Wie Schweizer Fakultäten im Vergleich abschneiden

Im neusten Rating des deutschen «Handelsblatts» ist die Universität Zürich etwas zurückgefallen. Die Erhebung zeigt vor allem, welch grosse Rolle einzelne Stars für das Renommee einer Universität spielen.

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Das deutsche «Handelsblatt» hat heute sein Ökonomenranking veröffentlicht. Das letzte stammt aus dem Jahr 2011. Erfasst werden die besten Institute im deutschen Sprachraum. Die Universität Zürich, noch 2010 auf dem ersten Rang und 2011 auf dem zweiten, befindet sich als beste Schweizer Wirtschaftsfakultät auf Rang vier. Noch besser als Zürich kommen – in der Reihenfolge ihres Rankings – die deutschen Universitäten Mannheim, Bonn und München weg.

Unter den ersten 20 deutschsprachigen Wirtschaftsfakultäten finden sich 6 aus der Schweiz. Die Uni Zürich liegt auf Platz 4, die ETH Zürich auf Rang 5 (die gesamte Tabelle findet sich in der Box links).

Die Starökonomen bestimmen das Bild

Dieses Gesamtrating basiert auf den Publikationen der an den Fakultäten lehrenden Ökonomen in renommierten Fachzeitschriften (siehe Box). Institute, an denen mehr erfolgreich publizierende Professoren arbeiten, erreichen daher auch ein höheres Ranking.

Berücksichtigt man dagegen den durchschnittlichen Publikationserfolg der Professoren einer Fakultät, schliesst die Universität Zürich besser ab als die in der Gesamtbewertung besser Platzierten. Übertroffen wird sie dabei nur noch von der ETH.

Das zeigt, welche grosse Rolle einzelne Stars für das Renommee einer Universität spielen. In Zürich dominiert weiterhin Ernst Fehr, der Leiter der Fakultät. Der Österreicher Fehr zählt weltweit zu den führenden Vertretern der Verhaltensökonomie, die mittlerweile nicht mehr nur die Psychologie, sondern auch die Hirnforschung miteinbezieht. Fehrs Leistung ist allein für 16 Prozent des Zürcher Gesamtrankings verantwortlich. Der Ökonom wird auch immer wieder als Anwärter für einen Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften gehandelt.

Indirekt ist Fehrs Forschung auch für gute Platzierungen der Volkswirtschaftsabteilungen anderer Universitäten verantwortlich, weil seine einstigen Mitarbeiter aus Zürich dort zu den meisten Punkten für das Ranking verhelfen. Das gilt etwa für Armin Falk bei der zweitplatzierten Universität Bonn oder für Jean-Robert Tyran, der heute an der Universität Wien tätig ist.

Die grosse Bedeutung der Stars zeigt sich aber auch bei anderen Platzierungen. Die fünftplatzierte ETH Zürich verdankt 20 Prozent der Punkte allein Peter Egger. Egger – wie Fehr ein Österreicher – hat sich auf Ökonometrie und internationale Mikroökonomie spezialisiert.

Beim Lebenswerk bleibt ein Schweizer Nummer 1

Ein Schweizer Ökonom – Bruno S. Frey – hat wie schon in früheren Erhebungen unangefochten den ersten Rang in Bezug auf den Erfolg der gesamten Forscherkarriere inne. Frey hat über Jahrzehnte in Zürich geforscht und gelehrt. In früheren Jahren galt er als Pionier der sogenannten Public-Choice-Theorie, die politische Prozesse mit den Werkzeugen der Ökonomen untersucht, später hat er sich einen Namen in Randgebieten der Ökonomie gemacht, wie vor allem in der Glücksforschung.

Wie schliessen Schweizer Wirtschaftsfakultäten aber im internationalen Vergleich ab? Beachtung findet vor allem das Ranking von Ideas, einem Forschungsprojekt, das dem Fed von St. Louis angeschlossen ist. Das Ranking bezieht sich ebenfalls teilweise auf den Publikationserfolg und Erwähnungen von Ökonomen in führenden Fachzeitschriften. In diesem Ranking dominiert die US-Eliteuniversität Harvard. Die Universität Zürich folgt auf Rang 64 und ist damit führend unter den deutschsprachigen Wirtschaftsfakultäten. Sie, die Wirtschaftsfakultät der Universität Lausanne (Rang 158), jene der ETH Zürich (Rang 159) und der Universität Bern (Rang 299) schaffen es sogar unter die «Top 5 Prozent» der Fakultäten. In diesem Ranking werden aber auch weitere, nichtuniversitäre Forschungsstätten bewertet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2013, 19:44 Uhr

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Die «Handelsblatt»-Rangliste

1. Universität Mannheim
2. Universität Bonn
3. LMU München
4. Universität Zürich
5. ETH Zürich
6. Universität Köln
7. Universität Frankfurt/Main
8. Universität Lausanne
9. Universität Wien
10. HU Berlin
11. Universität St. Gallen
12. Universität Kiel
13. Universität Göttingen
14. Universität Heidelberg
15. Universität Hamburg
16. WU Wien
17. Universität Bern
18. Universität Innsbruck
19. Universität Basel
20. Universität Erlangen-Nürnberg

So wurde bewertet

Insgesamt wurden für das Ranking 25'000 Artikel berücksichtigt. Schafft es ein Forscher mit einem Artikel in eine der zehn Top-Zeitschriften, erhält er einen Punkt, ansonsten 0,6 Punkte. Gemeinsame Arbeiten werden aufgeteilt. Der Rang einer Institution ergibt sich aus den Punkten, die alle ihre Vertreter erzielt haben. Das Ranking wurde von Forschern der ETH Zürich im Auftrag des deutschen «Handelsblatts» erstellt.

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