Spitzenlöhne wachsen doppelt so stark wie die tiefsten Saläre

Die Lohnschere hat sich in der Schweiz noch weiter geöffnet. Die niedrigsten Einkommen mussten sogar ein Minus in Kauf nehmen.

Die tiefsten Einkommen mussten in der Schweiz zwischen 2010 und 2012 einen Reallohnverlust hinnehmen: Ein Bauarbeiter in der Stadt Zürich. Bild: Keystone

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Gemäss der Lohnstrukturerhebung 2012 des Bundesamts für Statistik (BFS) sind die höchsten Löhne in den letzten Jahren doppelt so stark gewachsen wie die tiefsten. Die am schlechtesten bezahlten 10 Prozent der Arbeitnehmenden verdienten 2012 weniger als 3886 Franken pro Monat. Ihr Lohn war in den vorangehenden zehn Jahren um 9,5 Prozent gestiegen. Anders bei den am besten verdienenden Arbeitnehmenden: Deren Lohn lag über 11'512 Franken, das sind 22,5 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Das zeigen die heute veröffentlichten Zahlen des BFS.

Dabei handelt es sich um Nominallöhne. Teuerungsbereinigt sieht es noch schlechter aus für jene, die zu Niedriglöhnen arbeiten müssen. Nach Angaben von Daniel Lampart, Chefökonom des Gewerkschaftsbunds, mussten sie zwischen 2010 und 2012 einen Reallohnverlust von 0,6 Prozent oder 286 Franken pro Jahr hinnehmen. Die am besten bezahlten Arbeitnehmenden verdienten in der gleichen Zeit real 7,1 Prozent mehr, was 9'901 Franken pro Jahr ausmacht.

Abstand zwischen den Geschlechtern wird grösser

Am besten verdienten gemäss Lohnstrukturerhebung Manager von Versicherungen sowie in Forschung und Entwicklung und im Bankenwesen.

Typische Tieflohnbranchen sind der Detailhandel, Beherbergung, Wäschereien, Coiffeur- oder Kosmetikdienstleistungen.

Auch zwischen Frauen und Männern ist die Lohnungleichheit grösser geworden, wie das BFS festhält. Zwischen 2010 und 2012 wuchs das Lohngefälle von 18,4 auf 18,9 Prozent, was nur zum Teil durch unterschiedliche Ausbildung, Altersstruktur oder Verantwortung am Arbeitsplatz erklärt werden kann. Beispielsweise verdienten 40- bis 49-jährige Arbeitnehmerinnen mit hohem Verantwortungsniveau gut 25 Prozent weniger als Männer mit demselben Profil, wie das BFS schreibt.

6118 Franken brutto im Durchschnitt

Der Medianlohn in der Privatwirtschaft lag 2012 bei 6118 Franken brutto pro Monat (inklusive Anteil am 13. Monatslohn und allfälliger Boni). Das sind nominal 3,2 Prozent mehr als 2010 und 13,4 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Je nach Wirtschaftszweig variieren die Löhne aber stark.

Deutlich über dem Medianlohn liegen beispielsweise Forschung und Entwicklung, Tabakverarbeitung, Pharma oder Bankenwesen, am unteren Ende der Skala liegen die Tieflohnbranchen Detailhandel, Gastronomie oder persönliche Dienstleistungen.

Gross sind die Lohnunterschiede auch zwischen den einzelnen Regionen der Schweiz. Die tiefsten Löhne werden im Tessin bezahlt. Die höchsten je nach Funktion im Kanton Zürich oder in der Nordwestschweiz.

1,2 Millionen Beschäftigte erfasst

Die Lohnstrukturerhebung wird alle zwei Jahre durchgeführt. Im Jahr 2012 umfasste sie fast 33'000 Unternehmen mit insgesamt 1,2 Millionen Beschäftigten. Drei Wochen vor der Abstimmung über die Mindestlohn-Initiative des SGB kommt den Zahlen dieses Jahr besondere Bedeutung zu. (ldc/sda)

Erstellt: 28.04.2014, 14:25 Uhr

Die Erklärung des BFS-Direktors


Georges-Simon Ulrich, Direktor des Bundesamt für Statistik, erklärt die Ergebnisse der Lohnstrukturerhebung. (Quelle: BFS/Youtube)

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