Steueroasen verlieren massiv an Bedeutung

Die Weltwirtschaftsorganisation OECD legt neue Zahlen zum weltweiten Bankdatenaustausch vor. Dessen Wirkung ist eindrücklich.

Steueroasen unter Druck: Internationale Finanzplätze, im Bild Panama-Stadt, verlieren ein Drittel der Vermögen.

Steueroasen unter Druck: Internationale Finanzplätze, im Bild Panama-Stadt, verlieren ein Drittel der Vermögen. Bild: OSWALDO RAMIREZ /Keystone

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Das Bankgeheimnis ist tot. Das gilt nicht nur für die Schweiz. Seit 2018 tauschen 90 Staaten gegenseitig Finanzinformationen aus. Erstmals liegen nun Zahlen vor, wie viele Bankdaten so geflossen sind. Laut der Weltwirtschaftsorganisation OECD wurden die Informationen von 47 Millionen Offshorekonten verschickt. Auf ihnen liegen 4,9 Billionen Euro. Diese neue Transparenz führe dazu, dass die Steuereinnahmen der Staaten steigen und sich die Dienstleistungen für die Bürger verbessern, so OECD-Generalsekretär Angel Gurría. In den OECD- und G-20-Staaten habe die freiwillige Offenlegung von Offshorekonten, anderen Vermögenswerten und Einkommen in den letzten zehn Jahren zu 96 Milliarden Euro Steuereinnahmen geführt.

Gleichzeitig haben die Steueroasen massiv an Anziehungskraft verloren. In den Jahren 2000 bis 2008 seien die in den verwalteten Vermögen auf 1,6 Billionen Dollar geklettert, berichtet die OECD. Seither seien sie um rund ein Drittel zurückgegangen. Dies sei auch auf die grössere Steuertransparenz zurückzuführen. Der automatische Informationsaustausch habe zu einem Rückgang der verwalteten Vermögen von 20 bis 25 Prozent geführt. Eine umfassende Studie dazu soll noch in diesem Jahr publiziert werden.

Zahlreiche Schweizer Bankenchefs berichteten in den letzten Jahren von Vermögensabflüssen von ausländischen Kunden bei ihren Instituten, sei es wegen eines freiwilligen Offenlegungsprogramms oder wegen der Aussicht auf den automatischen Informationsaustausch. Seit dem Ende des Bankgeheimnisses haben die von den Schweizer Banken verwalteten Vermögen zwar zugenommen, die ausländischen Gelder haben aber an Gewicht verloren – bedeutender sind heute die Schweizer Vermögen.

Schweiz baut Austausch aus

Vor kurzem hat die Eidgenössische Steuerverwaltung Angaben dazu veröffentlicht, mit welchen Ländern die meisten Informationen ausgetauscht wurden. Die Daten haben aber noch einen Haken: Im letzten Jahr tauschte die Schweiz erst mit den EU-Staaten plus neun weiteren Ländern Informationen aus. Die Rangliste ist also noch überschaubar. Doch schon heute zeigt sich: Die Schweiz erhält auch eine Gegenleistung. Sie versandte Angaben zu zwei Millionen Finanzkonten und erhielt Informationen in ähnlichem Umfang zurück.

In diesem Jahr dürfte der Datenversand deutlich wachsen: 2019 kommen 80 weitere Länder hinzu. 2021 soll die Liste dann noch einmal ausgeweitet werden. Den Banken bereitet der Datenversand in Staaten wie China, Russland oder Saudiarabien Sorgen. Dies, weil die Angaben ihrer Kunden dort benutzt werden könnten, um ihnen beispielsweise politisch zu schaden oder sie zu erpressen. Doch hat der Bundesrat vor kurzem einen Prüfbericht abgenickt, der die Bedenken aus der Welt schaffen soll. Einige Kleinstaaten, darunter Costa Rica, haben sich verpflichtet, die Datensicherheit zu verbessern. Bevor das nicht geschieht, sind sie vom Datenaustausch ausgeschlossen.

Erstellt: 07.06.2019, 10:38 Uhr

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