Interview

«Viele halten die Veränderungen bei der UBS für kosmetisch»

Die UBS ist daran, ihr Investmentbanking zu reduzieren. Dem US-Investor Eric Knight geht das aber viel zu wenig weit. Im Interview sagt er, was er zusätzlich fordert.

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Wie aussichtsreich ist Ihr Kampf gegen die UBS?
Wir wollen keinen Kampf führen, sondern eine Debatte lancieren. In den letzten drei Monaten haben wir dazu Dutzende von Gesprächen mit Aktionären, Regulatoren, Analysten, Bankiers sowie aktuellen und ehemaligen UBS-Angestellten auf der ganzen Welt geführt. Die Ansichten dieser Stakeholder sind wichtig und werden von uns aufgenommen.

Aber Ihre Meinung haben Sie schon gemacht.
Die UBS sollte sich klar als Vermögensverwalterin positionieren. Sie sollte ihr Investmentbanking stärker zurückfahren. Und sie sollte die Altlasten und Nicht-Kernbereiche der Investmentbank schneller abstossen. Wie wir aus Gesprächen wissen, gibt es für dieses Anliegen einen grossen Konsens unter den Aktionären. Kaum jemand stellt Zeitpunkt oder Stossrichtung der Debatte infrage.

Und was sagt Ihnen die UBS dazu?
Als wir UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber vor rund einem Jahr erstmals kontaktierten, erhielten wir eine sehr höfliche und konstruktive Antwort. Inzwischen gab es auch Gespräche mit dem Management. Doch die Diskussion muss auf der Ebene des Verwaltungsrats geführt werden. Wir werden dem Gremium unsere Ergebnisse zu gegebener Zeit zukommen lassen.

Wie schätzen Sie den UBS-Präsidenten ein?
Das Aktionariat hält sehr viel von Weber. Dieser Ansicht schliessen wir uns an. Dennoch glauben viele Aktionäre, dass der Verwaltungsrat gegenüber der Geschäftsleitung zu schwach ist. Sechs von elf GL-Mitgliedern kommen aus dem Investmentbanking. Man hat den Eindruck, dass sie die Show bei der UBS bestimmen und dass der CEO in der Struktur- und Strategiefrage die Oberhand hat.

Offiziell ziehen aber alle am selben Strick.
Wir wissen, dass die UBS schon vor drei Jahren erwägte, sich vom Investmentbanking zu trennen. Kapitalmangel sowie regulatorische Bedenken verhinderten damals den Schritt. Heute könnte sie aus einer Position der Stärke heraus agieren. Von den Aktionären erhielt die UBS im Herbst 2011 viel Zustimmung für den Teilrückzug aus dem Investmentbanking. Jetzt fällt die Bank zurück.

Die UBS sieht im erfolgreichen ersten Halbjahr 2013 einen Beweis dafür, dass sie mit einer kleineren Investmentbank die richtige Strategie gewählt hat.
Eine grosse Mehrheit der Aktionäre hält die bisherigen Veränderungen für kosmetisch. Aktiven wurden von einem Teil der Bank in einen anderen verschoben. Doch das Gesamtrisiko bleibt bestehen. Anstelle einer grossen Investmentbank hat die UBS nun eine Good Bank und eine Bad Bank, wobei die Bad Bank dreimal grösser ist als die Good Bank. Dass die Good Bank nach der erneuten Umstrukturierung Ende 2012 gut aussieht, beeindruckt aber niemanden. Im grossen Ganzen sind die Resultate weniger bestechend.

Wie stehen die Aktionäre zu diesen Ergebnissen?
Viele Aktionäre befürchten einen Rückfall in alte Zeiten. Unter dem Eindruck der guten Zahlen im Investmentbanking – und aus Eigeninteresse der Investmentbanker – könnte das Management versucht sein, die Division wieder auszuweiten. Diese Furcht wird dadurch genährt, dass die UBS weiterhin sehr erfahrene, respektierte und ambitionierte Investmentbanker anheuert. Diese Leute wollen nicht in der dritten Investmentbanking-Liga spielen. Sie sind nicht zur UBS gekommen, um das Geschäft einzudampfen.

Meint es die UBS also nicht ernst mit dem Umbau ihres Geschäfts?
In Teilen des Fixed-Income-Geschäfts, aus denen die UBS eigentlich aussteigen sollte und wo sie gemäss eigenen Angaben kaum mehr Vermögenswerte besitzt, sind die Umsätze zuletzt gestiegen. Von der Bank wurde der Rückgang der Aktiven im Nicht-Kerngeschäft als Fortschritt dargestellt. Unser Eindruck ist jedoch, dass dies vor allem Marktbewegungen widerspiegelt und die Hebel in diesen Bereichen grösser geworden sind. Die Risiken bestehen nach wie vor. In einem negativen Marktumfeld sind Quartalsverluste über eine oder zwei Milliarden Franken durch die Investmentbank möglich. Zudem ist das Management der Altlasten und des Nicht-Kernbereichs unter dem Dach des Corporate Center sehr intransparent. Wie werden die Angestellten entlöhnt? Was sind die Ziele? Eine maximale Rendite oder eine Begrenzung der Verluste über einen längeren Zeitraum? Mit dem Stabilisierungsfonds bei der Schweizerischen Nationalbank holt sich die UBS sogar noch weitere Altlasten zurück ins Haus.

