Trumps Steuerreform bedroht tausende Jobs in der Schweiz

Die in der Nacht vom Kongress gebilligte Senkung bringt US-Firmen in der Schweiz unter Zugzwang: Bleiben oder gehen? Über 30'000 Jobs hängen davon ab.

Mit seinen Steuerplänen praktisch am Ziel: US-Präsident Donald Trump.

Mit seinen Steuerplänen praktisch am Ziel: US-Präsident Donald Trump. Bild: Evan Vucci/Keystone

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Donald Trump ist mit seinem Steuersenkungsprogramm für Unternehmen fast am Ziel (zum Bericht). Dabei hat der US-Präsident nur ein Ziel vor Augen. Amerikanische Firmen sollen Kapital und Mitarbeiter aus dem Ausland in die USA zurückholen. Für die Schweiz sind das schlechte Nachrichten.

Die 20 grössten US-Unternehmen beschäftigen hierzulande über 30'000 Mitarbeiter. Schon durch die Senkung der Unternehmenssteuer in den USA von 35 auf 20 Prozent wird es für diese Unternehmen wieder attraktiver, einen grösseren Teil ihrer internationalen Geschäfte aus dem Heimmarkt zu lenken statt aus der teuren Schweiz. Besonders beunruhigend ist ein Detail aus dem riesigen Reformpaket.

Trump plant die Einführung einer Sondersteuer (Excise Tax) für global tätige Unternehmen. Bei grenzüberschreitenden Leistungen innerhalb der Konzerne sollen neu 20 Prozent Steuern anfallen. Die zahlreichen Dienstleistungen, wie globaler Einkauf oder Finanzierungen, welche viele US-Konzerne aus der Schweiz für das Mutterhaus in den USA erledigen, würden sich dadurch massiv verteuern. Trump will mit der Steuer verhindern, dass die Konzerne ihre Gewinne in Ländern mit tiefen Steuern aufblähen, indem sie ihre internen Leistungen entsprechend verrechnen.

Es drohen gravierende Folgen für den Standort Schweiz

Für den Standort Schweiz stehe viel auf dem Spiel, sagt Marco Salvi, Ökonom bei der Denkfabrik Avenir Suisse. «Falls die USA eine Sondersteuer für konzerninterne Leistungen einführen, wäre das für die Schweiz gravierend. US-Multis würden viele Aktivitäten von der Schweiz zurück in die USA verlagern.» Damit drohen hierzulande auch zahlreiche Arbeitsplätze zu verschwinden.


Video: US-Senat stimmt für Trumps Steuerreform

Der US-Präsident bringt seine Vorlage im Parlament durch. (Reuters)


Die einflussreichen globalen Multis lobbyieren intensiv gegen diesen Teil des Reformpakets. Doch auch eine vom Senat vorgeschlagene abgeschwächte Version sieht eine ähnliche Sondersteuer von 10 Prozent vor. Noch vor Weihnachten soll aus zwei unterschiedlichen Entwürfen von Repräsentantenhaus und Senat das neue Steuergesetz entstehen.

Egal wie die Reform am Schluss aussehe, werden die US-Unternehmen ihre Aktivitäten überprüfen müssen, sagt Jackie Hess, Leiterin Steuer- und Rechtsberatung bei Deloitte. «Es wird einzelne US-Unternehmen geben, die wegen der neuen Steuerregelung die Schweiz ganz verlassen.» Durch das Trump-Gesetz werden Konzerne zudem Milliarden an Kapital aus der Schweiz in die USA verschieben. «Amerikanische Unternehmen haben bisher aus Steuergründen in der Schweiz angefallene Gewinne in Milliardenhöhe nicht zurückgeführt. Ein substanzieller Teil dieses Kapitals dürfte nun in die USA abfliessen», sagt Hess.

Christoph Spengel, Steuerexperte am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, erwartet auch einen Rückgang der Investitionen in Europa. «Unternehmen werden ihre Direktinvestitionen viel stärker in den USA statt in der Schweiz und anderen europäischen Ländern tätigen.» Der Kuchen der Steuergelder von US-Unternehmen wird kleiner und er wird neu verteilt. «Der Steuerwettbewerb unter den europäischen Ländern wird durch die Trump-Reform massiv verschärft», sagt Spengel. In Deutschland werden schon Forderungen nach einer Senkung der Unternehmenssteuer laut.

Bern muss sich mit der Steuerreform beeilen

Ausgerechnet in dieser Phase herrscht nach dem Nein zur Unternehmenssteuerreform in der Schweiz Unsicherheit über die Steuerpolitik. Die EU verlangt von der Schweiz, bisherige Privilegien für Firmen abzuschaffen. Diese Ungewissheit schwächt die Position der Schweiz im Buhlen um Unternehmen. «Die Schweiz gerät stärker unter Druck, rasch eine Steuerreform unter Dach und Fach zu bringen», sagt Deloitte-Expertin Hess. «Viele Unternehmen entscheiden wegen der US-Reform bald, wie sie sich international neu aufstellen.» Dabei gehe es schliesslich darum, ob die Unternehmen bleiben oder gehen.

«Die USA zeigen, dass es möglich ist, komplexe Steuerreformen rasch durchzubringen.»Frank Marty, Economiesuisse

Beim Tempo im Umsetzen von Reformen könnte sich die Schweiz an den USA ein Beispiel nehmen, sagt Frank Marty, Leiter des Bereichs Finanzund Steuerpolitik beim Wirtschaftsverband Economiesuisse. «Die USA zeigen, dass es möglich ist, komplexe Steuerreformen rasch durchzubringen. Das sollte die Schweiz aufrütteln.» Derweil schieben die Experten der grossen Beratungsunternehmen Nachtschichten. Täglich gibt es neue Details zur amerikanischen Reform und die Steuerspezialisten kommen kaum nach mit deren Lektüre und Einschätzung. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 20.12.2017, 08:44 Uhr

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