Wie Airbnb Hotels günstiger macht

Nirgends läuft die Diskussion um das Internetportal, das private Ferienunterkünfte vermittelt, heisser als in New York. Ein Studie zeigt nun, dass die Hotels unter Airbnb leiden.

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Seit Anfang September haben New Yorker Hotels ein Problem: Sie verdienen markant weniger Geld. Der Umsatz pro verfügbares Zimmer, eine zentrale Grösse für die Profitabilität eines Hotelbetriebs, ist regelrecht eingebrochen: von 237 Dollar auf rund 222 Dollar pro Nacht. Das entspricht einem Rückgang von 6 Prozent. Das tönt vielleicht nicht nach viel, entspricht aber einer dramatischen Trendumkehr. In den letzten fünf Jahren ist die Kennzahl fast Woche für Woche gewachsen. Und zwar obwohl das Angebot an Hotelzimmern parallel dazu stetig gestiegen ist.

Im Januar ist der Umsatz pro verfügbares Zimmer sogar um 18 Prozent eingebrochen, wie aus Zahlen des Hotelinformationsanbieters STR hervorgeht. Das ist einerseits auf eine schlechtere Belegung der Zimmer zurückzuführen. Noch stärker sind aber die tieferen Preise pro Zimmer ins Gewicht gefallen. Die Kennzahl erfasst beides: Schwankungen bei der Auslastung der Hotels und beim Preis.

Die Credit Suisse hat die Zahlen in einem neuen Bericht analysiert und kommt dabei zum Schluss, dass das Wetter eine grosse Rolle gespielt haben dürfte. New York wird derzeit von einer ungewöhnlichen Kältewelle heimgesucht. Und auch der erstarkte Dollar könnte dem einen oder anderen ausländischen Gast die Reiselust verdorben haben. Ein weiterer Grund, den die CS-Analysten identifizieren, ist aber auch Airbnb. Die Plattform, die Zimmer und Wohnungen unter Privaten vermittelt, ist in den letzten Jahren massiv gewachsen und mittlerweile offenbar so stark, dass sie die Preise der Hotels unter Druck setzt. Betroffen sind demnach insbesondere günstigere Hotels und solche, die sich nicht an Geschäftsreisende richten.

Die CS-Analysten sind nicht die Einzigen, die glauben, dass sich die stark steigende Zahl der privaten Ferienunterkünfte auf die Hotelindustrie auswirkt. Die britische Bank Barclays schreibt in einer eigenen Analyse, dass «sich die Bedrohungslage innert Jahresfrist verdoppeln» wird für die klassische Beherbergungsindustrie. Zumal sich das Wachstum von Airbnb eher noch beschleunigen dürfte.

Forscher der Boston University haben sogar berechnet, wie gross der Effekt von Airbnb auf die Hotels ist. Demnach sinkt der Umsatz pro Hotelzimmer um 0,35 Prozent, wenn die Zahl der Airbnb-Angebote um 10 Prozent steigt. Das gilt zumindest für den amerikanischen Bundesstaat Texas, aus dem die Daten stammen, die die Ökonomen analysiert haben. Dass es ausgerechnet Texas ist, hat mit dem dortigen Recht zu tun. So gilt «jedes Gebäude, in dem Privatpersonen Schlafgelegenheiten für mehr als 15 Dollar pro Tag mieten», als Hotel.

Das führt dazu, dass in den Unterlagen der texanischen Steuerbehörde auch Airbnb-Anbieter aufgeführt werden. Darin erkennt man ab 2009 einen steilen Anstieg der Hotelbetriebe mit weniger als 5 Zimmern. Die Autoren gehen davon aus, dass es sich dabei um Airbnb-Gastgeber handelt.

Einen anderen Weg, um an Daten zu Airbnb zu gelangen, hat der New Yorker Aktivist Murray Cox gewählt – und kommt dabei zu nicht minder brisanten Ergebnissen. Er hat Anfang Januar aus der Datenbank des Airbnb-Portals sämtliche in New York angebotenen Zimmer und Wohnungen gesammelt und die Daten ausgewertet. Und kommt dabei zum Schluss: Fast 60 Prozent der Angebote auf Airbnb sind für ganze Wohnungen oder Häuser (rote Punkte). Das ist in New York problematisch, weil es illegal ist, eine ganze Wohnung für weniger als 30 Tage zu vermieten, solange der Hauptmieter nicht anwesend ist.

Airbnb hat sich deswegen in New York bereits mehrere Scharmützel mit dem Generalstaatsanwalt geliefert. Dieser hat im letzten Oktober einen Bericht veröffentlicht, wonach über 70 Prozent der Angebote auf der Airbnb-Plattform gegen eines oder mehrere Gesetze verstossen. Ende Januar trafen Gegner und Befürworter des Vermittlungsdienstes bei von der Stadt angeordneten Hearings aufeinander.

Im Kern geht es bei der Auseinandersetzung um die Frage, ob Airbnb normalen New Yorkern dabei hilft, ihre Mieten zu bezahlen. Oder ob die Plattform nicht viel eher eine Entwicklung angestossen hat, die dem ohnehin engen Markt Wohnraum entzieht und dadurch die Mieten in die Höhe treibt. Einen Hinweis darauf liefert die Auswertung von Aktivist Cox. Er kommt zum Schluss, dass etwa dreissig Prozent der Inserate von Gastgebern stammen, die mehr als eine Wohnung vermieten – was auf eine Professionalisierung hindeutet.

Erstellt: 01.03.2015, 18:41 Uhr

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