Banken profitieren von der Lenkungsabgabe

Bankenverbandschef Jörg Gasser fordert Umweltabgaben sowie eine Abkehr von der CO2-lastigen Wirtschaft. Die Branche stützt ihn dabei: auch aus einem einfachen Grund.

CO2-Abgaben verteuern Brennstoffe, um Anreize zum Energiesparen zu setzen. Denn im Winter rauchen die Schlote wie hier in Bern. Foto: Peter Klaunzer (Keystone) 

CO2-Abgaben verteuern Brennstoffe, um Anreize zum Energiesparen zu setzen. Denn im Winter rauchen die Schlote wie hier in Bern. Foto: Peter Klaunzer (Keystone) 

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Der Schweizerischen Bankiervereinigung haftet nicht das Image an, besonders progressiv zu sein. So fiel der Abschied vom Bankkundengeheimnis denkbar schwer. Umso überraschender erscheinen da die jüngsten Äusserungen des neuen Geschäftsführers des Verbandes, Jörg Gasser. Im Interview mit dieser Zeitung hält er zum einen Lenkungsabgaben, welche den Energieverbrauch verteuern, für «unumgänglich». Seine Branche fordert er zudem auf, «mittel- bis langfristig» aus der Finanzierung von CO2-intensiven Unternehmen auszusteigen.

Wie kommt das bei den Schweizer Banken an? Eine Stichprobe ergibt, dass die Institute Gassers Kurs im Grundsatz stützen, auch wenn hier und da Nuancen deutlich werden.

«Lenkungsabgaben sind grundsätzlich zu begrüssen.»Sprecherin Credit Suisse

Uneingeschränkt hinter Gassers Klimakurs stellt sich die Grossbank Credit Suisse. Sie stützt auch seine Forderung nach Umweltabgaben. «Lenkungsabgaben, als marktwirtschaftliche Instrumente, sind grundsätzlich zu begrüssen und Verboten vorzuziehen», erklärt eine Bank-Sprecherin.

Die Lokalrivalin UBS hat zu CO2-Abgaben noch keine Hausmeinung. Die Bank teilt generell mit, «die Aussagen der Bankiervereinigung zum Thema Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft zu unterstützen». Ähnlich tönt es von der Zürcher Kantonalbank, der grössten Kantonalbank der Schweiz. Sie betont, dass «ein Anreizsystem so gesetzt werden muss, dass die Wirtschaft den CO2 möglichst rasch senkt, ohne einen Schock auszulösen».

Sprich, die Finanzindustrie hat mit dem Instrument von Lenkungsabgaben zur Verteuerung von Energie wenig Probleme. Das hat einen einfachen Grund, wie ein Bankvertreter hinter vorgehaltener Hand einräumt: «Banken bekommen schon aus der aktuellen CO2-Abgabe auf Brennstoffe mehr Geld zurück, als sie zahlen.»

Geld für Stiftung

Seit dem Jahr 2008 gibt es eine CO2-Abgabe auf Brennstoffe wie Heizöl und Erdgas. Zwei Drittel davon werden unabhängig vom Verbrauch an die Bevölkerung und die Unternehmen zurückerstattet. Die Abgabe liegt seit 2018 bei 96 Franken pro Tonne CO2, insgesamt kommen etwa 1,1 Milliarden Franken pro Jahr zusammen.

Vor allem grosse Dienstleistungsunternehmen bekommen mehr erstattet, als sie einzahlen. Daher haben Firmen wie unter anderen Raiffeisen, Swiss Re oder die Softwarefirma SAP die Klimastiftung Schweiz ins Leben gerufen. Die beteiligten Unternehmen zahlen ihre Rückvergütungen aus der CO2-Abgabe in die Stiftung ein, die damit kleine und mittelständische Unternehmen unterstützt, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Fehlende Standards für die Offenlegung

Banken haben zwei Hebel, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten: über die Kreditvergabe sowie darüber, wie die Bankkunden ihr Geld anlegen. UBS und Credit Suisse verweisen darauf, dass sie zu jenen 130 Banken zählen, welche die Prinzipien der Vereinten Nationen für ein verantwortungsvolles Bankgeschäft unterzeichnet haben. Diese Banken verpflichten sich unter anderem, mit ihrer Geschäftspolitik beizutragen, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden. Laut UBS hat die Grossbank im vergangenen Jahr die Finanzierung von klimaschädlichen Unternehmen bereits um rund 60 Prozent zurückgefahren.

«Das grosse Problem besteht darin, dass es derzeit noch keinen internationalen Standard gibt, wie der CO2-Abdruck gemessen und offen gelegt werden muss», erklärt eine Sprecherin der Credit Suisse. Mit dem «Paris Agreement Capital Transition Assessment» gebe es aber ein internationales Projekt, hierfür ein Bewertungsinstrument zu entwickeln.

Greenpeace sieht Aufsicht in der Pflicht

Greenpeace ist skeptisch: «Schweizer Banken sind in diesem Punkt effektiv noch nicht sehr weit», sagt Greenpeace-Finanzexperte Peter Haberstich. «Wir sehen da die Regulierungsbehörden in der Pflicht», die Aufsicht Finma und die Schweizer Notenbank müssten Banken verpflichten, ihre Klimarisiken offenzulegen.

Mit Blick auf die Geldanlagen der Kunden arbeitet die Bankiervereinigung aktuell an Kriterien, wie in der Kundenberatung das Thema adressiert werden soll. Offen sei dabei laut der Bankiervereinigung, ob Berater aktiv Kunden klimafreundliche Anlagen ans Herz legen sollen, oder ob Kunden zunächst nur für das Thema sensibilisiert werden. Bankenverbandschef Jörg Gasser drückt aufs Tempo: Die Beratungskriterien sollen Ende März fertig sein.

Erstellt: 02.12.2019, 19:31 Uhr

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