Wie es mit der Marke Mövenpick nun weitergeht

Die französische Accor-Gruppe kauft die Mövenpick-Hotels. Sie hat damit auch die Rechte am bekannten Name erworben.

Das Mövenpick-Hotel in Ägypten: Insgesamt gehören 84 Hotels zur Gruppe. Das erste wurde in den 60er-Jahren in Adliswil ZH eröffnet.

Das Mövenpick-Hotel in Ägypten: Insgesamt gehören 84 Hotels zur Gruppe. Das erste wurde in den 60er-Jahren in Adliswil ZH eröffnet. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Es ist ein Name, der Schweizer Wirtschaftsgeschichte schrieb. Der Hotelierssohn Ueli Prager eröffnete im Juli 1948 im Claridenhof in Zürich-Enge das erste Mövenpick-Restaurant. Es war der Anfang einer rasanten Erfolgsgeschichte. Mit der Silberkugel kam 1962 eines der ersten Schweizer Fast-Food-Restaurants hinzu. Vier Jahre später wurde in Adliswil ZH das erste Mövenpick-Hotel eröffnet, und zwei Jahre später stieg Prager ins Autobahnraststättengeschäft ein.

Eine der bekanntesten dieser Verpflegungsmöglichkeiten ist der «Fressbalken» über der A 1 in Würenlos AG. Prager prägte die Firma über Jahrzehnte, bis er sich zum Jahresende 1991 aus dem Unternehmen zurückzog. Damals verkaufte er seine Aktienmehrheit an den Münchner Unternehmer August von Finck.

Der vermögenden Industriellenfamilie von Finck gehört Mövenpick noch heute. Viel mehr ist über die Mövenpick Holding mit Sitz in Baar ZG aber nicht bekannt. Sie veröffentlicht keine Geschäftszahlen. Immerhin legt sie offen, dass sie 20’000 Beschäftigte haben soll. Bislang verfügte sie über vier eigenständige Geschäftsbereiche: die Hotelkette, die internationalen Marché-Restaurants, einen Wein- und Delikatessenhandel. Jede davon läuft weitgehend eigenständig.

560 Millionen für 84 Hotels

Nun verkauft die Firmengruppe das Hotelleriegeschäft an die französische Hotelgruppe Accor. Der Konzern ist mit rund 4300 Hotels einer der grossen der Reisebranche. Es habe kein Bieterverfahren gegeben, so ein Sprecher. Die Accor-Gruppe sei auf Mövenpick zugekommen, und man habe sich nun geeinigt. Der Kaufpreis beträgt 560 Millionen Franken. Es geht dabei um aktuell 84 Hotels auf der ganzen Welt. Bis 2021 sollen 42 weitere Hotels hinzukommen. Die Mövenpick-Hotels zählen rund 16’000 Beschäftigte.

Der Kaufpreis geht aber nicht nur an die Familie von Finck. Die Hotelkette gehört der Mövenpick-Holding zu zwei Dritteln. Ein Drittel hält die Investmentgesellschaft Kingdom aus Saudiarabien. Sie steht unter anderem hinter dem Bau des Jeddah Tower. Der Wolkenkratzer soll mit einer Höhe von 1000 Metern bei seiner Fertigstellung in zwei Jahren das höchste Gebäude der Welt sein. Mit den anderen Geschäftsbereichen werde die Mövenpick Holding ihren starken Wachstumskurs fortsetzen, heisst es in der Medienmitteilung.

Anständige und unanständige Witze

Der Name Mövenpick wird damit aber nicht aus der Hotellerie verschwinden. Die künftigen Besitzer aus Frankreich haben sich das Recht gesichert, ihn weiter verwenden zu dürfen. Ein besonderes Abkommen regle, wie die neuen Eigner mit dem Markennamen umgehen dürften, so der Sprecher. Die Situation ist mit dem Verkauf des Glace-Geschäfts vor rund fünfzehn Jahren vergleichbar. Damals übernahm der Nahrungsmittelriese Nestlé die Sparte von Mövenpick und verkauft seither die Glacen unter dem bekannten Markennamen.

Ein Einfall, über den sich Freunde von Mövenpick-Gründer Prager einst lustig gemacht hätten. Er und sein Architekt hatten die Idee dazu einst, als sie gemeinsam beobachteten, wie Passanten den Möwen von der Brücke aus Brot zuwarfen. «Die waren damals so hungrig, dass sie das Brot zur Hand herausrissen», so Prager.

Mit dem Wort Mövenpick hätten seine Freunde aber anständige und weniger anständige Verse gereimt. «Meine Mama meinte, ich könne ihr ein Restaurant mit diesem dummen Namen nicht antun», sagte Prager einst. Doch je mehr über die Marke gesprochen worden sei, desto sicherer war er, dass es die richtige Wahl war. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.04.2018, 12:49 Uhr

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