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Ambulante Behandlungen treiben Prämien in die Höhe

Um 5,4 Prozent sollen die Krankenkassenprämien im nächsten Jahr ansteigen, prognostiziert die KOF.

Die Gesundheitskosten erhöhen sich: Die Patientenaufnahme im Inselspital. (26. Oktober 2004)
Die Gesundheitskosten erhöhen sich: Die Patientenaufnahme im Inselspital. (26. Oktober 2004)
Gaetan Bally, Keystone

Die Gesundheitskosten in der Schweiz steigen weiter an. Noch stärker erhöhen sich die Krankenkassenprämien. Dies prognostiziert die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. Kostentreiber sind vor allem die ambulanten Leistungen der Spitäler und Arztpraxen.

In ihren am Donnerstag präsentierten Herbstprognosen sagt die KOF einen anhaltenden Anstieg der Gesundheitskosten voraus. Im laufenden Jahr ist ein etwas weniger starkes Wachstum der Ausgaben um 2,8 Prozent zu beobachten. Für das kommende Jahr prognostiziert die KOF wieder eine Erhöhung um 3,5 Prozent und für 2017 um 3,9 Prozent.

Grössere Kluft

«Wegen des getrübten gesamtwirtschaftlichen Umfelds und des entsprechend mässigen Lohnwachstums hat sich die Zunahme der Gesundheitskosten dieses Jahr verlangsamt», sagte der Verfasser der Studie, Marko Köthenbürger, vor den Medien. Da sich die konjunkturelle Lage aber wieder erholen dürfte, würden auch die Ausgaben wieder stärker zunehmen.

Dem laut KOF moderaten Anstieg der Gesundheitskosten stehen aber Erhöhungen der Krankenkassenprämien um durchschnittlich 5,4 Prozent im 2016 bevor. Diese Kluft erklärt der Vergleichsdienst Comparis damit, dass die mit den Grundversicherungsprämien finanzierten medizinischen Leistungen stärker ansteigen als die Gesamtkosten.

Immer mehr ambulante Behandlungen in Spitälern

«Die grossen Kostenblöcke sind die stationären und ambulanten Behandlungen in Spitälern und Arztpraxen», sagte Köthenbürger. Besonders drastisch stiegen in den kommenden Jahren die Kosten für ambulante Behandlungen in Spitälern. Dies sei vor allem auf den medizinischen Fortschritt zurückzuführen, sagte der Studienleiter.

Ausserdem seien ambulante Behandlungen in der Regel günstiger und bei Patienten beliebter als Spitalaufenthalte, sagte Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte bei Comparis. Der Vergleichsdienst unterstützt die KOF-Herbstprognosen jeweils finanziell.

Kein Anreiz für Spitäler und Versicherer

Die Verlagerung von stationären zu ambulanten Leistungen sei zwar volkswirtschaftlich positiv, doch könne sie das Kostenwachstum im stationären Bereich nicht signifikant bremsen, sagte Schneuwly. Gleichzeitig kritisierte er den bestehenden Fehlanreiz für Spitäler und Versicherer: «Während bei ambulanten Behandlungen die Versicherung die Kosten alleine tragen muss, zahlt der Kanton 55 Prozent jeder stationären Behandlung.» Dadurch stiegen die Prämien stärker als die gesamten Gesundheitsausgaben.

Der Krankenkassenexperte plädierte dafür, ambulante und stationäre Leistungen zu gleichen Teilen mit Steuern und Krankenkassenprämien zu finanzieren. Krankenversicherer, Spitäler und Ärzte hätten es zudem in der Hand, Vergütungssysteme zu vereinbaren, die Effizienz und Qualität statt Mengenwachstum belohnen würden, sagte er.

Wichtiger Wirtschaftszweig

Der Gesundheitssektor werde zu einem immer wichtigeren Wirtschaftszweig, sagte Studienleiter Köthenbürger. 2014 arbeiteten fast 240'000 Personen im Gesundheitswesen, das sind fast 7 Prozent aller Beschäftigten im Land. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandprodukt liegt bei fast 11 Prozent und steigt bis 2017 auf 12,1 Prozent.

Die aktuelle KOF-Studie umfasst den Zeitraum von 2014 bis 2017. Sie basiert auf Prognosen sowie definitiven Daten des Bundesamts für Statistik zu den Gesundheitsausgaben aus dem Jahr 2013, die immer erst zeitverzögert verfügbar sind.

SDA/dia

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