gegen Senator Carl Lewis

Im Juni 2009 wurde der Chef der Bank of America vorgeladen, Kenneth Lewis. Er hatte im Januar die taumelnde Investmentbank Merrill Lynch für 19 Milliarden Dollar übernommen – und hat im Gegenzug Staatshilfe kassiert. Was die Senatoren besonders interessierte: Hatte Lewis damit gedroht, Merrill Lynch fallen zu lassen, wenn die öffentliche Hand die Übernahme nicht finanziell unterstützt? Später gab es rund um die hastigen Übernahmen in dieser Zeit zahlreiche Klagen, die die Bank Dutzende von Milliarden Dollar kosteten.

Unvergessen ist der Auftritt des Goldman-Sachs-Chefs Lloyd Blankfein am 26. April 2010. Er musste sich dabei zur Rolle seiner Bank in der Finanzkrise äussern. Senator Carl Levin, der diesen Ausschuss leitete, erklärte bereits in seiner Eröffnungsrede. «Die Dokumente der Firma selbst zeigen, dass sie grosse Wetten gegen den US-Hypothekenmarkt platziert hat», so Levin. «Das Unternehmen hat diese Wetten stets bestritten – trotz der überwältigenden Beweislast für das Gegenteil.» Levins Fazit nach stundenlangen Verhören an Blankfeins Adresse lautete: «Sie kaufen etwas von Ihnen – und Sie wetten dagegen. Und Sie wollen, dass die Menschen Ihnen vertrauen. Ich würde Ihnen nicht vertrauen.»

In einer ähnlichen Liga spielte die Anhörung von Jamie Dimon, Chef von J. P. Morgan, am 13. Juni 2012. Diesmal allerdings ohne Carl Levin. Grund war der Skandal um den Wal von London, bei dem ein Verlust von mehreren Milliarden Dollar entstand. Die Bank hatte sich mit ihrer Handelsstrategie – die die ausdrückliche Zustimmung des Chefs genoss – gründlich verspekuliert. Anfangs hatte Dimon den Skandal noch «einen Sturm im Wasserglas» genannt, bei der Anhörung vor dem Senatsausschuss musste er dann zurückkrebsen: «Wir haben eine Menge Leute hängen gelassen, und das tut uns leid.»

Einen Monat später trat sogar ein Banker vor laufender Kamera und mitten in der Anhörung von seinem Posten zurück. Es war der 17. Juli. Bei der Bank handelte es sich um die britische Grossbank HSBC, und Thema der Anhörung war der Umgang der Bank mit Geldern aus fragwürdigen Quellen wie Drogenkartellen oder Terrornetzwerken. Demnach hatte die Bank über Jahre hinweg Kunden geholfen, fragwürdige Gelder in Milliardenhöhe aus Ländern wie Mexiko, dem Iran, Saudiarabien und Syrien in die USA zu transferieren. David Bagley, seit zehn Jahren Compliance-Verantwortlicher der Bank, legte seinen Posten während seiner Befragung nieder. Sein Kollege Paul Thurston, der Chef von Retailgeschäft und Vermögensverwaltung, der 2007 nach Mexiko geschickt wurde, um aufzuräumen, sagte vor dem Ausschuss, er sei «entsetzt» gewesen über das, was er dort gefunden habe. HSBS wurde mit 1,92 Milliarden Dollar gebüsst.

UBS-Banker auf dem britischen Grill

Nicht nur der amerikanische Senat lädt gerne Banker vor. Auch in Grossbritannien sind solche öffentlichen Befragungen üblich. Das wissen auch Marcel Rohner, Ex-UBS-Chef, und Andrea Orcel, Chef der Investmentbank der UBS (wir berichteten). Die beiden mussten am 10. Januar 2013 vor einem britischen Parlamentsausschuss aussagen. Rohner wurde vor allem zum sogenannten Libor-Fall in die Mangel genommen. Dabei geht es um die Manipulation von Referenzzinssätzen zwischen 2005 und 2010, die der UBS eine Busse über 1,4 Milliarden Franken einbrachte. Rohner erklärte vor dem Ausschuss, er habe erst nach seinem Abgang und aus der Presse davon erfahren, und betonte wiederholt, er sei schockiert ob der Machenschaften. Rohner wirkte alles andere als souverän bei seinem Auftritt. Orcel musste sich zudem zum Milliardenverlust des UBS-Händlers Kweku Adoboli äussern und Rechenschaft über die Kontrollsysteme innerhalb der Bank ablegen.

Erstellt: 25.02.2014, 13:48 Uhr

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