Wer im Libor-Skandal bislang bezahlen musste

Die Deutsche Bank ist nur das jüngste Finanzinstitut, das für die Manipulation von Zinssätzen eine Milliardenbusse erhält. Am meisten bezahlte zuvor die UBS.

Erhielt eine Rekordbusse von 2,5 Milliarden Dollar: Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt (26. Juni 2014).

Erhielt eine Rekordbusse von 2,5 Milliarden Dollar: Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt (26. Juni 2014). Bild: Daniel Roland/AFP

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Die jahrelangen Zinsmanipulationen kosten die Deutsche Bank 2,5 Milliarden Dollar. Der Vergleich mit der britischen und der US-Finanzaufsicht ist die höchste in einer Reihe von Strafen, die seit der Aufdeckung des Libor-Skandals 2012 gegenüber verschiedenen Banken gesprochen wurden. An der Manipulation von Referenzzinssätzen waren Geldhäuser rund um den Globus beteiligt – darunter auch die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

Die EU-Wettbewerbskommission verhängte Ende 2013 gegen sechs Grossbanken Geldbussen von insgesamt 1,7 Milliarden Euro. Das Verfahren richtete sich gegen die Beteiligung der Banken an Absprachen der Referenzzinssätze Euribor und Yen-Libor:

  • Am meisten bezahlte die Deutsche Bank: 725 Millionen Euro.
  • Die französische Société Générale wurde mit einer Busse von rund 446 Millionen Euro belegt.
  • Der Verstoss gegen das Kartellgesetz kostete die Royal Bank of Scotland insgesamt über 390 Millionen.
  • JP Morgan erhielt eine Busse von knapp 80 Millionen, die Citigroup bezahlte 70 Millionen Euro. Die Bank RP Martin wurde mit 247'000 Euro bestraft.
  • Glück hatten die UBS und die britische Barclays: Die Schweizer Grossbank entging einer Busse von 2,5 Milliarden Euro, weil sie die Kartelle aufdeckte und der EU-Wettbewerbskommission meldete. Aus dem gleichen Grund wurde Barclays eine Busse von 690 Millionen Euro erlassen.

Im Oktober letzten Jahres schloss die EU-Kommission eine zweite Untersuchung wegen der Manipulation des Libor in Schweizer Franken ab. Gebüsst wurden drei Banken:

  • Das amerikanische Institut JPMorgan musste eine Strafe von knapp 62 Millionen Euro bezahlen.

  • Die UBS erhielt eine Busse von 12,7 Millionen.
  • Die Beteiligung am Libor-Kartell kostete die Credit Suisse gut 9 Millionen Euro.
  • Die Royal Bank of Scotland deckte das Kartell auf und wurde von einer Strafe befreit. Ansonsten hätte dem Finanzinstitut eine Busse von 115 Millionen Euro gedroht.

Neben der EU-Kommission führten mehrere Regulierungsbehörden Verfahren gegen Banken wegen der Zinssatz-Absprachen:

  • Die UBS zahlte insgesamt 1,4 Milliarden Franken an US-, britische und Schweizer Behörden.
  • Rund 774 Millionen Euro betrug die Strafe für die niederländische Rabobank.

  • Die britische Bank Lloyds einigte sich mit den Aufsichtsbehörden in den USA und in Grossbritannien auf eine Zahlung von umgerechnet 335 Millionen Franken.

An den Referenzzinssätzen hängen weltweit Geschäfte mit einem Volumen von rund 500 Billionen Dollar. Finanzinstitute rund um den Globus haben diese manipuliert, um eigene Verluste zu schönen oder um aus der Differenz zu den echten Zinssätzen Profit zu schlagen. Wie das funktioniert, hat FAZ.net in einer Bildstrecke erklärt: So manipulierten Banken den Libor-Zins.

Erstellt: 23.04.2015, 18:47 Uhr

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