Warum Swiss Re und Softbank nicht zueinanderfanden

Der Rückversicherer und die Technologie-Holding wollten im Digitalgeschäft zusammenspannen. Am Ende scheiterten die Pläne daran, dass die Japaner eine Sonderbehandlung wollten.

Softbank-Chef Masayoshi Son wollte als potenzieller Grossaktionär eine Extrabehandlung bei Swiss Re und blitzte ab.

Softbank-Chef Masayoshi Son wollte als potenzieller Grossaktionär eine Extrabehandlung bei Swiss Re und blitzte ab. Bild: Franck Robichon /Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Ankündigung löste viel Fantasie aus: Das japanische Technologie-Konglomerat Softbank wollte beim Rückversicherer Swiss Re einsteigen, beide Konzerne wollten zudem bei Digitalprojekten zusammenarbeiten. Doch nun sind die Gespräche geplatzt.

«Swiss Re und Softbank Group sind übereingekommen, die Diskussionen über eine mögliche Minderheitsbeteiligung von Softbank an Swiss Re zu beenden», teilte Swiss Re am Montagmorgen mit. Ein Grund für das Scheitern wurde nicht genannt.

Streit ums Geld

Laut Branchenkreisen ist die Ursache für das Scheitern ganz banal: Es ging ums Geld. Softbank wollte bekanntlich eine Minderheitsbeteiligung am Rückversicherer erwerben. Zu Beginn wollte Softbank-Chef Masayoshi Son gar ein Drittel der Aktien kaufen, das Paket hätte einen Wert von rund 10 Milliarden Franken. Im Zuge der Gespräche wurden die Ambitionen dann immer kleiner, zuletzt war von einem Anteil von 10 Prozent die Rede.

Doch von Anfang an gab es unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie der Einstieg Softbanks organisiert werden sollte. Offenbar schwebte den Japanern vor, dass Swiss Re entweder Aktien aus dem eigenen Bestand an Softbank abgibt – Swiss Re hält rund 10 Prozent des eigenen Kapitals in der eigenen Bilanz. Oder, dass der Rückversicherer eine Kapitalerhöhung vollzieht, die dann exklusiv für Softbank reserviert sein sollte.

Keine Sonderbehandlung

Doch Swiss Re wollte von Anfang nichts davon wissen, den Japanern mit Blick auf eine allfällige Beteiligung in irgendeiner Form eine Sonderbehandlung zukommen zu lassen. So sagte Swiss-Res-Präsident Walter Kielholz mit Blick auf eine mögliche Kapitalerhöhung der NZZ: «Das haben wir von Anfang an ausgeschlossen. Wir brauchen kein Geld. Wenn sich Softbank an der Swiss Re beteiligen will, steht die Möglichkeit offen, Titel über die Börse zu kaufen.»

Doch das wollten offenbar die Japaner nicht, auch wenn ein Softbank-Sprecher auf Anfrage zum Scheitern keinen weiteren Kommentar abgeben wollte. Auch Swiss Re verwies auf die Pressemitteilung.

Eine grosse Überraschung ist das Scheitern nicht, schon Anfang des Monats gab es Berichte, dass die Gespräche nicht vom Fleck kämen. Zudem scheinen Swiss Re und Softbank bisher ausschliesslich über die Beteiligungsfrage gesprochen zu haben. Welche Projekte man gemeinsam hätte realisieren können, diese viel spannendere Frage ist laut Branchenkreisen noch gar nicht richtig angegangen worden.

Eine verpasste Chance

Für Swiss Re ist das Platzen der Gespräche keine Katastrophe, die Börse reagierte entsprechend gelassen. Einige Analysten sprechen aber von einer verpassten Chance. Swiss Re hätte einen langfristig orientierten Minderheitsaktionär gewonnen, hätte verbesserten Zugang zu den asiatischen Wachstumsmärkten erhalten und beide Seiten hätten ihr technologisches Know-how bündeln können, zählt Analyst Stefan Schürmann von der Privatbank Vontobel auf. Dagegen meint Georg Marti von der Zürcher Kantonalbank, dass ihm «die Geschäftslogik» einer solchen Beteiligung stets gefehlt habe.

Eine Enttäuschung ist das Platzen für Swiss-Re-Dauerpräsident Walter Kielholz. Der 66-Jährige hätte sicher gern die letzte Phase seines Wirkens an der Spitze des Rückversicherers mit einem zukunftsweisenden Deal gekrönt.

Doch das Tischtuch ist zwischen Softbank und Swiss Re nicht zerschnitten. Swiss Re kündigte an, weiterhin auch mit Unternehmen aus dem Beteiligungsportfolio von Softbank «Geschäftsideen» diskutieren zu wollen.

Viele Anknüpfungspunkte

Anknüpfungspunkte gibt es einige: So beschäftigt sich Swiss Re intensiv mit der Frage, wie selbstfahrende Autos versichert werden können. Und Softbank zählt über den von ihm aufgelegten Beteiligungsfonds Vision Fund zu den Grossaktionären des US-Fahrdienstes Uber sowie des chinesischen Konkurrenten Didi Chuxing.

Ferner ist Softbank mit 5 Prozent am chinesischen Versicherer Zhongan Online beteiligt, einem Anbieter, der Schadenversicherungen ausschliesslich online vertreibt und von den chinesischen Onlineriesen Alibaba und Tencent gegründet wurde. Das Wissen von Swiss Re über Produkte und Risiken könnte ein Faktor sein, das Produktangebot des Onlineversicherers zu erweitern und zu optimieren.

Erstellt: 28.05.2018, 22:26 Uhr

Artikel zum Thema

«Es ist mir ein Rätsel»

Analysten können keine Vorteile für Swiss Re aus einem Einstieg der japanischen Softbank erkennen. Verlierer wären wohl die bisherigen Aktionäre des Rückversicherers. Mehr...

Warum ein Tech-Visionär an der Swiss Re interessiert ist

Der japanische Milliardär und Technologie-Investor Masayoshi Son erwägt, bei Swiss Re einzusteigen. Dafür gibt es gute Gründe. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Blogs

History Reloaded Vom Liebling Hitlers zum Verräter

Mamablog Aufklärung schützt vor sexueller Gewalt

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...