Nobelpreis

Forschung der Wirtschaftsnobelpreisträger hilft Millionen Menschen Von Philipp Heinz, DAPD Hintergrund

Frankfurt Die Wirtschaftsnobelpreisträger Alvin Roth und Lloyd Shapley sind abseits der Fachwelt kaum bekannt.

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Von ihrer Forschung profitieren jedoch bereits Millionen von Menschen.

Während sich die klassischen Ökonomen den Kopf darüber zerbrechen, wie Märkte idealerweise funktionieren, gehen die Spieltheoretiker Shapley und Roth in die Details der Marktgestaltung. Dabei kann es um den Markt für Absolventen gehen, aber auch um die Verteilung von Spenderorganen. Ziel ist ein gerechtes und stabiles System.

Martin Kolmar, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen (HSG), vergleicht die Arbeit der beiden Nobelpreisgewinner mit der von Ingenieuren. Ein Ingenieur wende zwar die Erkenntnisse der Physik an, müsse aber mehr leisten als eine Berechnung der physikalischen Gegebenheiten.

«Es ist mehr als das, weil man sich an manchen Stellen die Hände schmutzig macht und nicht einen idealen Markt baut, sondern einen, der möglichst gut funktioniert», erklärt Kolmar.

Der Wirtschaftsprofessor Axel Ockenfels von der Universität Bonn erklärt, dass Ökonomen das nicht wirklich gerne machen. «Die sitzen lieber im Elfenbeinturm», sagt er. Viele Vertreter der Zunft würden sich nicht so bereitwillig mit den Details und der Anwendbarkeit auseinandersetzen.

Theoretische Grundlagen und praktische Problemlösung

Ein ganz konkretes Problem, dem sich Roth auf Grundlage von Shapleys theoretischer Vorarbeit annahm, gab es zum Beispiel in den 90er-Jahren auf dem Arbeitsmarkt für junge Ärzte in den USA. Die Absolventen der Unis, damals wie heute, wollten möglichst gute Arbeitgeber, berücksichtigen bei der Jobsuche aber auch persönliche Vorlieben, vor allem den Arbeitsort.

Die Arbeitgeber wiederum, zum Beispiel Spitäler, sind an möglichst gut ausgebildeten Mitarbeitern interessiert. Das Problem war nun, dass die Arbeitgeber die Studenten immer früher anwarben, bis der Wettbewerb um die besten Studenten schon zu Beginn der Ausbildung begann und manche schon im zweiten Jahr an der Uni angeworben wurden.

Nun bedeutete das aber, dass der Markt nicht mehr richtig funktionierte, denn im zweiten Studienjahr steht in der Regel noch nicht fest, wie gut ein angehender Arzt einmal sein wird. Noch schwieriger wird es, wenn der Student von heute gerne in New York arbeiten will, nach seinem Studium aber einen Partner in Los Angeles hat.

Handlungsmöglichkeiten verstehen

In Shapleys Arbeiten geht es darum, wie ein stabiler Markt aussehen kann, damit die Teilnehmer nicht aus dem System aussteigen und Bedingungen separat nachverhandeln. Shapleys Antwort: Das Matching, also die Übereinstimmung der Interessen, muss möglichst gross sein.

Ein Algorithmus hilft dabei, möglichst gute Kombinationen zu finden. «Wenn das Marktdesign funktioniert, dann gibt es kein Paar mehr, das sich durch eine Abweichung davon verbessert», sagt dazu HSG-Professor Kolmar.

Das Verteilungssystem für Medizinabsolventen wurde mit Hilfe der Ideen der Marktgestaltung verändert - mit Erfolg, wie die Experten einhellig sagen. Es gibt nun eine zentrale Stelle, an der die Beteiligten ihre Interessen abgeben und dann einander zugeordnet werden.

«Es geht darum zu verstehen, wie reale Menschen auf Handlungsmöglichkeiten reagieren», erklärt Ökonom Ockenfels, der voll des Lobes für die Arbeit von Shapley und Roth ist. «Damit haben sie viele Märkte optimiert und so die Leben von Millionen von Menschen verbessert.»

Erstellt: 15.10.2012, 17:22 Uhr

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