Hintergrund

Uli Hoeness nimmt seine Geheimnisse mit ins Gefängnis

Die Münchner Staatsanwaltschaft will das Urteil gegen den Präsidenten des FC Bayern nicht anfechten. Damit bleiben vor allem drei Fragen offen.

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Man müsste ins Innenleben des Uli Hoeness blicken können, um zu sehen, ob er nach der neusten Entwicklung in seinem Fall erleichtert ist oder nicht. Der Entscheid der Staatsanwaltschaft, nicht in Revision zu gehen, bedeutet zunächst, dass das letzte Woche gefällte Urteil des Landgerichts München Rechtskraft erlangt. Damit muss Hoeness ins Gefängnis. Der Beschluss hat aber auch zur Folge, dass viele offene Fragen um Hoeness’ Konto bei der Zürcher Bank unbeantwortet bleiben. Das könnte beim Verurteilten möglicherweise eine befreiende Wirkung erzeugen.

Hoeness selbst hatte bereits am Freitag erklärt, das Urteil zu akzeptieren. Das gab Anlass zu Spekulationen über ein zu mildes Urteil. Die «Frankfurter Allgemeine» (FAZ) spekulierte: «Womöglich fände eine andere Strafkammer bei einer Neuauflage des Prozesses noch weitere Leichen im Keller.» Das Blatt kritisierte das Verfahren als «Turboprozess» und stellte damit infrage, ob der Sichtung der Bankunterlagen genügend Zeit eingeräumt worden war.

Rätsel um die Geldflüsse

Tatsächlich händigte die Verteidigung die über 70'000 von Vontobel gelieferten Blatt Transaktionsdokumente dem Gericht erst kurz vor Prozessbeginn aus. Mit Kalkül, muss man annehmen, denn, anders als vor Gericht behauptet, war nicht die Bank für die späte Überreichung verantwortlich. Die Folge sind einige im Prozess ungeklärte Aspekte:

  • Wie genau konnte Hoeness sein angebliches Startkapital von 5 Millionen Mark auf zeitweise 150 Millionen Euro hochtreiben? Experten bezweifeln, dass er dies mit den angeblichen Devisenspekulationsgeschäften schaffte. Über allfällige andere Geldquellen brachte der Prozess keine Erkenntnisse.
  • Wie sind die Sprünge in Millionenhöhe in den Abrechnungen zu erklären? Ein Rätsel, das im Münchner Verfahren angetippt, aber nicht gelöst wurde.
  • Dass Hoeness in späteren Jahren mit seiner Zockerei Millionenverluste eingefahren haben soll, wurde behauptet. Der Nachweis, dass die Millionen auf dem Vontobel-Konto zwar verschwanden, nicht aber auf dem Konto einer anderen Bank neu auftauchten, wurde nicht erbracht.

Vor diesem Hintergrund schrieb die FAZ Ende letzter Woche: «Da kann man nur an die Staatsanwaltschaft appellieren, ihrerseits in die Revision zu gehen.» Die Münchner Staatsanwaltschaft hat anders entschieden, obwohl ihr Antrag auf fünfeinhalb Jahre Haft vom Gericht mit dreieinhalb Jahren deutlich unterboten wurde.

Florian Gliwitzky, Sprecher der Staatsanwaltschaft, begründete den Verzicht auf die Revision: «Die Staatsanwaltschaft soll nur dann Rechtsmittel einlegen, wenn das Strafmass in einem offensichtlichen Missverhältnis zur Schuld steht. Das war aus unserer Einschätzung nicht Fall.» In Internetforen stösst dies zum Teil auf Unverständnis. «Das ist alles abgekartet», ist etwa zu lesen. Oder: «Die Staatsanwaltschaft arbeitet in Wirklichkeit für Hoeness.»

Der 62-jährige Bayer wird voraussichtlich nach Ostern, aber – wenn er Pech hat – vor dem Champions-League-Finale am 24. Mai ins Gefängnis einrücken müssen. Zuvor muss die schriftliche Urteilsbegründung abgewartet werden. Dann ergeht die Vorladung an Hoeness. Das dürfte in fünf bis sechs Wochen der Fall sein. Haftort ist die Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech – 60 Kilometer westlich von München.

Aufatmen bei Vontobel

Dass die Staatsanwaltschaft nicht an den Bundesgerichtshof in Karlsruhe appelliert, dürfte überall dort mit Erleichterung aufgenommen worden sein, wo man indirekt mit auf der Anklagebank sass. Da ist – aus Schweizer Sicht – die Bank Vontobel. Über ein Jahr lang tauchte ihr Name im Kontext Hoeness auf. Sie stand und steht da als Helfershelferin des Mannes, der das deutsche Gemeinwesen um 28,5 Millionen Euro betrogen hat. Die Bank musste sich kritische Fragen zu ihrer Rolle gefallen lassen. Und an ihr bleibt – weil diese Rolle im Prozess nicht geklärt wurde – der Makel haften, mit Hoeness gemeinsame Sache gemacht zu haben.

Dass mit der Privatbank Donner & Reuschel auch ein deutsches Institut mit von der Partie war, ist ein schwacher Trost. Nach dem Hoeness-Prozess haben jene Politiker Deutschlands die Oberhand, die schon immer wussten, dass den Schweizer Bankern die Knöpfe eingetan werden müssen. Inzwischen haben auch die Parteikollegen Angela Merkels, die bis vor kurzem mit der Schweiz noch ein Abkommen für eine Abgeltungssteuer unterzeichnen wollten, den Ton verschärft. Finanzminister Wolfgang Schäuble will die Voraussetzungen für die Strafbefreiung bei Selbstanzeigen verschärfen. CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder sekundiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2014, 09:02 Uhr

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