Syngenta leidet zusammen mit den Bauern

Der Konzern spürt die Folgen des Klimawandels. Wegen der Wetterextreme stagnieren Umsatz und Gewinn.

Ist vom Wetter und dem Klima abhängig: Syngenta mit ihrem Hauptsitz in Basel. Foto: Reuters

Ist vom Wetter und dem Klima abhängig: Syngenta mit ihrem Hauptsitz in Basel. Foto: Reuters

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Die extreme Wettersituation hat den Umsatz des Agrarchemiekonzerns Syngenta im vergangenen Jahr belastet. Wegen der Rekordüberschwemmungen in den USA sowie der extremen Dürre in Australien stagnierte der Umsatz mit Spritzmitteln und Saatgut bei 13,6 Milliarden Dollar. Die neue Syngenta Group soll aber künftig vom Klimawandel profitieren, so CEO Erik Fyrwald.

Der Konzern will etwa an neuen Mais- und Getreidesorten forschen und auch die Biodiversität wahren, sagt Fyrwald. Umweltgruppen wiederum machen Syngenta für das Verschwinden von Pflanzen und Insekten durch seine Pestizide und Herbizide mitverantwortlich.

Riesenmarkt Brasilien

Vergangenes Jahr konnte Syngenta besonders in seinem grössten Markt Südamerika wachsen, wo der Konzern «eine positive Dynamik mit einem starken Volumenwachstum» verzeichnet. Die Verkäufe von Pflanzenschutzmitteln zu konstanten Wechselkursen stiegen um 21 Prozent. Dies könnte auch mit der umweltfeindlichen Agrarpolitik des Präsidenten Jair Bolsonaro und den gerodeten neuen Ackerflächen zu tun haben. 

In den USA dagegen zeigte sich, dass nicht nur die Umwelt, sondern auch die Bauern und Syngenta die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen. Im ersten Halbjahr brach der Umsatz des Konzerns dort ein, weil die Farmer wegen der Überflutungen nicht aussäen und auch nicht spritzen konnten. In der zweiten Jahreshälfte zogen die US-Verkäufe dann zwar stark an. Wegen der geringeren Anbauflächen sank der Jahresumsatz trotzdem.

Dürre als Geschäftsfeld

Syngenta habe den Klimawandel zunächst unterschätzt, hatte die Nachhaltigkeitschefin Alexandra Brand vergangenen Herbst an einem Medienanlass im Forschungszentrum Stein AG gesagt. Nun jedoch solle unter anderem an neuem Saatgut geforscht werden, das resistenter gegen Trockenheit ist. Damit sucht Syngenta nun ein zusätzliches Geschäftsfeld. Schon jetzt bietet die Firma mutierte Maissorten an, die Dürren besser überstehen.Mehr Geld will Syngenta nun in die Forschung investieren. Bislang waren es rund 1,3 Milliarden Dollar.

Der letzte Jahresabschluss der alten Syngentaweist einen praktisch unveränderten Reingewinn von 1,45 Milliarden Dollar aus. Dabei hatte der Konzern noch einmal um 89 Millionen Dollar gestiegene Zinskosten von 369 Millionen Dollar zu bezahlen. Dies geht auf die Anleihen zurück, die Syngenta ausgegeben hatte, um seinem neuen Besitzer Chemchina zu Cash zu verhelfen. 

Der angekündigte Zusammenschluss von Syngenta mit dem israelischen Produzenten von nicht mehr patentgeschützten Spritzmitteln namens Adama sowie dem Agrargeschäft der chinesischen Sinochem zur Syngenta Group soll laut Fyrwald bis Ende März abgeschlossen werden. Damit konsolidieren Sinochem und Chemchina, zu derSyngenta bislang gehörte, ihr Agrargeschäft in einer neuen Holding. Deren Sitz sollin Basel bleiben. 

Erstellt: 14.02.2020, 19:31 Uhr

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