VW will Kunden mit Gutscheinen besänftigen

Der Autobauer reagiert auf den Manipulationsskandal: In Australien und den USA sollen Gutscheine an Geschädigte im Wert von bis zu 1250 Dollar verteilt werden.

Der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband fordert ähnliches System in Deutschland: Volkswagen Logo in Wolfsburg. (Archiv)

Der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband fordert ähnliches System in Deutschland: Volkswagen Logo in Wolfsburg. (Archiv) Bild: Sean Callup

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

VW will Geschädigte des Abgas-Skandals mit Einkaufsgutscheinen besänftigen - bislang aber nur in Nordamerika. Die Möglichkeit, getäuschte Kunden über Gutscheine zu entschädigen, gelte «ausschliesslich» für die USA und Kanada», sagte ein VW-Sprecher.

VW entwickle individuell für jeden Markt ein «Massnahmenpaket» für Kunden, um auf den Manipulationsskandal zu reagieren. Wie Lösungen in Deutschland aussehen könnten, stimmt VW demnach derzeit mit den Behörden ab. Für die USA sollen in der nächsten Woche Details bekanntgegeben werden.

Zu seiner Verantwortung stehen

Die US-Website «The Truth About Cars» hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass Volkswagen in den USA an betroffene Dieselfahrer Einkaufsgutscheine im Wert von bis zu 1250 Dollar verteilen will. Ein Gutschein über 500 Dollar kann demnach überall eingelöst werden, ein weiterer im Wert von 500 bis 750 Dollar bei Volkswagen-Händlern.

Der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte für den deutschen Markt ein ähnliches System: Das Unternehmen müsse zu seiner Verantwortung stehen, deshalb «wären solche Gutscheine in Deutschland das Minimum, um die betroffenen Verbraucher zu entschädigen», sagte vzbv-Präsident Klaus Müller der «Rheinischen Post».

Schadensbehebung als oberste Priorität

In der Schweiz stösst die Idee hingegen auf keine allzu grosse Begeisterung. Die Westschweizer Konsumentenorganisation Fédération romande des consommateurs (FRC) sieht die Gutscheine vor allem als kulante Geste des deutschen Autobauers, wie Generalsekretär Mathieu Fleury sagte.

Die Geste zeige, dass Volkswagen bereit sei, vorwärts zu gehen und Verantwortung zu übernehmen. Fleury betonte aber, dass die Behebung des verursachten Schadens an erster Stelle stehen müsse. Auf der FRC-Plattform zur Information und Unterstützung von Betroffenen zählt der Verband bereits 4000 Personen, die sich eingetragen haben.

Zudem hat der Verband diese Woche Verhandlungen mit der VW-Importeurin Amag aufgenommen zu den Bedingungen der Nachrüstung beziehungsweise Reparatur der betroffenen Fahrzeuge.

Verwaltungsratssitzung unter Protesten

Am Montag kam derweil der Aufsichtsrat von Volkswagen zu einer erneuten Krisensitzung zusammen. Am Sonntagabend hatte in Wolfsburg schon der zur Aufarbeitung des Skandals einberufene Sonderausschuss getagt. Auch die Ergebnisse dieser Beratungen sollen bei den Verwaltungsräten zur Sprache kommen.

Während sich die Kontrolleure in einem von der Öffentlichkeit abgeschotteten Bürogebäude verschanzten, protestierten Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace am Haupteingang des VW-Werkes mit Plakaten gegen die millionenfachen Diesel-Manipulationen sowie falsche CO2- und Verbrauchswerte bei Diesel- und Benzinfahrzeugen. Greenpeace forderte mit der Aktion nach eigenen Angaben Transparenz und neue, ungeschönte Abgasdaten. (nab/sda)

Erstellt: 09.11.2015, 16:07 Uhr

Artikel zum Thema

VW-Chef schreibt Widmer-Schlumpf

Matthias Müller, Konzernchef von Volkswagen, will Mehrsteuern seiner Kunden direkt bezahlen, wie er in einem Brief an die Bundesrätin schreibt. Mehr...

VW-Skandal: Das Katastrophen-Szenario der UBS-Analysten

Kenner der Grossbank rechnen im Fall VW mit einer noch nie gesehenen Flut von Sammelklagen. Die Kosten könnten 30 Milliarden Dollar übersteigen. Mehr...

Volkswagen ruft in den USA 92'000 Autos zurück

Die Skandal-Nachrichten um VW reissen nicht ab: In den USA ruft der Konzern tausende Fahrzeuge zurück. In Deutschland stehen weitere Benziner unter Verdacht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Blogs

Geldblog So partizipieren Sie am Dentalimplantatemarkt

Von Kopf bis Fuss Die drei No-gos bei der Hautpflege

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Fakelträger: Junge Ungaren ziehen in Erinnerung an die Studentenproteste von 1956 durch die Strassen von Budapest. (22. Oktober 2018)
(Bild: Szilard Koszticsak) Mehr...