Der Rückkauf stärkt doch die Eigenkapitalquote der Bank.
Das ist kurzsichtig und opportunistisch gedacht. Der Rückkauf des Stabfund steht dem Willen vieler Aktionäre diametral entgegen. Sie wollen, dass die UBS ihre echten, operativen Risiken zurückfährt. Quoten wie die Tier-1-Kapitalquote sagen nicht wirklich aus, wie riskant eine Bank wirtschaftet.

Nach dem Libor-Skandal hat die UBS eine Verbesserung der Risikoprozesse versprochen.
Die organisatorische Komplexität bei der UBS ist nach wie vor enorm. An den UBS-Standorten gibt es dermassen viele verschiedene Strukturen und Prozesse, dass ich mich frage, wie sich ein solches Unternehmen überhaupt managen lässt. Aus Distanz die grossen Aufschwünge im UBS-Portfolio zu kontrollieren, ist unglaublich schwierig. Investmentbanken wie Goldman Sachs haben da einen Vorteil, weil sie organisch gewachsen sind und ein zentralisierteres Risikomanagement besitzen.

Wird die UBS jemals wieder eine Konkurrenz für Goldman Sachs?
Um im Investmentbanking wirklich vorne mitzuspielen, braucht man die nötige Grösse. Wir sprechen hier von einem Faktor drei bis vier im Vergleich zur heutigen UBS-Investmentbank. Die UBS hatte diese Grösse nie. Und hat sie auch heute nicht in Bereichen wie dem Aktienhandel, den sie als Kern der Investmentbank weiterführen will.

Welche Vorteile hätte ein minimales Investmentbanking?
Als Vermögensverwalter mit minimalem, beratungsorientiertem Investmentbanking wäre die UBS eine weltweit einzigartige Bank. Während andere Grossbanken nach wie vor den Risiken des Investmentbankings ausgesetzt wären und sporadisch Verluste einfahren würden – eine Milliarde hier, eine Milliarde dort –, fiele dies bei der UBS weg.

Und die UBS-Aktien würden vom Markt höher bewertet.
Ja, und auch der Neugeldzufluss würde profitieren. Das hängt mit den Geschäftsinteressen und dem Vertrauen zusammen: Kundenberater, die eine Beziehung seit Jahren oder gar Generationen pflegen, stehen natürlicherweise auf der Seite des Kunden. Dagegen sitzt der Investmentbanker meist am anderen Ende des Tisches. Die Kunden würden es honorieren, wenn solche Interessenkonflikte entschärft würden.

Gehen diese Kunden nicht ohnehin zu einer traditionellen Privatbank?
Gegenüber Banken wie Julius Bär, Lombard Odier oder Pictet hat die UBS einen entscheidenden Grössenvorteil. Die Chefs dieser Banken fürchten die UBS nicht, weil sie Dienstleistungen bei der Unternehmensfinanzierung oder im Handel anbieten kann, sondern weil sie den Kunden grosse Geldsummen ausleihen kann. Die Bilanz der UBS ist um ein Vielfaches grösser als die anderer Vermögensverwalter. Gerade für superreiche Kunden spielt das eine Rolle.

Würde die UBS durch den von Ihnen anvisierten Strategiewechsel wieder zu einer echten Schweizer Bank?
Das wäre absolut der Fall. Die UBS-Investmentbank beschäftigt viele Angestellte in London und in den USA. Entsprechend stossen unsere Vorschläge dort auch auf geringere Zustimmung als in der Schweiz, wo das Wealth Management stark ist. Doch die Machtbalance liegt aufseiten der Investmentbanker. Paradoxerweise wird in London viel stärker über die Strategie diskutiert als in der Schweiz. Hier ist die Debatte noch nicht richtig angekommen, obwohl die UBS eine enorme Bedeutung für das Land und seinen Finanzplatz hat.

Müsste auch die Credit Suisse eine solche Debatte führen?
Wenn eine Bank die Transformation anvisieren sollte, dann ist es die UBS. Sie besitzt eine grössere Vermögensverwaltung, während die Credit Suisse in vielen Bereichen des Investmentbankings eine stärkere Position innehat. Das bedeutet aber nicht, dass die Struktur kein Thema für die CS sein soll. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.08.2013, 11:42 Uhr

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