Vom Investoren-Liebling zum Badboy

Sie lancieren ein erfolgreiches Unternehmen und werden dann vor die Tür gesetzt. Nun hat es Uber-Gründer Travis Kalanick erwischt. Wem das auch passierte – und warum.

Die Investoren waren mit dem Kurs nicht mehr einverstanden: Uber-Gründer und Firmenchef Travis Kalanick muss die Firma verlassen.

Die Investoren waren mit dem Kurs nicht mehr einverstanden: Uber-Gründer und Firmenchef Travis Kalanick muss die Firma verlassen. Bild: Will Oliver/Keystone

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Plötzlich ist der Gründer in seinem eigenen Unternehmen nicht mehr erwünscht. Er hat zwar die Firma mit aufgebaut, aber die Investoren glauben, dass sie künftig besser ohne ihn funktioniert. Dieses Schicksal hat nun Uber-Chef Travis Kalanick ereilt. Wichtige Geldgeber des Fahrdiensts wollen einen neuen Chef an der Uber-Spitze. Kalanick war schon länger angezählt. Sein Führungsstil war umstritten, die Unternehmenskultur bei Uber galt als rau. Nun ist die Zeit von Mitgründer Kalanick in seiner eigenen Firma ganz abgelaufen.
Schon andere Jungunternehmer sind mit ihrem Verhalten so lange angeeckt, bis sie für ihre Investoren nicht mehr tragbar waren. Dov Charney, der Gründer des einstigen In-Labels American Apparel, musste unter dem Druck der Geldgeber seine eigene Firma verlassen. Mehrere Mitarbeiterinnen warfen ihm sexuelle Belästigung vor. Seine Nachfolger führten das Unternehmen jedoch eher schlecht als recht. Charney schaffte daher ein Comeback an der Unternehmensspitze. Dieses währte aber nur kurz. Unterdessen ist American Apparel in den Händen eines kanadischen Textilkonzerns.

Wurde Apple-Gründer Steve Jobs entlassen?

Die Geschichte an gefeierten Firmengründern, die dann plötzlich entsorgt wurden, ist lang. Nicht bei allen gaben umstrittene Charaktereigenschaften der Chefs den Ausschlag für den Wechsel. Andrew Mason führte vor einigen Jahren das Rabatt-Portal Groupon zum Erfolg. Das Unternehmen ging 2011 an die Börse und war damals rund 13 Milliarden Dollar wert. Doch der Aufstieg von Groupon geriet bald ins Stocken. Das kostete Firmengründer Mason 2013 seinen Job. Die Investoren glaubten nicht, dass er noch der Richtige ist, um das Unternehmen weiterzubringen. Der Wechsel brachte aber wenig. Groupon wird aktuell mit nur noch rund 1,7 Milliarden Dollar bewertet.

Travis Kalanick streitet mit Uber-Fahrer Video: Bloomberg/Youtube

Einen unschönen Abgang erlebte auch einer der erfolgreichsten Unternehmer überhaupt. Apple-Mitgründer Steve Jobs verliess die Firma 1985 – ob er gehen musste oder nicht, ist umstritten. Der 2011 verstorbene Jobs hatte einst der BBC gesagt, er sei vom damaligen Firmenchef John Sculley entlassen worden: «Ich habe den Falschen angestellt.» Doch die Geschichte könnte sich auch etwas anders zugetragen haben. Steve Wozniak, ebenfalls Mitgründer von Apple, schrieb später in einem Facebook-Post, dass Jobs die Firma freiwillig verlassen habe. Dies, weil er mit der Strategie von Sculley nicht einverstanden war. Gegenüber dem US-Magazin «Inc.» hat Sculley diese Version der Geschichte später bestätigt.

Wenn die Investoren kommen, gehen die Gründer

Es ist offenbar ein seltenes Schicksal: zuerst eine Firma gründen und dann jahrelang als Firmenchef erfolgreich zu führen. Die «Harvard Business Review» hat vor einigen Jahren das Schicksal von mehr als 200 erfolgreichen Start-ups analysiert. Sie wurden zwischen 1990 und und 2007 gegründet. Nach drei Jahren war bei der Hälfte der Unternehmen der Firmengründer nicht mehr der Chef. Nur bei 25 Prozent der Start-ups standen die Unternehmer noch an der Spitze, als es an die Börse ging. Freiwillig war der Abgang laut der Untersuchung oftmals nicht.

Rund 80 Prozent der Jungunternehmer wurden laut der Studie gezwungen, vom Chefposten abzutreten. Wächst das Unternehmen schnell und ist damit auch auf Kapital von Investoren angewiesen, kommt der Abgang des Gründers schneller, heisst es im Artikel. Denn die Geldgeber wollten einen Chef, der das Unternehmen in ihrem Sinn entwickelt. Der Gründer ist dann oftmals nur noch Ballast. Diese wollten die Firma aber oft nicht verlassen, weil sie das Herz und die Seele des Unternehmens seien. Daher stemmen sie sich oft gegen ihren Abgang.

Die Art und Weise, wie die Chefs die Firma verlassen, habe einen grossen Einfluss darauf, wie sich die Firma weiterentwickelt. Ein Abgang im Streit könne dafür sorgen, dass sich das Unternehmen in zwei Lager teilt: Eines, das den Gründer weiter an Bord haben will, und eines, das froh über den Wechsel ist. Sollten die Gerüchte stimmen und Uber-Chef Kalanik tatsächlich auch wegen der schlechten Stimmung in der Firma gegangen sein, dürfte das zweite Lager grösser sein.

Erstellt: 21.06.2017, 12:53 Uhr

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