Wie man eine Entlassung nicht ankündigen sollte

Der Microsoft-Vizechef kündigt 12'500 Mitarbeitern – beiläufig in einem E-Mail. Ein Experte erklärt, ob das auch in der Schweiz möglich ist.

Hat sich in der Wortwahl vergriffen: Microsoft-Kader Stephen Elop.

Hat sich in der Wortwahl vergriffen: Microsoft-Kader Stephen Elop. Bild: Robert Galbraith/Reuters

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«Hallo. Die Strategie von Microsoft ist auf Produktivität fokussiert und unseren Wunsch, die Leute zu höherer Leistung anzutreiben.» Ein E-Mail von Stephen Elop, dem Vizechef von Microsoft, an seine Mitarbeiter beginnt unverbindlich. Nach zehn Abschnitten mit gewundenen Sätzen kommt er – äusserst umständlich – zur Sache. Es «sei geplant», dass die «Umsetzung der Strategie» in der Entlassung von 12'500 Mitarbeitern «resultieren würde». Dies allein in der Mobilfunksparte, die Microsoft von Nokia übernommen hatte.

Die britische «Financial Times» kritisierte das E-Mail von Elop scharf. Schon die Anrede «Hello There» (in etwa: «Hallöchen») sei für eine Entlassungswelle deplatziert. Es gehe nicht an, die Entlassungswelle erst am Schluss der Nachricht zu verstecken. Auch komme das Wort «Strategie» in Elops Mail gleich siebenmal vor. «Je öfter eine Führungsperson das Wort Strategie verwendet, desto grösser ist die Gefahr, dass er keine hat», schreibt die «Financial Times». Das Wirtschaftsblatt kommt zum Schluss: «Das E-Mail ist ein abschreckendes Lehrbeispiel, wie man als Führungsperson nicht denken, führen und schreiben sollte.»

Geschwurbel statt klare Botschaften

Auch Norbert Thom, emeritierter Professor für Organisation und Personal an der Universität Bern, geht mit Elop hart ins Gericht: «Die E-Mail ist katastrophal geschrieben», sagt er. Gefragt gewesen wären einfache, für die Mitarbeiter verständliche Sätze mit klaren Botschaften.

Mitarbeiter, die vor der Entlassung stehen, wollen wissen, ob das Unternehmen einen Sozialplan, Umschulung und Stellenvermittlungen anbietet, so Thom. «Strategische Überlegungen interessieren sie herzlich wenig», sagt er. Thom kommt zum Schluss: «Eine Führungsperson kann ein solches Mail allenfalls an das mittlere Management versenden, niemals an die betroffenen Mitarbeiter.»

In der Schweiz undenkbar

Wäre es denkbar, dass ein Manager eines Schweizer Unternehmens sich in dieser Art an die Mitarbeiter wendet? Thom hält das für «undenkbar». Die Mitarbeiterrechte in der Schweiz seien vergleichsweise stark ausgebaut. Wenn ein Unternehmen mit mehr als 300 Mitarbeitern 30 Mitarbeiter entlässt, würde das als Massenentlassung zählen. Das Management müsse die Arbeitnehmer konsultieren und die regionale Arbeitsvermittlung schriftlich orientieren. «Ein Amerikaner würde darüber lachen», so Thom.

Bei schweizerischen Unternehmen mit hauptsächlich ausländischem Aktionariat wäre eine derartige Vorgehensweise eher möglich, so Thom. Sollten Schweizer Standorte betroffen sein, müsste sich das Unternehmen aber auch an die schweizerischen Verhältnisse anpassen. Thom: «Bei einer grossen Entlassung in der Schweiz müsste das Management etwa vorgängig das Gespräch mit der Politik, der Personalkommission und allenfalls den Sozialpartnern suchen.»

Erstellt: 28.07.2014, 14:47 Uhr

«Ein katastrophales E-Mail»: Norbert Thom, emeritierter Professor für Organisation und Personal. (Bild: Universität Bern)

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