Warum Übernachten mit Airbnb deutlich teurer wird

Wer in San Francisco eine private Ferienunterkunft auf der Online-Pattform bucht, zahlt künftig Steuern wie im Hotel. Der Entscheid hat Signalwirkung: Die Nutzungsbedingungen werden weltweit angepasst.

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In San Francisco hat es angefangen – und dort nimmt das Projekt jetzt die vielleicht entscheidende Wende: Airbnb, der Vermittlungsdienst für private Unterkünfte, treibt künftig für die Stadt Steuern ein. Wer ab Sommer über die Online-Plattform ferienhalber ein Zimmer oder eine Wohnung mietet, muss neu eine sogenannte Beherbergungssteuer auf den Mietpreis bezahlen. Eine Art Kurtaxe, die aber nicht wie in der Schweiz üblich 2 bis 3 Franken pro Person und Tag beträgt, sondern 14 Prozent der Übernachtungskosten.

Um sicherzustellen, dass die Gäste die Gebühren auch tatsächlich bezahlen – und die Gastgeber ob der Bürokratie des amerikanischen Steuersystems nicht verzweifeln – wird das Unternehmen, das vor 7 Jahren in San Francisco gegründet wurde, das Geld selbst kassieren und direkt an die Behörden weiterleiten. Das Gleiche gilt für eine zweite amerikanische Stadt, in der das neue Steuerregime eingeführt wird – in Portland, Oregon.

190 statt 165 Dollar

Heute kostet eine Airbnb Unterkunft in San Francisco im Schnitt 165 Dollar pro Nacht. Inklusive 14 Prozent Steuern steigt der Preis auf knapp 190 Dollar. Im Vergleich: Hotelzimmer gibt es im Schnitt für 229 Dollar. Auch mit Steuern bleibt Airbnb also günstiger, aber der Preisvorteil sinkt um gut ein Drittel.

Entscheidender als die schwindende Preisdifferenz dürfte aber sein, dass dieser Schritt für einen Meilenstein markiert. Bislang hatte sich das Unternehmen stets auf den Standpunkt gestellt, seine Dienstleistung beschränke sich darauf, Gäste und Gastgeber zusammenzubringen. Darüber hinaus hatte die Vermittlungsplattform jede Verantwortung zurückgewiesen. In diesem Sinne bedeutet die neue Praxis eine Kehrtwende – die sich auch in neuen Nutzungsbestimmungen niederschlägt.

Im alten, noch bis Ende April gültigen Dokument umfasste das Kapitel Steuern genau 7 Zeilen. Auf diesem Platz macht Airbnb klar, dass jeder selbst dafür verantwortlich ist, sich an die lokalen Regeln und Bestimmungen zu halten. Das Unternehmen habe damit nichts zu tun und biete auch keine Beratungsdienste diesbezüglich an.

Neue Nutzungsbedingungen

Neu erstrecken sich die Ausführungen über eine ganze Seite. Demnach erklären sich die Gäste mit ihrer Buchung unter anderem explizit bereit, Beherbergungssteuern zu bezahlen. Die Gastgeber wiederum werden auf ihre grundsätzliche Pflicht eingeschworen, solche Gebühren zu entrichten. Zudem kündet Airbnb an: «In bestimmten Jurisdiktionen kann Airbnb nach eigenem Ermessen gegebenenfalls entscheiden, die Erhebung und Abführung von Beherbergungssteuern gegenüber Gästen im Namen und an der Stelle von Gastgebern zu erleichtern, wenn das Steuerrecht in dieser Jurisdiktion Airbnb oder Gastgebern eine Pflicht zur Erhebung und Abführung von Beherbergungssteuern auferlegt.» Im Klartext: Airbnb kann theoretisch in jeder Stadt dazu übergehen, Hotelsteuern einzuziehen.

