Importierte Produkte

Auch Schweizer Bio kommt oft aus dem Ausland

Biolebensmittel boomen – doch je mehr konsumiert wird, desto mehr wird auch importiert.

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Der Absatz von biologisch angebauten Produkten wächst in der Schweiz seit Jahren rasant. 2014 nahm der Umsatz laut Bio Suisse, dem grössten Schweizer Zertifizierer von Bioprodukten, um 7,5 Prozent zu, der Marktanteil stieg von 6,9 auf 7,1 Prozent. Zum Vergleich: Der gesamte Umsatz im Lebensmittel-Detailhandel wuchs im selben Zeitraum um lediglich 1 Prozent.

Auch in der Schweiz können die einheimischen Bauern nicht die gesamte Bionachfrage befriedigen. Je nach Produktgruppe variiert der Importanteil allerdings stark, wie eine Liste von Bio Suisse zeigt. Der Zertifizierer arbeitet mit dem Knospen-Gütesiegel, das er an Produzenten verleiht, welche die Bio-Suisse-Richtlinien einhalten. Laut Sprecher Lukas Inderfurth stammen 100 Prozent des zertifizierten Fleisches, 97 Prozent der Milchprodukte und 80 Prozent des Gemüses aus der Schweiz – Biogetreide und -früchte kommen jedoch zu zwei Dritteln aus dem Ausland.

Ähnlich sieht es bei Coop und Migros aus. Bei Coop tragen die meisten, aber nicht alle vertriebenen Bioprodukte das Knospen-Gütesiegel. Biomilchprodukte, -fleisch und -konsumeier stammen laut Coop-Sprecherin Denise Stadler fast zu 100 Prozent aus der Schweiz, während der Saison auch Biofrüchte und -gemüse. Engpässe gebe es vor allem beim Getreide, wo der Inlandanteil weniger als 50??Prozent betrage, bei Ölsaaten, Rübenzucker sowie bei Früchten und Gemüsen ausserhalb der Saison – abgesehen davon, dass viele Bioprodukte wie Kaffee, Bananen oder Olivenöl gar nicht in der Schweiz angebaut werden können. Die Importe müssen aus Europa oder dem Mittelmeerraum stammen. Erst, wenn ein Produkt auch dort nicht verfügbar ist, sind Importe aus Übersee erlaubt.

«Verwässertes Konzept»

Mit dem Absatz der Bioprodukte nehmen auch die Bioimporte zu – was Schweizer Landwirte kritisieren. Das Konzept des biologischen Anbaus werde durch das grosse Wachstum verwässert, kritisierte der Bündner Biobauer Markus Lanfranchi in der «NZZ am Sonntag». Auch Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands und selbst Biobauer, äusserte sich kritisch: Die Auszeichnung von ausländischen Produkten mit der Bio-Knospe sei nur vertretbar, wenn die Produkte die Schweizer Normen vollumfänglich erfüllten – was weitgehend nicht der Fall sei. Auf Anfrage ist Ritter zurückhaltender: «Es gibt viele importierte Bioprodukte, welche die Schweizer Anforderungen in wichtigen Bereichen nicht erfüllen. Bei den Knospe-Produkten sind die Voraussetzungen aber weitgehend dieselben.» (fko)

Erstellt: 17.08.2015, 20:14 Uhr

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