Wie soll der Rekordgewinn der SBB verteilt werden?

Die Gewerkschaft fordert eine Gewinnbeteiligung, Konsumentenschützer nachvollziehbare Preise.

Aus Sicht des Konsumentenschutzes prasselt «ein Feuerwerk an unterschiedlichen Ermässigungen» auf Zugpassagiere nieder. Foto: Reto Oeschger

Aus Sicht des Konsumentenschutzes prasselt «ein Feuerwerk an unterschiedlichen Ermässigungen» auf Zugpassagiere nieder. Foto: Reto Oeschger

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Den Bundesbahnen geht es gut. So hoch wie im Jahr 2018 war das Ergebnis der SBB noch nie: Am Ende schaute ein Plus von über einer halben Milliarde Franken heraus. Viel Geld für eine Firma, die «nicht in erster Linie gewinnorientiert» sei, wie Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar an der gestrigen Bilanzkonferenz ausführte. SBB-Chef Andreas Meyer erklärte das Gewinnplus vor allem mit den Erfolgen des Sparprogramms.

Nun entbrennt ein Streit darum, wie der Gewinn verteilt werden soll. Angesichts des dicken Plus stellen Arbeitnehmervertreter Forderungen. Die SBB wollen dagegen den Kunden Gutes tun und das Angebot an Sparbilletten ausbauen. Doch das passt den Konsumentenschützern nicht, die den Tarifwildwuchs beklagen.

«Quer in der Landschaft»

Die Gewerkschaft SEV fordert ein Stück vom Gewinn für die Beschäftigten ein. Wie und vor ­allem wie hoch die Gewinnbeteiligung ausfallen soll, sei Verhandlungssache. Klar ist für SEV-Vizepräsident Manuel Avallone aber: «Ein Dankeschön von ­Andreas Meyer reicht nicht.»

Das Personal habe nicht nur die Effizienzprogramme mitgetragen. «Die Mitarbeiter müssen gegen aussen auch den Kopf hinhalten, wenn Fehler auf anderer Stufe passieren», sagt Avallone. So etwa, wenn Kunden erzürnt sind über den neuen Doppelstockzug FV Dosto und ihren ­Ärger etwa beim Bahnpersonal abladen.

Für Monika Ribar kommt eine finanzielle Gewinnbeteiligung für das Personal nicht infrage. «Wir haben im vergangenen Jahr schon sehr viel gemacht, haben viel in das Personal investiert», sagt die SBB-Präsidentin. Etwa beim neuen GAV. «Ich glaube, es stünde quer in der Landschaft, wenn man die Angestellten nun beteiligen würde», so Ribar. Vielmehr soll das Thema bei der nächsten GAV-Verhandlung wieder aufgenommen werden.

Anders als das Personal kommen die SBB-Kunden im nächsten Jahr in den Genuss einer Belohnung. So werden im nächsten Jahr noch einmal mehr Sparbillette ausgegeben.

Laut SBB-Chef Andreas Meyer sind diese ein Erfolg. Denn dank der Sparbillette würden Passagiere ihre Reisen mehr in Randzeiten verlagern.

Sparbillette für 80 Millionen

Im vergangenen Jahr kauften Reisende Sparbillette im Umfang von 80 Millionen Franken. Dies soll für das nächste Jahr noch steigen. Denn die SBB wollen für über 100 Millionen Franken Sparbillette verkaufen. Die Passagiere müssen für die günstigeren Tickets allerdings flexibel sein bei der Reisezeit: Sparen kann man nur in Randzeiten.

Auf Druck des Preisüber­wachers kommen alle Halbtax-Kunden in den Genuss einer Gutschrift von 15 Franken. Zusätzlich erhalten sie ein Gutscheinheft im Wert von weiteren 20 Franken. Die Gutscheine müssen allerdings bis zum 31. Januar 2020 eingelöst werden. Dagegen gehen die Besitzer von Generalabonnementen leer aus. Andreas Meyer erklärt: Zuerst müsse man das individuelle Fahrverhalten der GA-Besitzer besser kennen, bevor allenfalls Rabatte ausgegeben werden könnten.

Für den Konsumentenschutz sind die Sparbillette und Gutschriften vor allem eines: ein Chaos. «Statt klare, verständliche und einheitliche Preise zu schaffen, prasselt ein Feuerwerk an unterschiedlichen Ermässigungen und Gutscheinen auf die Kundschaft nieder», schreibt der Konsumentenschutz in einer Stellungnahme.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 19.03.2019, 20:41 Uhr

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SBB-Chef Andreas Meyer widerspricht nun Bombardier. Zwar seien die FV Dosto besser geworden, sagte Meyer anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen. Aber: «Die Züge sind noch immer viermal weniger zuverlässig als unsere unzuverlässigsten Fahrzeuge.»
Dabei handelt es sich um die meist roten Loks namens RE 460, die zum Beispiel Doppelstock-Kompositionen bewegen. Diese werden zurzeit modernisiert, weil die SBB unter anderem mit der Zuverlässigkeit nicht zufrieden sind, erklärte Meyer. (phf)

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