Der Einigung in San Francisco ist ein jahrelanger Streit vorausgegangen – der sich just in diesen Tagen weiter zuzuspitzen scheint. Denn nach den Gesetzen der Stadt dürfen Zimmer, Wohnungen oder Häuser nicht für weniger als 30 Tage vermietet werden – und zwar unabhängig davon, ob der Gastgeber selbst zu Miete lebt oder ob ihm das Haus gehört. Nun berichtet der «San Francisco Chronicle», dass die Behörden dieses Gesetz neuerdings offenbar auch durchsetzen. So drohen die Behörden einem Lehrer namens Jeffrey Katz damit, dass er seine Wohnung innert 72 Stunden räumen müsse, weil er sie für illegale Machenschaften missbraucht habe – nämlich den Betrieb eines Hotels. Offenbar ist Katz kein Einzelfall. Die Beschwerden hätten sprunghaft zugenommen, berichtet die Zeitung.

Bald der grösste Beherbergungskonzern der Welt

Gleichzeitig ist in San Francisco eine Gesetzesänderung in der Mache, die die private Vermietung von Ferienunterkünften legalisieren soll. Gut möglich, dass Airbnb versucht, die lokalen Behörden mit dem Angebot, die Steuern künftig selbst einzutreiben, milde stimmen will. Zumal ein Börsengang des bislang privat gehaltenen Unternehmens nicht ausgeschlossen ist. Laut einem Bericht des «Wall Street Journals» wird sein Wert im Moment auf 10 Milliarden Dollar geschätzt – das ist mehr als bei traditionellen Hotelkonzernen wie etwa Hyatt.

Auch was die Kapazität betrift, steht Airbnb den grossen der Branche in nichts nach. Zumindest dann, wenn man drüber hinweg sieht, dass die Online-Plattform die Zimmer und Apartments nur vermittelt und nicht physisch kontrolliert, wie das bei den Hotelkonzernen der Fall ist. Aktuell bietet Airbnb über seine Website rund 550'000 Übernachtungsmöglichkeiten auf der ganzen Welt an. Bis Ende 2014 soll diese Zahl auf eine Million steigen. Damit würde das Unternehmen sämtliche traditionellen Hotelbetreiber weit hinter sich lassen. Mit dem kleinen Unterschied, dass die Hotelkonzerne ihre Zimmer auch physisch kontrollieren.

Airbnb in Zürich

In der Schweiz bieten mittlerweile 4500 Gastgeber Zimmer oder Wohnungen auf Airbnb an, gut 1000 davon in Zürich. Im Vergleich zum Vorjahr übernachten heute zweieinhalbmal mehr Gäste mit Airbnb in der Schweiz, gleich stark gestiegen ist laut dem Unternehmen die Zahl der Schweizer, die Airbnb im Ausland nutzen. Laut einer Auswertung der Tourismus-Beratungsfirma Kohl & Partner werden allein im Raum Zürich acht Millionen Franken Umsatz mit privaten Unterkünften erzielt – Tendenz steigend.

Darum hat sich auch in der Schweiz die Hotellerie über die neue Konkurrenz beschwert. Der Zürcher Hotelierverein hat von Stadt und Kanton gleich lange Spiesse gefordert – etwa was die Meldevorschriften und die Kurtaxen betrifft. Der Zürcher Stadtrat sieht aktuell allerdings keinen Handlungsbedarf. Airbnb-Gastgeber müssten sich zwar an die Gesetze halten – was für Mieter etwa bedeutet, dass sie die Zustimmung des Eigentümers haben müssen und keine übersetzten Preise verlangen dürfen. Allerdings müssen sie auch in Zukunft keine Mehrwertsteuer abrechnen – die fällt erst ab einem jährlichen Umsatz von 100’000 Franken an. Allerdings müssen Vermieter die Einnahmen als Einkommen angeben.

Ob Airbnb auch der Stadt Zürich Hand bieten würde, sollte sich diese entscheiden, dass private Gastgeber ebenfalls Kurtaxen zahlen müssen, ist nicht klar. Airbnb-Sprecher Julian Trautwein betont, dass es sich in San Francisco und Portland um Pilotprojekte handle. «Ob und wann das überhaupt nach Europa kommt, können wir heute noch nicht sagen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.04.2014, 16:59 Uhr

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