Warren Buffetts Big Deal

Der amerikanische Investor hat sich mal wieder ein langweiliges Unternehmen gekauft. Der am Nachmittag bestätigte Deal ist der grösste im Leben des 84-Jährigen.

Will ein Unternehmen kennen, bevor er es kauft: Investorenlegende Warren Buffett auf Fabrikbesuch.

Will ein Unternehmen kennen, bevor er es kauft: Investorenlegende Warren Buffett auf Fabrikbesuch. Bild: John Shearer/Keystone

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Für ungeliebte Firmen, die von den Investoren links liegen gelassen werden, hat Warren Buffett eine Schwäche. Diesmal schnappt er sich den Industriekonzern Precision Castparts Corp in Oregon, der Metallkomponenten vor allem für die Flugzeugindustrie fertigt. Seit Juni 2014 zeigt beim Unternehmen der Aktienkurs nur noch abwärts, rund 30 Prozent beträgt das Minus inzwischen. Am Freitag belief sich der Börsenwert auf 26,7 Milliarden Dollar.

Buffet zahlt einen Aufschlag von 21 Prozent. Am Montagnachmittag (Schweizer Zeit) bestätigte das Unternehmen das Übernahmeangebot im Wert von 37,2 Milliarden Dollar. CEO Mark Donegan begrüsst die Fusion, die im ersten Quartal 2016 vollzogen werden soll. Den Kaufpreis kann Buffett bar hinblättern, die Kriegskasse seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway ist mehr als doppelt so gross.

Der richtige Moment für den Schnäppchenjäger

Precision Castparts, die Airbus und Boeing zu ihren Kunden zählt, stellt auch Komponenten für Gasturbinen her. Deshalb leidet das Unternehmen seit einiger Zeit schon unter den sinkenden Öl- und Gaspreisen, die zu einem Nachfrageeinbruch bei Anlagen geführt haben. Das 1949 gegründete Unternehmen ist durch mehrere Zukäufe rasch gewachsen. Heute beschäftigt es 30'000 Angestellte. Im letzten Geschäftsjahr, das Ende März 2015 endete, wies es bei 10 Milliarden Dollar Umsatz einen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar aus. Doch die Erlöse sind rückläufig. Am Freitag vermeldete das Unternehmen einen Umsatzrückgang im jüngsten Quartal – ein idealer Zeitpunkt also für Schnäppchenjäger Warren Buffett. «Wenn man die Chance erhält, eine wunderbare Firma zu kaufen, dann gibt es immer einen Grund, und vielleicht hat uns diesmal ein Rückgang der Öl- und Gaspreise gehofen», sagte Buffet im TV-Sender CNBC.

Als Value Investor kauft er nur Firmen, deren Geschäfte er versteht – weshalb er sich nicht die Finger verbrannte, als andere beim Platzen der Technologieblase viel Geld verloren. Buffett hält bereits 3 Prozent an Precision Castparts und kennt damit die Firma. Bevor er ein Unternehmen erwirbt, nimmt er die Zahlen unter die Lupe, die Verschuldung, den Liquidationswert, den Börsenkurs, die bisherige und die künftige Ertragskraft. Wenn alles stimmt, schlägt er zu. Also dann, wenn die Preise tief sind.

Erstes Geschäft als Sechsjähriger

Er kaufe «gute Gesellschaften mit einem hervorragenden Management und gutem Wachstumspotenzial zu einem fairen Preis», sagt Buffett. Damit ist er gut gefahren. Es ist 50 Jahre her, seit er Berkshire Hathaway übernahm. Das unbedeutende Textilunternehmen baute er mit dem Geld von Verwandten und Bekannten zu einer Beteiligungsgesellschaft um, die über 80 Unternehmen im Portfolio hat und an der Börse mit 354 Milliarden Dollar bewertet ist. Er selbst ist laut dem US-Magazin «Forbes» – hinter Microsoft-Gründer Bill Gates und dem spanischen Textilunternehmer Amancio Ortega – der drittreichste Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von 67 Milliarden Dollar.

Am 20. August feiert er seinen 85. Geburtstag. Das Handeln liegt dem Sohn eines Brokers aus Ohama, Nebraska, im Blut. Sein erstes Geld verdiente er als Sechsjähriger, als er im Sommer Coca-Cola in Sechserpackungen für 25 Cent kaufte und die Flaschen einzeln für 5 Cent das Stück weiterverkaufte, schon mit 17 nahm er als Zeitungsverträger 5000 Dollar ein.

1'800'000 Prozent Performance in 50 Jahren

Im März zeigte Buffett zum 50-Jahre-Jubiläum auf, wie gut Berkshire mit seinem Ansatz gefahren ist: Der Aktienkurs legte seit 1964 um 1'826'163 Prozent zu. Verglichen mit dem Börsenindex S&P500, der im selben Zeitraum 2300 Prozent anstieg, eine sagenhafte Performance.

Wenn Buffett eine Firma übernimmt, sorgt er oft für Erstaunen. So auch bei seinem grössten Zukauf, der Güterbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe, als er 25 Milliarden Dollar für 77 Prozent der Aktien zahlte. Und als 2012 alle vom Ende der gedruckten Tageszeitung sprachen, kaufte er 15 Zeitungen für 344 Millionen Dollar auf. Ein wichtiges Standbein ist das Versicherungsgeschäft. Nach der Finanzkrise beteiligte er sich an General Electric, Goldman Sachs, Dow Chemical, Swiss Re sowie später Bank of America. Bei der Swiss Re ist sein Anteil am 2. Juli 2015 unter 3 Prozent gefallen. Die grösste Akquisition im laufenden Jahr war mit 4,1 Milliarden Dollar die amerikanische Autohandelskette Van Tuyl. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2015, 11:56 Uhr

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